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Unsere Lieblinge 2019 : Die besten Köche und Winzer

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Auch in der Gastronomie gibt es – wie zum Beispiel in der Kunst oder der Musik – die ganz großen Talente, die bei ihrer Arbeit wahrhaft rätselhafte Qualitäten entwickeln. Nancy Großmann (35) hat im Berliner Gourmetrestaurant „Rutz“ eigentlich einen sehr schwierigen Posten, weil die Weinbegleitung für die filigranen, neuartigen Gerichte von Marco Müller kaum jemals klassischen Regeln folgen kann. „Quellforelle & Haut, Schafsmolke, Garum“, heißt es da, oder „Waldboden & trockengereiftes Rind“ und „Salzwiesenlamm mit Zwiebelgewächsen, Holunder und Gerste“. Großmann navigiert nicht nur mit traumwandlerischer Sicherheit und mit Hilfe der beeindruckend originellen Weinsammlung des „Rutz“ durch alle Details, sondern schafft eine weitere Dimension zum Essen. Das Essen im „Rutz“ muss der Gast mit ihren Weinen genießen. Begonnen hat Großmann ihren Weg erst einmal mit einer Ausbildung zur Restaurantfachfrau und einer ganzen Reihe von Stationen im In- und Ausland. Eine Sommelièr-Ausbildung mit Abschluss machte sie erst später, gefolgt von knapp drei Jahren als Filialleiterin und Sommelière im Weinladen Schmidt, der – man ahnt es – den gleichen Besitzer wie das „Rutz“ hat. Nach ersten Posten als Sommelière in der Gastronomie – etwa im „Storstad“ in Regensburg – kam sie zu Beginn des Jahres 2018 ins „Rutz“. Jetzt passt alles. Die richtige Frau ist am richtigen Ort angekommen.

Nancy Großmann verantwortet die Weinbegleitung zu jedem Gang, er im „Rutz“ in Berlin serviert wird.

Winzerin des Jahres

Caroline Diel vom Schlossgut Diel in Nahe, diel.eu

Ich habe mein Entzücken über ihre letzten beiden Kollektionen – mehrheitlich auf den Jahrgängen 2017 und 2018 basierend – bereits in meiner Kolumne ausgedrückt. Schon damals wäre Caroline Diel für mich eine Favoritin für den Titel „Winzer des Jahres“ gewesen, und sie hat ihre Position auch nach vielen hundert Weinen und Dutzenden von Kollektionen, die ich danach auf die Zunge nahm, behaupten können. Es ist nicht nur die herausragende Qualität ihrer immer gastronomisch gedachten und daher stets tiefgründigen und strukturierten, nie vordergründigen Weine, die sie berechtigt, eine weitere Urkunde der F.A.S. entgegenzunehmen (sie war 2016 bereits Schöpferin des besten Sekts). Die Vielfalt der von ihr beherrschten Ressorts ist einfach atemberaubend. Diel kann schlichtweg alles, und das ziemlich gut: Sekt, Riesling von trocken bis edelsüß, Burgunder von Weiß über Grau bis Spät. Man könnte ein mehrgängiges Menü mit ihren Weinen begleiten, und kein Pairing wäre ein Kompromiss. Nach elf Jahren harter Arbeit und auch dank des womöglich geerbten Talents hat sie den Titel redlich verdient.

Liebling als „Winzerin des Jahres“: Caroline Diel vom Schlossgut Diel in Nahe.

Weißwein(macher) des Jahres

2017 Rheingau Riesling Landgeflecht Unikat, Peter Jakob Kühn aus Oestrich, weingutpjkuehn.de, 90 Euro bei Vorbestellung ab Hof

Zwar ist Peter Bernhard Kühn auch nach eigener Meinung noch kein besserer Sankt Nikolaus Riesling Grosses Gewächs gelungen als der Ende August bereits an dieser Stelle gepriesene 2017er. Das heißt aber nicht, dass er nicht doch noch einen draufzulegen vermochte. Zwar kommt das von einer alten Parzelle im quarzithaltigen Doosberg selektionierte Landgeflecht erst im Spätsommer 2020 auf den Markt, aber da ich den Wein bereits verkosten durfte und der 2016er schon so gut wie ausverkauft ist, sei er Ihnen hier zur Reservierung ans Herz gelegt – auf einen Tisch im „Noma“ warten Sie schließlich noch länger. Vom über 16 bis 20 Monate in 600-Liter-Holzfässern auf der Vollhefe ausgebauten Landgeflecht gibt es immer nur etwa 1200 Flaschen, und der im April gefüllte, fest strukturierte und betörend salzige 2017er vereint die enorme Komplexität und Konzentration biodynamisch erzeugter Trauben mit der Reinheit, Kraft und vibrierend mineralischen Nachhaltigkeit des besten Stücks im Doosberg. Es ist einer der größten trockenen Rieslinge der Welt, den ich seit Jahren immer wieder äußerst gern trinke. Mehr Liebe geht nicht!

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