https://www.faz.net/-hrx-7rlxw

Cocktails des Sommers : Darauf einen Gurken-Gin!

Ein Cocktail auf den Sieg: Beim Bellini (links) trifft Champagner auf Pfirsichmark. Wer es eine Spur süßer mag, der sollte zum Himbeer-Daiquiri (Mitte) greifen. Der Fex (rechts) ist der Geheimtipp dieses Sommers: Gin mit Gurke und Minze Bild: Patrick Slesiona

Wer wirft schon die Salatbeilage in den Cocktail? Zum Beispiel Sven Schupp von der Roten Bar – wenn er einen richtig hippen Gin servieren will. Stellen Sie sich den Drink des Sommers hier selbst zusammen.

          2 Min.

          Hemingway war ein großer Trinker, und man muss ihm glauben, wenn er sagt: „Verbringen Sie einen Abend in einer Bar, um eine Kultur richtig kennenzulernen.“ Wer in diesem Sommer auch nur einen Abend in einer deutschen Bar verbringt, der nähert sich mit jedem Schluck der Erkenntnis: Kulturwandel geht flott. „Hugo“ und „Spritz“ aus den Jahren zuvor sind rar geworden auf den Karten und noch rarer in den Gläsern. Die Drinks sind klar geworden, und das Getränk der Stunde ist Gin Tonic.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          „Gin erlebt gerade einen Hype“, sagt Sven Schupp. Er ist seit gut fünf Jahren Barkeeper in der Roten Bar, einem Geheimtipp der Frankfurter Kneipenszene. Sein Geheimtipp für diesen Sommer: der „Fex“, ein Gin-Cocktail mit Gurke und Minze. Von dem könnten die Gäste gerade nicht genug bekommen, sagt er. „Sobald sie Gurke und Gin hören, bestellen sie den Drink“, sagt Schupp. Das liegt auch an den cleveren Marketing-Strategien der Gin-Anbieter. Noch vor wenigen Jahren war Gin old fashioned. Queen Mum, die britische Königinmutter (1900 bis 2002), soll sich am Abend gern ein Gläschen des Wacholderschnapses genehmigt haben. Gin – ein Getränk aus den Zeiten des Empire.

          Öffnen
          Sommer-Drinks : Welchen Cocktail hätten Sie gern?

          Erst vor wenigen Jahren fiel der Staub der Jahrhunderte vom Image ab, mit der Marke „Hendricks“. Der Hersteller experimentierte mit Zutaten und verfiel am Ende auf die Idee, den Destilliervorgang auch mit Gurkenschalen zu beleben. Der Drink sollte dann sogar mit Salatgurke serviert werden. So abseitig, so hipp: Wer kommt schon auf die Idee, die Salatbeilage in den Cocktail zu werfen? Aber der Gin war zurück. Dutzende Brennereien zogen nach.

          Experimentierfreudige Spanier

          „Es vergeht keine Woche, in der wir nicht Samples einer neuen Gin-Marke erhalten“, sagt Helmut Adam, der Herausgeber des Fachmagazins „Mixology“. Neu sei nicht, dass ein Drink im Trend liegt, in den Nullerjahren etwa Wodka, besetzt mit Mode- oder Lifestyle-Themen. „Smirnoff“ sponserte Fashion Awards, „Absolut“ ließ Lenny Kravitz Werbesongs spielen. Neu sei vielmehr, dass Gin das alles nicht nötig habe, sagt Adam. Bei Gin genüge die eine raffinierte Zutat. Das nutzten vor allem kleinere deutsche Destillerien, die regionale Färbung in den Gin träufeln. „Gin aus dem Schwarzwald wird dann eben mit Tannen- oder Fichtennadelntrieben verfeinert, und der bayerische Gin-Produzent ,The Duke‘ fügt Hopfen hinzu.“

          Rote Bar, schwarzroter Drink: Barkeeper Sven Schupp mit einem Brombeer-Gin
          Rote Bar, schwarzroter Drink: Barkeeper Sven Schupp mit einem Brombeer-Gin : Bild: Patrick Slesiona

          Tonic gehört weiter zum Gin, auch in diesem Sommer, aber auch hier greift der Hype um sich. Gin-Hersteller empfehlen Tonic-Marken, die angeblich die Geschmacksnoten ihres Destillats besonders hervorheben. So wird zum spanischen „Mare Gin“ – mit Oliven, Rosmarin, Basilikum und Thymian – gern das südamerikanische Tonic Water „1724“ gereicht. In 1724 Meter Höhe über dem Meer, mitten in den peruanischen Anden, werde die Chinarinde für dieses Tonic gepflückt, heißt es auf der Website des Herstellers – wenn das kein Alleinstellungsmerkmal ist. In Spanien ist „1724“ jedenfalls schon der Verkaufsschlager zum „Mare Gin“. Da darf man Sachverstand vermuten, denn die Spanier trinken in Europa den meisten Gin. Auch sie experimentieren mit dem Geschmack, und in Barcelona kann man selbst Papaya in seinem Gin finden. Oder, wie zum „Mare Gin“ empfohlen, einen Rosmarinzweig. Auch der soll das Aroma noch besser herauskitzeln, sagt Sven Schupp von der Roten Bar in Frankfurt und erklärt dann ganz nüchtern, wie man den „Fex“ zaubert, den Sommer-Gin mit Gurke und Minze. Und Ihren Drink für den Sommer, den finden Sie hier.

          Weitere Themen

          Er entwarf sogar sein Leben

          Tod von Virgil Abloh : Er entwarf sogar sein Leben

          Virgil Abloh, einer der wichtigsten Modemacher seiner Generation, ist im Alter von 41 Jahren an Krebs gestorben. Fasziniert hat ihn das Dazwischen von mehreren Welten. Sein Label macht Mode, die man nicht zuordnen kann.

          Topmeldungen

          Erdogan spricht am  23. November 2021 in Ankara zu Mitgliedern seiner AKP.

          Der Fall Kavala : Seit 1488 Tagen in Untersuchungshaft

          Die Türkei lässt ein Ultimatum des Europarats zur Freilassung des Kulturmäzens Osman Kavala verstreichen. Damit riskiert sie ein Vertragsverletzungsverfahren.
          Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.

          F.A.Z. Exklusiv : Deutschland fehlen Pflegeheimplätze

          In Deutschland fehlen nicht nur Pflegekräfte, sondern auch Heimplätze. Ohne privates Kapital geht es nicht, sagen Forscher – sie plädieren für eine weniger strikte Regulierung.
          In der Sommerfrische: Theodor W. Adorno in Bar Harbor, an der Ostküste Maines, August 1940

          Adornos „Minima Moralia“ : Der Sound des Nein

          Vor siebzig Jahren erschienen Theodor W. Adornos „Minima Moralia“, 173 Aphorismen über das Richtige im falschen Leben. Warum und wie man sie heute noch lesen sollte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.