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Cliff Richards’ Weingut : Ein neues Leben für den „Cantor“

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Leben ohne Wecker

Wenn er nicht hier ist, lebt er das Leben eines Globetrotters. Vergessen sind dann seine Weinberge, Hof und Hund in der Obhut seines Gärtners. Richard verbringt nur die Sommermonate an der Algarve. Den Rest des Jahres lebt er entweder auf Barbados oder besucht Freunde in New York oder Fort Lauderdale. Auch im englischen Berkshire hat er noch ein Apartment. „Ich reise viel“, sagt er mit der Selbstverständlichkeit des kinderlosen Singles. „Zu Hause fühle ich mich überall. Ob in Barbados oder New York. Aber wenn ich hier in Portugal ankomme, denke ich schon: Ach, es ist schön, zu Hause zu sein.“ Dann schiebt er hinterher, dass Portugal natürlich auch Urlaub für ihn sei. „Aber ich muss mir beim Sonnenbaden nicht die Kopfhörer aufsetzen, um die Songs für meine nächste Tour einzustudieren.“

Den Wecker stellt sich Richard an der Algarve schon lange nicht mehr. Wenn er hier ist, spielt er Tennis oder stemmt Gewichte in seinem hauseigenen Fitnessraum. „Ich habe zwar auch ein Laufband, aber nur für meine Freunde. Ich selbst benutze es nicht, denn ich will ja kein Gewicht verlieren.“ Wer Cliff Richard persönlich erlebt, kann bestätigen, dass er das auch nicht braucht. Der Mann ist fit wie mancher mit Mitte dreißig nicht. Er gehört, wie Mick Jagger und Peter Maffay, zu einem Schlag von Entertainern, für die es zu ihrem Vertrag mit dem Publikum gehört, die Illusion der Unzerstörbarkeit des Körpers zu verkaufen.

Diätplan statt Rock'n'Roll

Seit ihn 1963 eine Figur in der Serie „Coronation Street“, dem britischen Pendant zur „Lindenstraße“, als pummelig bezeichnete („Oh, I love that chubby Cliff Richard!“) und damit bei ihm ein mittleres Trauma auslöste, hält er strenge Diät. „Ich folge einem Ernährungsplan, der auf meiner Blutgruppe basiert. Als Typ A bin ich so gut wie Vegetarier, aber nur fast.“ Fisch könne er essen, allerdings kein Fleisch, keine Krustentiere, Weizenprodukte, Milchprodukte, Kartoffeln, Tomaten, Mangos, Auberginen oder Papaya.

Das laut Diätplan vorgeschriebene Verhältnis zwischen „positivem“ und „negativem“ Essen ist 80 zu 20. Er aber isst freiwillig 90 zu 10. Ehrgeiz, Selbstdisziplin und eiserner Wille, das sind die Stoffe, aus denen Cliff Richard gemacht ist. Deshalb ging er auch nie in die Sex-Drugs-and-Rock-’n’-Roll-Falle. Da ist einfach kein Suchtpotential: „Wenn man sich einmal bewusst macht, wie viele tausend andere Lebensmittel es gibt, ist es wirklich nicht schwer.“

Aber wenn er doch mal sündigt, womit verwöhnt er sich dann? „Gestern Abend habe ich mir einen Dirty Martini gemixt, obwohl Hochprozentiges für mich eigentlich ein absolutes No-Go ist“, gesteht er. „Und bald fliege ich in die Staaten, und das Erste, was ich mir dort gönnen werde, ist ein saftiges Steak mit gebratenen Zwiebeln und Rahmspinat.“

Und wer weiß, vielleicht serviert das Steak House ihm dazu ja einen Wein aus dem Hause Bob Dylan. Der macht nämlich ebenfalls in Winzer.

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