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Unsere Lieblinge 2019 : Die besten Köche und Winzer

  • -Aktualisiert am
2018 Mittelrhein Riesling vom Weingut Dr. Kauer in Bacharach.

Sowohl die Wein-Gewichtsklasse Kabinett als auch das Weinbaugebiet Mittelrhein mit seinen zwischen Bingen, Bacharach und Bonn gelegenen Schiefersteillagen sind schützenswerte Kulturgüter. Den trockenen oder auch klassisch feinherben Kabinett schaffen die Winzer vielerorts jedoch ohne Not ab. Prädikate sollen nur noch süße Weine deklarieren, während Qualitätsweine ohne Prädikat heute nach Herkünften klassifiziert werden. Randolf Kauers subtiler, klarer, feingliedriger und stimulierend salziger Kabinett aus der Wolfshöhle zu Bacharach repräsentiert sowohl seine steile, steinige Herkunft vortrefflich wie auch den Typ Kabinett, der für leichtfüßige, raffinierte und animierende Weine steht, gerade auch in der Geschmacksrichtung trocken. Sie mögen unprätentiös, leise und unspektakulär sein, aber: Kein Fleck der Erde kann derart leichte und zugleich tiefgründige Rieslinge erzeugen wie die Steillagen an Rhein und Mosel. Kauers seit 1982 ökologisch erzeugter Kabinett aus der Wolfshöhle bleibt selbst in einem heißen Jahr wie 2018 noch ausgewogen, fein und kühl. Es wäre fatal, diese ohnehin vom Klimawandel bedrohte Gewichtsklasse vorzeitig und freiwillig aufzugeben!

„Schatzi“ des Jahres

2007 Mosel Riesling Trarbacher Hühnerberg Auslese vom Weingut Martin Müllen in Traben-Trarbach, muellen.de, 48 Euro ab Hof (0,375 l 25,50 Euro)

Große Rieslinge brauchen Zeit: trockene einige Jahre, die süßen Prädikate mögen zwar schon jung attraktiv fruchtig schmecken – faszinierend komplex aber sind auch sie erst nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten. Martin Müllen keltert seine zwischen Kröv und Trarbach in Steillagen gewachsenen Weine so, wie es schon sein Großvater tat: Mit der mechanischen Korbpresse, die sämtliche Trauben 20 Stunden lang presst und alle Inhaltsstoffe der Beerenschalen in den Most und damit auch den Wein einlagert. Danach bietet er sie zwar jung an, doch gemäß der Vorgabe, dass große Rieslinge Zeit brauchen, sperrt er, was er im ersten Jahr nicht verkauft hat, in einen seiner Felsstollen und holt es erst wieder in den Verkauf, wenn es seiner Meinung nach trinkreif ist. Dieses Jahr darunter: die 2007er Riesling Auslese aus dem Hühnerberg, einer steil über sieben Terrassen aufsteigenden Spitzenlage in einem Seitental der Mosel, die schon im 19. Jahrhundert klassifiziert wurde und jedes Jahr Weltklasse-Rieslinge wie diese Auslese hervorbringt – präzise, hochelegant und saftig, mit stimulierender Vitalität und Salzigkeit sowie roten und dunklen Beeren im Nachklang. Ein edler Süßwein, der aus hochreifen, aber kerngesunden Trauben gekeltert und im Fuder ausgebaut wurde und heute viele Desserts und Käsesorten begleitet, aber auch eine Meditation in Gang setzen kann.

Aufsteiger/ Komet des Jahres

Christoph Wolber & Alexander Götze vom Weingut Wasenhaus in Staufen, wasenhaus.de

Sie sind beide Quereinsteiger und haben bei der Elite der Côte d’Or in Burgund gelernt, etwa bei Leflaive, Comte des Armand, Bernhard van Berg und Pierre Morey. Der Staufener Christoph Wolber und der Brandenburger Alexander Götze, der noch immer als chef de culture den Außenbetrieb der Domaine de Montille in Volnay führt, lernten sich in einer Wohngemeinschaft in Meursault kennen, verstanden sich und beschlossen, das Erlernte daheim anzuwenden. Brandenburg schied als Burgund des Ostens aus, aber rund um Staufen im schönen Markgräflerland stehen auf den hier vorherrschenden Kalkböden Spätburgunder, Weißburgunder und Chardonnay. Und natürlich Gutedel. 2015 gründete sich das Duo und gab sich den Namen „Wasenhaus“. Die Etiketten der seit 2016 erzeugten Weine sind stilvoll und klar wie die Weine selbst: schlicht gemacht, wie große Burgunder, mit viel handwerklicher Technik, aber keinerlei önologischen Tricks: Handlese, Vergärung mit Naturhefen, Reifung über zwei Winter im Holz, die letzten Monate zur Präzisierung im Edelstahl; Füllung ohne Pumpen, Schönung und Filtration und mit nur mäßiger Schwefelgabe. Das Resultat: Die als Badischer Landwein deklarierten Naturweine sind pur, frisch und spannungsreich, dabei subtil und komplex – und stets ausverkauft, vor allem ins Ausland und in Sternerestaurants. Tipp: Sofort nach Resten der 2017er fahnden!

Christoph Wolber und Alexander Götze vom Weingut Wasenhaus in Staufen.

Ein Abend mit Lieblingen

Die besondere Klasse der Preisträger persönlich zu erleben, dazu haben die Gäste unserer alljährlichen "Liebling"-Gala Gelegenheit, die am 1. Februar 2020 im Grandhotel Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach bei Köln stattfindet. Die Veranstaltung ist allerdings bereits ausverkauft.

An diesem Abend kochen fünf Meister des Herdes – Torsten Michel, Heiko Nieder, Jan-Philipp Berner, Dennis Quetsch und Song Lee – ein gemeinsames Fünf-Gänge-Menü; dazu werden ausgezeichnete Weine von den prämierten Gütern verkostet, darunter ein exklusiver Magnum-Sekt und eine Rotwein-Premiere.

Durch den Abend führen die Juroren Jürgen Dollase (u.a. Autor der Gastro-Kolumne „Hier spricht der Gast“ bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und Blogger bei www.eat-drink-think.de) und Stephan Reinhardt, seit Frühjahr „Reiner Wein“- Kolumnist der F.A.S., der ansonsten als Kritiker für den Dienst „Robert Parker Wine Advocate“ arbeitet und die viel zitierten „Parker-Punkte“ für Deutschland, Österreich, die Schweiz, das Elsass und das Loiretal vergibt.

Infos: Der Preis pro Person beträgt 315 für Menü und Getränke. Beginn der Veranstaltung ist 18 Uhr. Teilnehmende Gäste haben die Möglichkeit, zu speziellen Konditionen im Althoff Grandhotel Schloss Bensberg zu übernachten; Infos bei info@schlossbensberg.com oder unter 0 22 04 / 4 29 06.

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