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Paleo : Koch wie dein Urururururopa

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„Wie können nur das nehmen, was wir haben“: Paleo-Zutaten Forelle, Süßkartoffeln, Fleisch, Pilze, Nüsse und Brombeeren Bild: StockFood

Essen wie die Steinzeitmenschen: Die einen schwören darauf, die anderen finden es albern. Inzwischen gibt es sogar Restaurants, die nach den „Paleo“-Regeln arbeiten, und auch im Sport macht sich der Trend breit. Ist das nur Humbug?

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          Der Gastraum ist so dunkel wie eine Grotte, an den Wänden hängen Geweihe, das Logo auf der Speisekarte ist ein Steinzeitstrichmännlein, wie man es sich an den Wänden der Höhle von Lascaux gut vorstellen könnte. Auf dem Tisch dann eine Schieferplatte, darauf ein paar Scheiben Brot aus Leinsamenmehl und ein paar Schälchen. In einem ist Tapenade, in den anderen Kimchi mit einer Scheibe rosa gebratenem Wildschwein, fermentierte Kokosnuss-Paste, Feigen mit Bacon. Das also sollen unsere Vorfahren gegessen haben. Oder so was in der Art.

          Küche im „Paleo“- oder auch „Paläo“-Stil nennt man das, was Boris und Rodrigo Leite-Poco mit ihrem Restaurant „Sauvage“ seit 2011 betreiben; sie werben damit, ihres sei das erste Restaurant dieser Art weltweit gewesen. Sie griffen damit eine Bewegung auf, die sich seit einem guten Jahrzehnt von Nordamerika aus verbreitet: Essen wie unsere Vorfahren. Wie damals im Paläolithikum, vulgo: in der Altsteinzeit. Dass diese Phase der Menschheit absurd lange dauerte, von 2,5 Millionen bis 10 000 Jahren vor Christus, macht schon klar, was eines der Hauptprobleme der Lehre ist: Es ist schwer, sich über die elementaren Regeln zu verständigen. Dass die „Sauvage“-Macher mit dem französischen Namen das „Wilde“ sofort edel wirken lassen, passt: Diese Widersprüchlichkeit ist typisch für die Paleo-Bewegung, die zudem dabei ist, sich von der reinen Ernährungs- in eine breitere Lebensweise zu entwickeln.

          Für alle ist der Amerikaner Loren Cordain der Bezugspunkt

          Auf eines können sich aber die meisten einigen, egal ob sie für oder gegen Paleo sind: Für alle ist der Amerikaner Loren Cordain der Bezugspunkt. Der Ernährungswissenschaftler aus Colorado hat vor 12 Jahren mit „The Paleo Diet“ das Buch auf den Markt gebracht, das als die Bibel der Bewegung gilt. „Ich erkannte, dass es absolut notwendig war, zu verstehen, wie sich unsere Vorfahren in ihrer natürlichen Umgebung ernährten“, schreibt Cordain, „um zu erkennen, was die optimale moderne menschliche Ernährungsweise ist.“ Und dieses natürliche Umfeld sei nun mal das von Jägern und Sammlern, die wilde Pflanzen und Tierisches zu sich nahmen - bevor die neolithische und industrielle Entwicklung all das verfälschte. Kurz: Alle Lebensmittel, die die Landwirtschaft hervorgebracht hat, alle Korn- und Milchprodukte, gelten bei den Paleos als Tabu und, ja: raffinierter Zucker und Salz ebenso.

          Der Trend ist längst auch hierzulande angekommen, was sich nicht zuletzt an den Werken zum Thema zeigt, welche die Regale der Buchhandlungen füllen; die Titel versprechen Kraft - so „Paleo-Power for Life“ oder „Das Paläo-Power-Kochbuch“, Untertitel „Energie und Lebensfreude aus der Steinzeitküche“ -, aber auch feinere Genüsse: „Paläo-Küche für Genießer“. Auch dass man damit „fit und schlank“ werde, wird verheißen.

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