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Die Welt des Champagners ist längst gespalten. Bild: mauritius images

Champagner-Hype : Die Perlen, die Preise und das Prestige

Ob im Winter oder Sommer, ob zu Hause oder im Restaurant: Wenn es richtig etwas zu feiern gibt, ist Champagner meistens das Getränk der Stunde. Was kommt ins Glas?

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          Manchmal nehmen Revolutionen einen langen Anlauf, bevor sie einen Umbruch bewirken. Im Falle dessen, was gerne deutsches Sektwunder genannt wird und in dem ein Mann aus Rheinhessen ein Hauptdarsteller ist, sind es fast 35 Jahre. 1984 hat Volker Raumland, der zuvor mit einer mobilen Sektkellerei für die unterschiedlichsten Winzer tätig war, einen eigenen Betrieb eröffnet. Und als erster vieles anders gemacht als andere, anders vor allem als die Großen der Branche.

          Jacqueline Vogt
          Ressortleiterin der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Wenn Raumland im Wohnzimmer seines Hauses in Flörsheim-Dalsheim sitzt, schaut er auf die Weinberge ringsum. „Das hatten wir alles roden lassen“, sagt er und zeigt auf die Rebzeilen, die dem Horizont entgegenwachsen. Zehn Hektar gehören zu seinem Betrieb, bepflanzt hat er sie zu einem kleinen Teil mit Riesling und Weißburgunder und zu einem größeren mit Pinot Noir und Chardonnay. Er lässt auch Pinot Meunier wachsen, womit er auf seinem Boden die klassischen Champagnertrauben beieinander hat. Und etwas daraus macht, das Nancy Großmann, Sommelière in der „Weinbar Rutz“ in Berlin, „absolut satisfaktionsfähig“ gegenüber dem Champagner nennt.

          Geschützter Name

          Die Deutschen, sagt Raumland, hätten viele hervorragende Produkte, die Franzosen das bessere Marketing. Denn im Grunde unterscheiden sich Champagner und Spitzensekte kaum, vor allem dann nicht, wenn die gleichen Rebsorten verarbeitet werden. Sie werden im klassischen Champagnerverfahren produziert, bei dem der Wein in der Flasche ein zweites Mal vergärt. Mindestens neun Monate muss er nach dem deutschen Weingesetz auf der Hefe liegen, um sich dann Winzersekt nennen zu dürfen. Leute wie Raumland, wie Mark Barth vom Gut Barth im Rheingau, wie Niko Brandner von Griesel & Compagnie in Heppenheim lassen die Weine drei und mehr Jahre auf der Hefe, so wie es die französischen Kollegen mit ihren Jahrgangsweinen machen. Trotz alledem darf nur Champagner heißen, was in der Champagne aus dort Gewachsenem entsteht.

          Was an und für sich kein Problem wäre, bedeutete es nicht einen Image-Vorsprung, der sich auch materiell beziffern lässt. 31 Euro kostet ein 2011er Chardonnay brut aus der Raumlandschen Prestige-Linie, bei der die Weine sechs bis neun Jahre auf der Hefe waren, in Flörsheim-Dalsheim ab Hof. In der Weinbar Rutz wird eine Flasche davon für 69 Euro verkauft. Für den günstigsten Champagner, eine Première Cuvée von Bruno Paillard, müssen Gäste schon zehn Euro mehr zahlen. Höhere Traubenpreise, teures Land, in der Champagne seien die Produktionskosten auch höher, heißt es.

          Es darf schäumen

          Silvester. Geburtstag. Beförderung. Einfach nur ein Sommerabend: Es darf schäumen. In keinem anderen Land der Welt werden so viel Sekt und Champagner getrunken wie in Deutschland, zwischen 3,7 und 3,5 Liter pro Kopf waren es in den vergangenen Jahren. Das meiste ist Massenware, und deren Herstellern, die schon über stagnierenden Absatz zu klagen beginnen, geht es wie denen anderer Alkoholika, Bier zum Beispiel: Während Big Player nach neuen Märkten suchen, suchen die kleinen nach Möglichkeiten, die Qualität zu steigern.

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