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Verschwendung von Lebensmitteln : In Dresden gibt’s zu viele Ananas

  • -Aktualisiert am

Tropische Spezialitäten aus der Mülltonne

Gehungert habe er eigentlich nie. Vielmehr sei es oft schwer gewesen, sich zu entscheiden, was er von all dem Weggeworfenen denn mitnehmen sollte: „Ich musste mich manchmal zusammenreißen. Denn oft wollte ich instinktiv nur das leckere Essen einpacken, habe mich dann aber für das Gesunde, Energiereiche und Haltbare entschieden.“ Auf seinem Blog „lafaimdumonde2014.com“ berichtet Dubanchet von Sandwiches, die ihm ein Restaurant kurz vor Ladenschluss schenkte. Nach ein paar Tagen seien die in seinen Taschen aber geschimmelt; er konnte manchmal gar nicht so viel essen, wie er bekommen hat.

Achtzig Prozent von dem, was er auf seiner Grand Tour der Nachhaltigkeit zu sich nahm, waren Grundnahrungsmittel wie Brot, Früchte oder Gemüse. Hauptsächlich ernährte er sich vegetarisch, ab und an gab es Käse oder Ei. Aber bei seinen Touren entlang der Mülltonnen dieses Kontinents fand er auch immer wieder tropische Spezialitäten. So konnte er sich in Dresden drei Ananas sichern, bevor eine Supermarktangestellte ihn vertrieb.

Viele Firmen, so erzählt Dubanchet, hätten eine strenge Politik: Man dürfe nichts verschenken, heißt es dann. Selbst wenn das Essen noch in Ordnung sei. Bei einigen Supermärkten waren die Mülltonnen gleich mehrfach verschlossen, beispielsweise in Tschechien. Trotz dieser Richtlinien hätten einige Mitarbeiter von Supermärkten ihm ein Abendbrot organisiert – und damit ihren Job riskiert.

Besonders fiel ihm unterwegs auf, wie viel Nahrung offensichtlich nur wegen einer beschädigten Verpackung oder eines seiner Meinung nach irrelevanten Ablaufdatums im Müll gelandet war. Die Ausmaße dieser Verschwendung sind auch deshalb bemerkenswert, weil weltweit mehr als 800 Millionen Menschen hungern müssen. Das Wegwerfen von Lebensmitteln ist aber nicht nur ein ethisches Problem: Für die Produktion des letzten Ende überflüssigen Essens werden nämlich unnötig Ackerflächen und Wasservorräte in Anspruch genommen und umweltschädliche Pestizide und Dünger ausgebracht.

Projekt weckt weltweites Interesse

In Deutschland sei es generell sehr einfach gewesen, Essen zu finden, erzählt der junge Franzose: „Dort gibt es eine richtige Kultur des Containerns.“ Vor allem in Berlin. Einmal sei ein Mitarbeiter eines Supermarktes herausgekommen, um ihm mitzuteilen, wann er den Müll rausbringen werde – damit die Lebensmittel nicht zu lange in der Sonne stehen. Auch hatte der Lebensmitteltourist regelmäßig Erfolg damit, die Besitzer der Supermärkte anzusprechen und ihnen das Projekt zu erklären. Sie fanden das unterstützenswert und schenkten ihm die Lebensmittel, die sonst wenige Minuten später in der Tonne gelandet wären.

Anders lief das in Düsseldorf. Obwohl seine Gastgeber sich mit ihm aufmachten und für Dubanchet übersetzten, fand sich kein Supermarkt, dessen Chef ihm entgegenkommen wollte. Als er sich dann am frühen Morgen auf den Weg zur Mülltonne eines dieser Läden machte, fand er dort dieselben Sandwiches, die ihm einige Stunden zuvor noch verwehrt worden waren.

In Frankfurt angekommen, musste er feststellen, dass schon ein paar andere vor ihm auf Essensjagd gewesen waren. „An einem Sonntag ist es immer schwierig“, schreibt er auf seinem Blog. In Darmstadt machte er auf Einladung einer Couchsurferin Rast; sie zeigte ihm die Website „foodsharing.de“, auf der Leute angeben können, wenn sie Brot übrig haben oder die Äpfel vom Baum nicht alle selbst verputzen können; auch Händler und Produzenten können überschüssige Lebensmittel verschenken. „Teilen statt wegwerfen“: Von diesem System war Dubanchet sofort begeistert.

Die Rückmeldungen zu seinem Projekt sind ermutigend: Nicht nur europäische Medien berichteten. Journalisten aus Vietnam, Korea, Japan, Russland und den Vereinigten Staaten baten um Interviews. Jetzt aber müsse er sich erst einmal ausruhen, sagt Dubanchet. Ähnliche Projekte seien zwar noch nicht geplant – es hätten sich aber einige Amerikaner und Engländer gemeldet. Vielleicht bricht er also bald zu einer neuen Tour auf. Das Ergebnis glaubt er schon zu kennen: „Egal, in wie vielen Ländern ich das mache und wie viele tausend Kilometer ich fahre – Verschwendung wird es überall geben.“

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