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Nach „Four Seasons“-Ende : New Yorker Promi-Lokal versteigert Inventar

  • Aktualisiert am

Wer will elegante Gläser ergattern? Das „Four Seasons“ versteigert sein Inventar. Bild: dpa

Fast 60 Jahre lang galt das New Yorker Restaurant „Four Seasons“ als Institution und Treffpunkt der Stars. Jetzt hat es geschlossen. Voller Wehmut versteigern die Betreiber das Inventar.

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          Da wäre zum Beispiel Posten 232, ein kleiner viereckiger Tisch aus Walnussholz. „Das war der Stammtisch von Philip Johnson“, sagt Alex von Bidder. „Aber es war auch der Tisch, an dem Prinzessin Diana zu Mittag gegessen hat. Sie war nur ein einziges Mal hier.“

          Mehr als 20 Jahre lang hat von Bidder gemeinsam mit seinem Partner Julian Niccolini das berühmte „Four Seasons“-Restaurant in New York geleitet. Jetzt musste das Edellokal schließen, und übermorgen, am 26. Juli, wird das Inventar versteigert. Der Tisch mit der Nummer 232 könnte bis zu 700 Dollar (etwa 635 Euro) einbringen, schätzt das zuständige Auktionshaus Wright.

          Ist heiser und nostalgisch von den vielen Abschiedsfeiern: Betreiber Alex von Bidder

          Von Bidder ist heiser. „Das kommt vom vielen Feiern in den vergangenen Tagen, so viele Abschiede. Und ich bin nostalgisch.“ Sein Blick schweift über das sanft blubbernde Wasserbecken, das mitten in einem der beiden Essräume im Boden eingelassen ist. „Ich kann mich noch daran erinnern, als Sophia Loren hier nach einem Abendessen schwimmen gegangen ist. Wir haben auch jeden Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte bedient. Außer Nixon, warum der nicht hier war, weiß ich auch nicht.“

          Schließung markiert das Ende einer Ära

          Seit 1959 galt das „Four Seasons“ in einem Seitenflügel des Seagram-Hochhauses von Star-Architekt Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) an der noblen Park Avenue als Institution und Stammlokal der Stars. Es soll die saisonale Speisekarte in den Vereinigten Staaten eingeführt haben, das heute allgegenwärtige „farm to table“-Konzept mit frischen Zutaten aus lokaler Quelle und vor allem den „Power Lunch“ der Schönen, Reichen und Mächtigen.

          Schauspieler, Politiker, Banker, Journalisten und Verlagsmanager waren Stammgäste. „Die Schließung markiert das Ende einer Ära“, jammert die „New York Times“. „Das Mittagessen wird nie wieder so sein, wie es einmal war.“

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          Das „Four Seasons“ geht nicht freiwillig. Der Besitzer des Seagram-Hochhauses, der in Frankfurt geborene Immobilien-Mogul Aby Rosen, hat den Mietvertrag des Lokals nicht verlängert. „Ich mag die Betreiber sehr gerne“, kommentierte er das in der „New York Times“. „Aber ihre Zeit ist vorbei und manchmal müssen auch großartige Dinge wieder verschwinden.“ Nach scharfer Kritik verteidigte er sich kürzlich der Zeitung gegenüber und wies darauf hin, dass er das denkmalgeschützte Gebäude derzeit mit vielen Millionen Dollar renoviere. „Ich sehe mich als Bewahrer.“

          Eine gute Heimat für jedes Stück finden

          Das „Four Seasons“ aber will er nicht bewahren. In die Räume soll ein neues Restaurant einziehen. „Ich wünschte, das Lokal würde so bleiben wie es ist“, sagt Auktionator Richard Wright, der das Inventar versteigern wird. „Aber wir werden das professionell durchziehen. Das ist eine Art der Erhaltung, wenn auch vielleicht nicht die ideale. Aber wir werden eine gute Heimat für jedes Stück finden.“

          Das Innere des „Grill Rooms“ des „Four Seasons“

          Zur Versteigerung steht fast alles von den Tischen und Stühlen, über Gläser, Besteck, Töpfe und Pfannen bis hin zur Zuckerwatte-Maschine. Die meisten Stücke stammen aus der Originaleinrichtung, entworfen von berühmten Designern wie Philip Johnson, Ludwig Mies van der Rohe oder Eero Saarinen. Die Anfangsgebote der rund 600 Auktionsposten liegen zwischen 100 und 15 000 Dollar, die Versteigerung soll einen ganzen Tag lang dauern.

          4,5 Millionen Dollar kostete die Eröffnung des „Four Seasons“ vor rund 60 Jahren, es soll damals das teuerste je eröffnete Restaurant gewesen sein. „Einen ganzen Monat vor der Eröffnung haben wir nur das Menü getestet“, erinnert sich Mimi Sheraton, die damals als Assistentin mithalf und heute als Restaurantkritikerin arbeitet. „35 Gerichte pro Tag. Und wenn dem Chefkoch der Braten mit Salbei nicht schmeckte, probierten wir ihn am nächsten Tag mit Rosmarin. Es hat zwei Wochen gedauert, bis wir uns auf einen ganz speziellen schwarzen Pfeffer einigen konnten, und nochmal eine Woche, um uns darauf zu einigen, wie er gemahlen werden soll.“

          Der Betreiber kann seine Tränen nicht zurückhalten

          Das „Four Seasons“ soll neu eröffnet werden, nur ein paar Straßenblöcke entfernt. Der Mietvertrag sei schon unterzeichnet, sagt Betreiber Niccolini und schaut leicht gequält, während er ein herunterhängendes Blatt von einer Palme neben dem Wasserbecken zupft. Es sei eben nicht dasselbe.

          Konnte seine Tränen kaum zurückhalten: Betreiber Julian Niccolini

          Bei einer Pressekonferenz kann er seine Tränen dann nicht mehr zurückhalten. „Bitte bieten Sie und nehmen Sie ein Stück New York mit nach Hause. Es geht doch um die Erinnerungen.“ Tränen füllen seine Augen, er muss kurz innehalten, dann fasst er sich wieder. „Der Geist des „Four Seasons“ wird weiterleben. Der steht nicht zum Verkauf.“

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