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„Smoked white tea“ : Der beste Tee der Welt kommt aus Schottland

Camellia Sinensis, die Teepflanze hat es normalerweise gerne warm. Bild: Picture-Alliance

Teeanbau in Schottland? Das klingt nach einer Schnapsidee. Drei Unternehmer haben den Schritt gewagt. Und wurden nun überraschend ausgezeichnet.

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          Der Wetterbericht klingt nicht sehr vielversprechend: Wenn es gut läuft, kommt irgendwann am Wochenende auch mal die Sonne durch in Amulree. Nachts fallen die Temperaturen in der kleinen Ortschaft im schottischen Hochland bis an den Gefrierpunkt. Tagsüber steigt das Thermometer in der Gegend, rund anderthalb Autostunden nördlich von Aberdeen, kaum über 6 Grad. Ein heißer Tee tut da gut – und in Amulree bauen sie ihren eigenen an. Vor vier Jahren haben hier drei wagemutige Unternehmer Schottlands erste Teeplantage gegründet: die Wee Tea Company („die winzige Teefirma“).

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Projekt klingt nach Schnapsidee. Normalerweise hat es die Camellia Sinensis (Teepflanze) gerne subtropisch warm. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis der Anstrengungen im rauhen Schottland: Am Freitag zeichnete die Jury des Pariser Salon du Thé den „Smoked white tea“ der wackeren schottischen Teebauern mit der Goldmedaille aus. Die Wee Tea Company stach damit arrivierte Konkurrenzprodukte aus asiatischen Plantagen aus. Erst seit dem vergangenen Jahr ist der schottische Weltmeister-Tee auf dem Markt.

          Auf der Homepage des Unternehmens kosten 15 Gramm des edlen Gewächses 35 Pfund, umgerechnet knapp 50 Euro. Damit zählt die Sorte zu den teuersten Teemarken der Welt. Auch der renommierte Londoner Delikatessenladen Fortnum & Mason hat den Tee aus Amulree im Sortiment. Im noblen Balmoral-Hotel in Edinburgh kann man den schottischen Tee, für 10 Pfund das Kännchen, ebenfalls schlürfen. Der Löwenanteil der Produktion wird jedoch nach China exportiert. Das Reich der Mitte ist zwar selbst der größte Teeproduzent der Welt, aber der chinesische Durst nach europäischen Luxusgütern ist eben nicht zu stillen.

          Der Whisky-Vergleich

          „Delikat und fast nussig“, schmecke sein Tee, sagt Tam O’Braan, einer der Gründer der Wee Tea Company. „Manche hielten uns für verrückt, aber meine Partner und ich wussten, dass wir es schaffen können“, erzählte der Unternehmer der Londoner Zeitung Daily Mail. „Wir denken langfristig“, sagt O’Braan und prophezeit, dass noch seine Kinder und Kindeskinder in Schottland Tee anbauen werden.

          Nachahmer gibt es bereits: Inzwischen sollen in Schottland bereits rund ein Dutzend weitere Landwirte mit dem Teeanbau experimentieren. Auch im südenglischen Cornwall, das mit einem sehr viel milderen Klima gesegnet ist als Amulree, gibt es eine Teefarm. Der Branchenpionier O’Braan prophezeit dem schottischen Tee eine große Zukunft: Seine Plantage, auf der rund 2000 Teepflanzen wachsen, sei vergleichbar mit den Anfängen der schottischen Whiskyindustrie. Die Schnapsbrenner hätten schließlich auch einmal klein angefangen.

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