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Schaumwein : Alles in der Birne

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Bevor er den elterlichen Betrieb übernahm, machte Jörg Geiger eine Lehre und studierte Betriebswirtschaft. Bild: Verena Müller

Das elterliche Gasthaus war Jörg Geiger nicht genug. Also machte er Schaumwein aus der Champagner-Birne – den er nicht Champagner nennen darf.

          Anderswo liegt die Wahlsche Schnapsbirne im Wiesengras und verfault. Jörg Geiger hebt die kleine Birne begeistert auf, schaut sie an wie ein Juwelier ein Perlenarmband, reibt die Schale und quetscht sie so, dass etwas Saft herausläuft. „Probieren Sie mal. Das Aroma kommt aus dem Erdreich, wo der Baum wurzelt. Das Terroir ist bei Streuobst so wichtig wie beim Wein.“ Geiger ist eigentlich Koch, aber er hat die Hände eines Obstbauern. Wenn er mit seinem Familienauto über die schmalen Feldwege zu den Streuobstwiesen am Fuß der Schwäbischen Alb fährt, wenn er aussteigt, zu den Bäumen geht und das Obst in die Hand nimmt, dann sieht man es: Die Fingernägel und die Falten der rauhen Haut sind schwarz von Arbeit.

          Seit fast 20 Jahren macht Jörg Geiger aus Mostbirnen einen Bratbirnen-Champagner. Mittlerweile produziert er in einer Manufaktur auch alkoholfreie Proseccos, die er „Priseccos“ nennt. 31 unterschiedliche alkoholfreie Cuvées bietet er an. Beliebter werden auch die stillen alkoholfreien Speisebegleiter, die wie eine frisch gemähte Wiese duften. Jüngst sind noch Süßweine hinzugekommen, die nach der Portweinmethode produziert werden. Und das neueste Destillat aus Apfelmost ist ein Gin, verfeinert mit Kräutern. Geiger nennt ihn „Don’t call it gin“, weil er sich von dem unterscheiden soll, was junge Hipster-Brennereien mit schlichtem Industriealkohol in hübscher Verpackung für viel Geld verkaufen. „Ich will als gelernter Koch Mittler sein zwischen Erzeuger und Genießer.“

          Modern interpretierte Landhausküche

          An der Schwäbischen Alb stößt das Grün der Wiesen an das leuchtende Weiß des Juragesteins. Geiger ist begeistert von der Vielfalt des Streuobstes, für das sich lange niemand interessierte, nicht mal die Landwirtschaftsminister. Dabei ist Württemberg reich an Obstwiesen. Auf etwa 30.000 Hektar wachsen die Mostobstsorten, der Wildling von Einsiedel oder die Grüne Jagdbirne. 1,5 Millionen Streuobstbäume gibt es im Albvorland, viele sind älter als 150 Jahre. Aber mangels Interesse verkümmern sie.

          Im Hintergrund sind der Rechberg zu sehen und die Burg Staufeneck. In der kleinen Gemeinde Schlat, wenige Kilometer von Göppingen entfernt, ist Geiger aufgewachsen. Die Eltern betrieben eine dörfliche Gastwirtschaft mit Schnapsbrennerei und Bauernhof. Reh und Lamm waren die Spezialitäten des Hauses und sind es bis heute. Serviert wird das bewährte Rehragout mit handgeschabten Spätzle oder Kartoffelstampf. Für den Feinschmecker gibt es ein achtgängiges Menü. Angeboten wird eine modern interpretierte Landhausküche.

          Tüftler, Unternehmer und Schwabe

          Die Schnapsbrennerei interessierte Jörg Geiger immer. Aber bevor er den elterlichen Betrieb übernahm, machte er seine Lehre, arbeitete in der Krone in Bempflingen, im Alten Simpel in Stuttgart und studierte Betriebswirtschaft. 1993 übernahm er die Gastwirtschaft der Eltern. Er hätte ewig so weitermachen können wie sie, mit solider schwäbischer Küche. Aber erst verfeinerte er die Speisekarte, und weil er Tüftler, Unternehmer und Schwabe ist, steckte er die Gewinne in etwas Neues: die Brennerei.

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