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Nach Extrem-Sommer : „Deutsche Erdbeeren im November – da ist die Skepsis erstmal groß“

Bauer Stefan Manke erntet auf seinem Feld Erdbeeren im November. Bild: dpa

Der lange Sommer bringt nicht nur kleine Kartoffeln und lange Möhren mit sich – sondern auch deutsche Erdbeeren im November. Bauer Stefan Manke spricht im F.A.Z.-Interview über die aktuelle Ernte und deren Herausforderungen.

          2 Min.

          Herr Manke, wie viele Erdbeeren haben Sie vergangene Woche auf Ihren Feldern in Südhessen geerntet?

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die genaue Zahl fehlt mir momentan, aber ungefähr 250 Kilo.

          Wie kam es dazu?

          Die Erdbeere hat im Mai ihren ersten Ertrag gebracht. Nachdem die Früchte abgeerntet waren, wurden die Erdbeeren wie üblich abgemulcht und sind dann wieder neu ausgetrieben. Der Herbst ist eigentlich die Phase, in der die Erdbeere wieder Kraft fürs nächste Jahr sammelt. Diesmal ist es durch die warmen Temperaturen so gekommen, dass die Erdbeere einen Haufen Blüten getrieben hat. Die könnte man natürlich mit der Hand entfernen, denn sie rauben der Pflanze Kraft. Aber es waren so viele Blüten, dass wir dann gesagt haben: Wir gucken mal, was passiert – vielleicht gibt’s noch mal Erdbeeren.

          War das eine einfache Entscheidung?

          Das ist natürlich risikoreich. Schlechtes Wetter, kalte Temperaturen – das würde alles dazu führen, dass es ein Misserfolg wird. Aber wir haben in diesem Fall Glück mit dem Wetter.

          Ernten Sie zum ersten Mal Erdbeeren im November?

          In dem Umfang ja.

          Wie sind die Preise für Novembererdbeeren?

          Der Markt ist schwierig. Die Leute akzeptieren erstmal nicht gleich, dass es im November deutsche Erdbeeren gibt. Da ist die Skepsis relativ groß. Die Mengen sind allerdings nicht so groß, dass wir den Großhandel beliefern. Wir können die Früchte im Hoflädchen absetzen, und da kostet dann ein Schälchen mit 500 Gramm 3,50 Euro.

          Wie bewältigen Sie die Ernte zu dieser ungewöhnlichen Zeit? Die Saisonarbeiter sind doch wahrscheinlich längst weg.

          Bei uns sind rund ums Jahr Mitarbeiter aus Osteuropa da. Die Arbeit ist ja nicht nur die Ernte zur Saison, sondern auch die Pflege der Kulturen. Da muss Unkraut gezupft werden, da muss die Ranke abgemacht werden – das sind alles Arbeiten, die normalerweise um diese Zeit von unseren Mitarbeitern erledigt werden. Nur in diesem Jahr haben sie noch ein bisschen mehr zu tun, eben in der Ernte.

          Warum können Sie in Deutschland überhaupt Erdbeeren im November ernten?

          Statistisch gesehen gab es schon immer Ausreißer beim Wetter. Allerdings sehen wir uns in den vergangenen sieben, acht Jahren immer wieder neuen Extremen ausgesetzt. Wir versuchen, uns darauf einzustellen mit der Auswahl der Sorten und der Kulturverfahren, der Schutzmaßnahmen. Das sind neue Herausforderungen, die mit Sicherheit zu einem gewissen Teil auch dem Klimawandel geschuldet sind.

          Bekommen wir denn in diesem Winter noch Steckrübe und Kohl?

          Tja. Das ist nicht ganz meine Baustelle, wir haben diese Arten nicht im Anbau. Aber ich gehe davon aus, dass wir damit demnächst schon noch beglückt werden. Beim Rosenkohl habe ich mitbekommen, dass der fast nur aus dem Ausland importiert wird. Die milden Temperaturen begünstigen die Schädlinge, zum Beispiel die Weiße Fliege. Die ist zwar für den Menschen unproblematisch, aber wenn der Rosenkohl mit Weißen Fliegen gespickt ist, ist er für den Handel nicht geeignet. In gewissen Anbaugebieten im Ausland gibt es die Möglichkeit, gegen die Schädlinge chemisch vorzugehen, was in Deutschland nicht mehr der Fall ist.

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