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„Cider Week“ : Lust auf den zweiten Schluck

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Klassisches Frankfurter Steingut: Der Bembel im Einsatz. Bild: Verena Müller

Die „Cider Week“ präsentiert die Produkte der Apfelweinmesse durch Partys, Proben und Führungen in der Stadt. Dabei erteilt die „Apfelweinmetropole“ Frankfurt ihrem Namen alle Ehre.

          Es gibt nur noch wenige Gasthäuser in Frankfurt, die ihren Apfelwein selbst keltern. Das Sachsenhäuser Restaurant „Daheim im Lorsbacher Thal“ gehört dazu. Voriges Jahr wurden dort 27 Tonnen Äpfel zu 15.000 Litern Apfelwein vergoren. Zudem bietet das Lokal an der Großen Rittergasse außergewöhnlich viele regionale wie internationale Apfelwein-Raritäten an: Mehr als 300 Sorten Apfelwein präsentiert es auf der Karte – der wohl umfangreichsten Deutschlands.

          Zur diesjährigen „Cider Week“, die vom 21. bis zum 29. März in Frankfurt ein paar Tage vor der Apfelweinmesse „Cider World“ das fruchtige Getränk mit Veranstaltungen wie Proben und Partys bekannter machen soll, lädt Frank Winkler bei einer Probe am Sonntag, 24. März, von 16 Uhr an dazu ein, die Alt-Sachsenhäuser Apfelweinkultur neu zu entdecken. Im „Daheim im Lorsbacher Thal“ werden dann ein sechsgängiges Apfelweinmenü und acht Apfelweine gereicht, außerdem dürfen die Gäste den historischen Apfelweinkeller des 1803 gegründeten Lokals besichtigen.

          „Einen anderen Blick auf Apfelwein“

          Vor drei Jahren sei die Idee entstanden, die Produkte der Apfelweinmesse durch Ereignisse und Angebote in der Stadt zu präsentieren, erläutert Jens Becker, Inhaber der Sachsenhäuser Apfelweinhandlung, der als Messebeirat die Cider World mitgestaltet: „Wir als Apfelweinmetropole haben einen anderen Blick auf Apfelwein.“ Es gebe zwar viele Apfelweinverrückte, die an Neuem interessiert sind, aber auch die traditionellen Apfelweintrinker, die am liebsten ihr vertrautes Stöffche im Gerippte trinken.

          Tatsächlich ist Frankfurt mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von elf Liter Ebbelwei an der deutschen Spitze. In Deutschland liege der Verbrauch insgesamt bei nur 0,6 Liter im Jahr pro Kopf, sagt Michael Stöckl, Apfelweinsommelier und Organisator der Messe. Zeit also, von hier den Apfelwein, der schon immer eher regional beliebt war, weiter ins Land zu tragen.

          Weltweiter Boom des Apfelweins

          Und den Blick ins Ausland zu richten, wo sich Cider, Cidre oder Sidra immer größerer Beliebtheit erfreuen. Deswegen habe man für die Messe und die Veranstaltungswoche den englischen Begriff Cider gewählt, sagt Stöckl, der von einem weltweiten Boom des Apfelweins spricht. Die internationalen Produkte aufgrund eines traditionellen Blickwinkels auszuklammern wäre für den hiesigen Apfelwein nicht gut, sagt auch Jens Becker, der in seinem Laden an der Brückenstraße vor allem regionale und selbstgekelterte Weine verkauft.

          Hessische Apfelweine präsentiert Becker deswegen zur Cider Week am Donnerstag, 28. März, von 19 Uhr an in seinem Laden. Schon am Samstag, 23. März, von 16.30 Uhr an stellt Michael Stöckl dort Ciders aus Irland und aus Luxemburg vor, dem vorigen und dem diesjährigen Gastland der Messe.

          Zur historischen Apfelweinführung lädt am Samstag, 23. März, um 16 Uhr Sabine Mannel von der Kulturothek. „Apfelwein für Schwarzseher“ gibt es am Dienstag, 26. März von 19 Uhr an in der „Buchscheer“ in Sachsenhausen, wo die Gäste aus schwarzen Gläsern trinken und sich so mehr auf den Geschmackssinn als auf ihre Augen verlassen sollen.

          Hessischen Apfelwein, eine asturische und baskische Sidra und dazu ein Tapas-Teller werden am Mittwoch, 27. März, von 18 Uhr an in der Schwanheimer „Mainlust“ angeboten. Im „Hessischen Hof“ wird während der Cider Week zum Champagner-Frühstück ein Apfel-Johannisbeer-Schaumwein gereicht, der „Homburger Hof“ im Stadtteil Eckenheim lädt zum „Bembelkegeln“. Auch After Work Cider Partys, eine Cider Slam Session und eine „Cider & Beer“-Verkostung stehen auf dem Programm, das die Sinne schärfen soll für gute Qualität. Denn als Apfelweintrinker werde man nicht immer über das Herstellungsverfahren und die verwendeten Äpfel informiert, sagt Michael Stöckl. Guter Apfelwein komme ohne essigsaure Töne aus, rieche fruchtig und mache schon beim ersten Schluck Lust auf den zweiten: „Er muss richtig schön über die Zunge flitzen.“

          Dieser Beitrag entstammt der Kultur- und Freizeitbeilage, die jeweils donnerstags mit der Rhein-Main-Zeitung der F.A.Z. erscheint.

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