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Trinken wir noch ein Glas? : „Ich will den Berg in die Flasche bringen“

Telmo Rodriguez verkauft mit seinem Unternehmen mehr als eine Million Flaschen Wein pro Jahr. Bild: Röth, Frank

Telmo Rodriguez ist einer der profiliertesten Winzer Spaniens. Er hat Projekte in vielen Anbauregionen. Wir machen uns mit ihm auf die Reise und verkosten vier seiner bekanntesten Tropfen.

          In Anlehnung an die „flying winemakers“ in Australien werden Sie mitunter der „fahrende Weinmacher“ Spaniens genannt.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist ein völlig falsches Bild. Ich hasse den Begriff „Weinmacher“. Es ist das Gegenteil von dem, was ich tue. Ich habe in Bordeaux Weinbau studiert und zwei große Chateaux kennengelernt. Aber ich wollte lieber handwerklich arbeiten, und meine Arbeit in den vergangenen 20 Jahren hat mit dem Bemühen zu tun, ein vergessenes Spanien wiederzuentdecken. Ich wollte zurück zu den Wurzeln. Ein Weinmacher ist dagegen ein Techniker, der eine Art Rezept anwendet, egal, wo er tätig wird, ob nun in Australien, Südafrika oder Spanien.

          Das machen Sie nicht?

          Ich hasse es. Wenn ich einen Weinberg entwickeln will, schaue ich mir alles genau an, um diesen Flecken Erde zu verstehen und Weine zu produzieren, die das Land und seine Geschichte respektieren. Das dauert manchmal viele Jahre.

          Sie haben in Bordeaux studiert. Warum nicht in Spanien?

          Zum einen ist Frankreich über Jahrhunderte der Referenzpunkt in Sachen Wein gewesen. Zum anderen sind die Verbindungen zwischen dem Rioja, aus dem ich komme, und Bordeaux historisch sehr eng. Schließlich ist meine Familie immer sehr frankophil gewesen. Es war für mich vollkommen normal, nach Frankreich zu gehen.

          Als Sie zurückkamen, haben Sie nicht das Familien-Gut in Rioja übernommen, sondern Projekte in anderen Regionen Spaniens begonnen. Warum?

          Ganz einfach: Ich konnte nicht mit meinem Vater arbeiten. Deshalb habe ich mich auf den Weg durch Spanien gemacht und mich gewundert, warum so viele bemerkenswerte Regionen keine bemerkenswerten Weine hervorbringen. 1994 habe ich dann damit begonnen, vergessene Weintraditionen zu neuem Leben zu erwecken.

          „Eigentlich sehe ich mich als Kleinproduzent“: Rodriguez.

          Einer der Weine, der Sie berühmt gemacht hat, ist Basa. Ein Verdejo mit ein wenig Viura und Sauvignon Blanc, der inzwischen als Referenz für die Region Rueda gilt.

          Er war eine Art Motor für mich. Denn meine Idee, zu zeigen, dass man in Spanien auch gute Weißweine machen kann, wurde mit Basa so erfolgreich, dass ich mit diesem Wein das Geld für weitere Projekte verdienen konnte.

          Trinken wir ein Glas davon?

          Natürlich. Er hat in der Nase intensive Aromen von frischen Früchten, aber auch subtile Kräuternoten. Im Mund ist er trotz seiner Säure sehr weich, geradezu schmeichelhaft, typisch Verdejo. Kein intellektueller, sondern ein unkomplizierter Wein für alle Tage.

          Sie haben mit Basa Verdejo aus der Versenkung geholt.

          Die Winzer in Rueda haben lieber auf internationale Sorten gesetzt, und der Verbraucher hat sich darauf eingelassen. Das ist ein grundsätzliches Problem in Spanien: Die Verbraucher sind zu anspruchslos.

          Noch unbekannter ist Godello aus Valdeorras in Galicien. Von der Traube hatte noch niemand gehört vor Ihrem Gaba do Xil.

          Ja, alle denken bei Galicien an die weiße Rebsorte Albarino aus Rias Baixas. Aber die ältere und traditionsreichere Weinregion ist eigentlich Valdeorras. Darum bin ich dort aktiv geworden. Nehmen Sie mal einen Schluck.

          Hm, sehr frisch, ich würde sagen, er riecht nach Gras, grünem Apfel und etwas mineralisch. Im Mund trotzdem ganz schön voll und rund, fast cremig.

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