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Das besondere Restaurant (18) : Eine spektakuläre Küche

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Die Degustation ist erst einmal von dem Eindruck dominiert, ein ganz hervorragendes Klopse-Rezept vor sich zu haben. Danach entdeckt man, dass die Elemente nicht - wie bei schwächeren und industriellen Versionen üblich - vom ersten bis zum letzten Bissen gleichförmig schmecken. Hier hat alles Substanz und Tiefgang, und immer wieder gibt es neue Nuancen zu entdecken. Das wiederum führt einerseits dazu, dass man die Elemente einzeln probiert. Auf der anderen Seite neigt man schnell dazu, immer neue Kombinationen mit anderen Proportionen zu bilden, weil sich in diesen Kombinationen wegen der Vielfalt der eingebetteten Aromen neue Geschmacksbilder ergeben. Wohlgemerkt: das alles bei Königsberger Klopsen und immer mit dem Bewusstsein, „richtige“ Klopse zu essen. Tim Raue zeigt mit diesem Rezept ein unglaublich gutes Verständnis für das Potential unserer klassischen Gerichte.

Der Koch

Es gibt keinen Koch der absoluten Spitzenklasse in Deutschland, der ein Vorleben hat wie das von Tim Raue, 40. Geboren in einfachen Verhältnissen in Kreuzberg, schloss er sich später einer Jugendbande namens „36 Boys“ an. Seine Biographie von 2011 trägt denn auch den Titel „Ich weiß, was Hunger ist. Von der Straßengang in die Sterneküche“. Geblieben sind bis heute viel Berliner Schnauze und ein strammes Selbstbewusstsein, das aber eine gute Balance zwischen einem Zug nach oben und dem Sinn für Realitäten hat. Raue, der nun schon über drei Restaurants gebietet (neben „La Soupe Populaire“ und dem nach ihm benannten Stammhaus noch das „Sra Bua“ mit „japanisch-thailändischer“ Küche im Hotel „Adlon“ am Pariser Platz), will in den nächsten Jahren weitere eröffnen. Sein Aufstieg hatte viel mit der Erkenntnis zu tun, dass man sich in der harten Kochwelt mit konsequentem Einsatz Respekt verschaffen kann. Was wie Gang-Philosophie klingt, hat aus Raue einen allseits anerkannten und sehr erfolgreichen Koch gemacht.

Anerkannt und erfolgreich: Tim Raue

Nach der Ausbildung im „Châlet Suisse“ (wo er auch seine Frau, die Restaurantleiterin und Sommelière Marie-Anne kennenlernte) gab es Stationen wie das „First Floor“, bevor er, gerade mal 23, im „Rosenbaum“ und wenig später in den „Kaiserstuben“ erstmals Küchenchef wurde und im Jahre 1998 eine Auszeichnung als „Aufsteiger des Jahres“ bekam. Der Durchbruch kam 2002 im Restaurant „44“ im Swissotel am Ku’damm, wo er eine auffallend kreative „F.A.Z.-Gourmetvision“ kochte. Es folgten „MA“ und „UMA“ im „Adlon“ und im September 2009 die Rückkehr nach Kreuzberg sowie die Eröffnung seines eigenen Restaurants. Den ersten Stern gab es schnell, im Herbst 2012 folgte der zweite.

Im Mai 2013 eröffnete Raue „La Soupe Populaire“, das zuerst eigentlich mehr eine Idee war, im Stile eines befristeten Pop-up-Restaurants die Räumlichkeiten an der Prenzlauer Allee zu nutzen. Das „Bötzow Berlin“ genannte Gelände soll in den nächsten Jahren zu einem großen, stark künstlerisch geprägten Zentrum ausgebaut werden. Der phänomenale Erfolg hat aus der Idee nun ein festes Restaurant gemacht. An Raues Seite arbeitet als Küchenchef mit Michael Jaeger einer der besten deutschen Spezialisten für den Bereich außerhalb regulärer Restaurants, also Catering, Events, Rezeptentwicklung und so weiter, der aber auch schon im bekannten „Grill Royal“ und (zusammen mit Raue) im „44“ gekocht hat.

Nur die Fakten

„La Soupe Populaire“ im Atelierhaus

Prenzlauer Allee 242

10405 Berlin.

Tel. 030 / 44319680

www.lasoupepopulaire.de

 

Geöffnet: Donnerstag bis Samstag von 12-24 Uhr.

Preise: Vorspeisen: 10-14 Euro, Hauptgerichte 14-23 Euro. Zusätzliche Themengerichte passend zur Kunstausstellung.

 

Der Restaurantschlüssel (von max. 10)

Spannbreite wegen der Komplexität der Gerichte

 

Food

Produktqualität 8

Handwerkliche Qualität 8

Komposition & Struktur 8

Kreativität 6-8

 

Performance

Zuverlässigkeit 8

Service 8

Preis-Leistungs-Verhältnis 9

 

Wein

Angebot 8

Beratung 7

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