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Deutscher Wein : Herkunft entscheidet

  • -Aktualisiert am

Weinberge in Rheinhessen rund um die am Rhein gelegene Stadt Oppenheim, aufgenommen im Sommer 2014 Bild: dpa

Es mag wie eine kleine Formalität klingen. Doch die Durchführungsverordnung der EU zur geschützten Ursprungsbezeichnung läutet für den deutschen Wein ein neues Zeitalter an. Wie schmeckt der Unterschied?

          Es klingt wie eine rein bürokratische Formalität, doch als am 16. Mai 2017 mit einer Durchführungsverordnung der EU der „Bürgstadter Berg“ in Franken zur ersten „geschützten Ursprungsbezeichnung“ (g.U.) für Wein in Deutschland erklärt wurde, brach für den deutschen Wein ein neues Zeitalter an. Seit dem Weingesetz von 1971 war der Zuckergehalt der Trauben (technischer Begriff: Mostgewicht in Grad Oechsle) der entscheidende Faktor für die qualitative Einstufung jedes deutschen Weins.

          Das ist ein krasser Gegensatz zum System in den romanischen Ländern, wo die geographische Herkunft entscheidend ist. In Frankreich, Italien und Spanien sind „Chablis“, „Barolo“ und „Rioja“ die jeweilige Qualitätsbezeichnung mit streng definierten geographischen Grenzen, während in Deutschland „Spätlese“ eine Qualitätsbezeichnung für Weine aus sämtlichen Flächen aller 13 Weinbaugebiete darstellt, den entsprechenden Mindestzuckergehalt der Trauben bei der Lese vorausgesetzt.

          Die historischen Gründe für den deutschen Sonderweg liegen auf der Hand: Am kühlen bis kalten Nordrand der europäischen Weinbauzone darum kämpfen zu müssen, die Trauben reif zu bekommen, brachte die Winzer dazu, sich auf den Traubenzuckergehalt zu fixieren, den einfachsten analytischen Indikator für die Reife. Nach dem Wirtschaftswunder hat die Weinindustrie auf eine Demokratisierung des „guten deutschen Weins“ gedrängt, um möglichst viele Winzer an seiner Erzeugung zu beteiligen. Das Problem war, dass sich so viele Winzer an den gesetzlichen Minimum-Anforderungen für „Spätlese“ orientiert haben und es dadurch zu einem inflationären Gebrauch dieser Bezeichnung kam.

          Mit der Einführung der „geschützten Ursprungs“-Bezeichnungen wird der Trend zur geographischen Definition der Qualität des deutschen Weins weiter verstärkt.

          Schon Ende des 20. Jahrhunderts haben einige ehrgeizige deutsche Winzer angefangen, sich an den romanischen Ländern zu orientieren. Für sie war der geschmackliche Unterschied zwischen Weinen aus normalen und guten Weinbergslagen signifikanter als der Unterschied zwischen Weinen aus Trauben mit einem Mostgewicht von 87 Grad Oechsle oder 91 Grad Oechsle. Deswegen haben sie ihre trockenen Weine schlicht als „Qualitätswein“ mit dem Namen des Ortes oder der Weinbergslage, wo sie gewachsen sind, etikettiert, statt sie unter wohlklingenden (aber für sie hohlen) Bezeichnungen wie „Spätlese trocken“ zu vermarkten.

          Geographische Definition der Qualität

          Mit der Einführung der Kategorie „Großes Gewächs“ (GG) für hochwertige trockene Weine der Mitglieder des VDPs, des Eliteverbands des deutschen Weinbaus, im Jahr 2003 hat diese Entwicklung einen mächtigen Schub bekommen. Auf dem Etikett jedes GG prangt der Name der Spitzenlage, wo er gewachsen ist. Die GGs haben Weinbergsnamen wie Morstein (eine der Spitzenlagen von Westhofen/Rheinhessen) und Kastanienbusch (eine der Spitzenlagen von Siebeldingen/Pfalz) zu einer zuvor unvorstellbaren Bekanntheit verholfen. Das hat viele Winzer, die nicht VDP-Mitglieder sind, dazu bewogen, diesem Weg zu folgen.

          Mit der Einführung von g.U.-Bezeichnungen wird dieser Trend zur geographischen Definition der Qualität des deutschen Weins weiter verstärkt. 2011 haben sich die Bürgstädter Winzer einstimmig für einen Antrag auf g.U.-Status für die Lage Centgrafenberg entschieden.

          Und wie schmecken die neuen g.U.-Weine? Der 2016er „Bürgstadter Berg“ Riesling trocken vom Weingut Fürst zeigt die für Franken ungewohnten floralen Aromen, den schlanken Körper und die mineralische Frische dieser Lage. Auch der 2015er „Bürgstadter Berg“ Spätburgunder aus dem gleichen Haus fällt aus der Reihe mit seiner kühlen, eleganten Art, frischen Säure und feinen Lebkuchenwürze. Bald werden andere g.U.-Weine für einzelne, besondere Weinbergslagen folgen.

          Im kühlen bis kalten Nordrand der europäischen Weinbauzone darum kämpfen zu müssen, die Trauben reif zu bekommen, brachte die Winzer dazu, sich auf den Traubenzuckergehalt zu fixieren, den einfachsten analytischen Indikator für die Reife. Das ändert sich jetzt.

          Der besondere Wein

          2016er „Bürgstadter Berg“ Riesling trocken und 2015er „Bürgstadter Berg“ Spätburgunder trocken vom Weingut Fürst in Bürgstadt/Franken kosten je 18 Euro und 27 Euro ab Hof (Telefon 0 93 71/86 42, E-Mail: info@weingut-rudolf-fuerst.de).

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