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Château Lafite-Rothschild : „Weinbau ist ein Langstreckenlauf“

  • -Aktualisiert am

Kleiner Happen: Wer dem Weinmanager und Genussmenschen Christophe Salin eine Freude machen will, der lädt ihn auf eine gute deutsche Bratwurst ein. Hier genießt er seinen persönlichen Luxus am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Bild: Stefan Finger

In guten Jahren kann eine Flasche von Château Lafite-Rothschild die 1000-Euro-Schallmauer durchbrechen. Geschäftsführer Christophe Salin verrät, was Wein wert ist und wann er sich wie der König des Universums fühlt.

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          Herr Salin, wie sind die Rothschilds und der Wein zusammengekommen?

          Die Rothschilds waren seit jeher Bankiers und Finanzleute, auch als sie 1868 Lafite für 4,4 Millionen Francs ersteigert haben. Eric de Rothschild war der Erste, der das Weinbusiness entwickeln wollte. Seitdem ich ihn 1986 getroffen habe, arbeiten wir eng zusammen und haben entschieden, weitere Weingüter in Frankreich zu kaufen. Viña Los Vascos in Chile war 1988 dann unser erstes Überseeweingut, 2008 kam ein Investment in China hinzu, Weinberge auf der Halbinsel Penglai in der Provinz Shandong.

          Wie passt dieses internationale Portfolio mit der Legende Lafite zusammen?

          Château Lafite ist nicht der konzentrierteste Wein. Wir finden, es ist der am besten trinkbare, der delikateste und komplexeste. Er ist unser Vorbild für die Arbeit in den Weinbergen der anderen Gebiete.

          Wie hat sich die Weinwelt in den vergangenen 25 Jahren verändert?

          Wenn man heute über die ProWein in Düsseldorf geht, würde ich wetten, dass 90 Prozent der Weine sehr gut sind - auch wenn ich nicht alle Weine probiert habe. Vor 25 Jahren galt das nur für die großen Appellationen. Überall auf der Welt lernen Winzer, ihre Weine besser und professioneller zu machen. Die Weinwelt war bis vor wenigen Jahrzehnten nur Amateurliga, heute ist sie eine Profiliga. Nehmen wir Deutschland: Als ich jung war, habe ich in einem Städtchen bei Karlsruhe gearbeitet. Da habe ich viele Weine probiert, Rotwein und Weißwein, die waren im Prinzip nicht schlecht, sie waren nur nicht gut vinifiziert. Was damals fehlte, waren Winzer, die nicht nur von ihren Vätern gelernt haben, sondern an Schulen bestens ausgebildet wurden. Jedes Mal, wenn ich deutsche Weine probiere, sehe ich, wie enorm die Qualität in den vergangenen 30 Jahren gestiegen ist.

          Welche Rolle spielt der moderne Önologe im Vergleich zum Winzer von früher?

          Der Önologe ist nicht der Vater des Weines, er ist eine Art Arzt. Wenn du eine schlechte Ernte hast, brauchst du jemanden, der weiß, was man tun muss. Wir haben heute zu viele Ego-Önologen, wie ich sie nenne. Wenn man heute einen 1928er Lafite trinkt, fragt niemand, wer den Wein damals gemacht hat. Es ist auch nicht wichtig. Wir sind dazu da, die Weinberge in bester Verfassung an die nächste Generation weiterzugeben. Global gesehen, wird die Bedeutung des Marketings immer wichtiger. Das Design wird immer besser, und ich könnte viele Weine allein wegen ihres Aussehens kaufen. Bei Lafite hat sich das Etikett seit 1868 praktisch nicht verändert. Ob das richtig ist oder falsch? Wer weiß.

          Sie stammen aus einer Familie mit weinbaulichen Wurzeln?

          Ja. Ich komme aus der Champagne. Meine Familie hat auf 20 Hektar Reben angebaut und Champagner daraus erzeugt. Doch ich wollte etwas anderes, deshalb habe ich Wirtschaft studiert, in Frankreich und Deutschland.

          Heute managen Sie ein Weingut, das einen der teuersten Weine der Welt produziert.

          Ich habe viele Leute getroffen, die reich sind, neureich würde ich sagen. Die gingen zu den Ego-Önologen, bauten sich Traumweingüter, aber kümmerten sich kaum um die Weinberge. Von diesen Investoren hat nur eine Minderheit überlebt. Sie dachten, es sei ganz einfach, Wein zu machen. Aber Geld verdient haben sie nicht. Es gibt ein treffendes Sprichwort: Wenn du ein Vermögen mit Wein machen willst, musst du ein noch größeres mitbringen. Als wir 1990 Château l'Evangile im Pomerol gekauft haben, kam 1991 der Frost, ein Totalausfall. 1992 war im Bordelais eine Katastrophe. Machen Sie immer einen Bogen um diesen Jahrgang! Und 1993? Auch medioker. 1994? Wieder nichts, der ging als Zweitwein raus für 65 Francs die Flasche. Erst 1995 hatten wir den ersten wirklich guten Jahrgang im Keller. Ich habe immer gesagt, Weinbau ist ein Langstreckenlauf, wir müssen Geduld haben. Eric fragte mich damals: ,Wie lang ist für Dich ein Langstreckenlauf? Weißt Du, Du bist jung, ich bin ein alter Mann, ich habe nicht so viel Zeit.'

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