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Deutsche Currywurst : Für den Heißhunger der Nacht

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Eine Frage von nationalem Interesse: Wie steht es um die Currywurst? Bild: dpa

Vor der WM dürfen nationale Fragen wieder gestellt werden. Zum Beispiel: Wie steht es um die deutsche Currywurst? Ursula Heinzelmann war in der Hauptstadt unterwegs, zum Testessen mit drei Starköchen.

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          Brasilien hat die Feijoada, Österreich das Schnitzel und Ungarn das Gulasch. Und Deutschland? Hat die Currywurst. Zugegeben, Nationalgerichte sind Verallgemeinerungen, und sie schmecken nicht jedem innerhalb der Landesgrenzen. Aber wäre die Currywurst eine Partei in Deutschland, sie dürfte sich „Volkspartei“ nennen. (Das tut ja sogar die SPD, die bei der letzten Bundestagswahl gerade mal 25 Prozent abbekam.)

          Wer nun wissen will, wie es um die Currywurst im Land steht, hat diverse Optionen, wo er nachforschen will. Hamburg kann einen eigenen Curry-Ursprungsmythos, das Rheinland eine lebendige Curry-Kultur vorweisen – einmal mehr ist Vielfalt die Definition deutscher Esskultur. Für Berlin spricht die Omnipräsenz der Wurst – und, Wowereit hin oder her, die Sache mit der Hauptstadt. Das gab bei uns den Ausschlag. Wie also steht es um „die Curry“ in der Kapitale? Wann und wo schmeckt sie am besten? Curry-Imbiss und Feinschmecker-Gaumen – geht das zusammen?

          Wir haben mit drei Starköchen an drei ganz unterschiedlichen Adressen recherchiert. Wir waren in Ost und West, bei Sonnenschein und in der Nacht, mit und ohne Alkoholbegleitung unterwegs. Zum besseren Vergleich aber immer: „ohne“. Ohne Darm. Foodhistorisch versierte Kenner sagen, die darmlose Variante sei in der Nachkriegszeit und frühen DDR entstanden, als Wurstdärme Mangelware waren und die Fleischer daher das Brät direkt in den Kessel gleiten ließen. Auf alle Fälle steht „ohne“ für die geschmackliche Vorliebe des Ostens, wo „mit“ leicht geringschätzig als gebratene Bockwurst abgetan wird; für weiter westlich Curry-Sozialisierte ist der knackige Biss knuspriger „Pelle“ unerlässlich. Einmal mehr regiert die Vielfalt.

          Spitzenkoch Herbert Beltle (rechts) testet die Currywurstbude „Dom Curry“.
          Spitzenkoch Herbert Beltle (rechts) testet die Currywurstbude „Dom Curry“. : Bild: Pein, Andreas

          Erster Treffpunkt: Unter den Ambitionierten

          „Dom Curry“, Mohrenstraße 30, täglich 11 bis 19 Uhr, im Dezember geschlossen. Verkoster: Herbert Beltle.

          Beltle, gebürtiger Augsburger und Endfünfziger, ist Gastronom von der Pike auf; er betreibt das idyllische „Alte Zollhaus“ am Landwehrkanal, das gediegene „Aigner“ am Gendarmenmarkt und die trendige „Rôtisserie Weingrün“ am Spittelmarkt. Gefragt, wie er die Curry in drei Worten definiere, antwortet er (inklusive eines Klecks Soße obenauf): „Berliner Leben im Wurstdarm“.

          „Dom Curry“ bietet Currywurst und Bratwurst auf vornehm, mit Lounge-Möbeln unter Platanen, Blick auf Dom und Schauspielhaus. Das erscheint familien- und abendkleidtauglich, wegen der frühen Schließzeit allerdings leider nicht in lauen Sommernächten. Das kleine Imbisshäuschen wird vom Küchenchef des „Hotel Hilton“ gegenüber betrieben und zeigt mit eigener Curry-Mischung und Wurst-Rezeptur deutlich kulinarische Ambitionen. Beltle erklärt, dass die Curry als solche vor allem von der Sauce lebt, und die gefällt ihm hier in der Abendsonne: richtig schön satt, fruchtig, mit Zwiebel- und Paprikastückchen. Beltle ist auch richtiggehend begeistert von der Idee, die Wurst bereits inwendig mit Currypulver zu würzen und somit leicht gelb leuchten zu lassen. „Da hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht! Wenn sie mich jetzt noch beim Ordern gefragt hätten, ob ich’s extrascharf möchte...“

          Serviert wird die Wurst der Kulisse entsprechend edel in einer weißen Porzellanvariante des klassischen Pappschälchens mit silberfarbenem Plastikgäbelchen. Einzige richtige Enttäuschung: das fade Allerwelts-Aufbackbrötchen, in den Versionen „weiß“ und „Körner“ im Angebot. Taugt allenfalls zum Aufstippen der Sauce. Ansonsten aber: Currywurst kann offenbar auch Besitzer anspruchsvoller Gaumen glücklich machen.

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