Berlin bruncht wieder : All-you-can-eat war gestern
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Frühstücksklassiker Eggs Benedict Bild: Picture-Alliance
In Berlin eröffnen momentan jede Menge neue Brunch-Restaurants. Mit den All-you-can-eat Buffets der Vergangenheit haben sie aber nichts mehr zu tun. Spricht das für eine neue Esskultur?
In einer Stadt, die niemals schläft, gibt es rund um die Uhr hungrige Menschen. Berlin ist so eine Stadt, in der auch mitten in der Nacht viele Bürger und Touristen gerne mal etwas Essen. Zu verdanken hat sie das gesteigerte nächtliche Verlangen auch der ausgeprägten Clubkultur. Wer gerade von der Party kommt, braucht etwas in den Magen. Bislang half deftiges Fast Food wie Döner, Falafel oder Burger von irgendeiner Bude mit 24-Stunden-Betrieb. Obwohl einem eigentlich nach Frühstück der Sinn stand.
In Zukunft geht das. Denn in Berlin eröffnen gerade Brunchrestaurants wie Sand am Meer. Eines von ihnen ist das Benedict: ein Restaurant, in dem ausschließlich Frühstück auf der Karte steht und in dem rund um die Uhr gespeist werden kann. Bereits jetzt ist es so begehrt, dass die Gäste am Wochenende schon mal bis zu eineinhalb Stunden auf einen Tisch warten. Wartezeiten wie man sie sonst vom berüchtigten Berliner Technoclub Berghain kennt.
Im Repertoire des hell gekachelten Restaurants mit hölzernen Bistrotischen und Blumentapeten findet sich ein klassisches deutsches Frühstück neben Eggs Benedict aus New York, Croque Madame aus Frankreich oder israelisches Shakshuka: Frühstücksklassiker aus der ganzen Welt, die momentan von jungen Gastronomen-Expats aus den Vereinigten Staaten, Australien oder Israel nach Berlin mitgebracht werden, sodass sich eine internationale Brunchkultur langsam auch in der deutschen Foodie-Hochburg etabliert.
Das Benedict ist so ein kulinarisches Mitbringsel aus der Ferne und stammt ursprünglich aus Tel Aviv, wo das 2006 initiierte Frühstücksrestaurant satte acht Filialen hat. Auch Tel Aviv ist nämlich eine Stadt, die niemals schläft. Eigens für die Berliner Speisekarte wurden sogar drei eigene Gerichte kreiert: ein über 24 Stunden mariniertes Steak nach scharfwürziger koreanischer Art, ein russisches Frühstück mit Pancakes, Sauerrahm und geräuchertem Lachs sowie die Eisbeinstulle speziell für den Urberliner.
Die Zeit der Buffets ist vorbei
„Traditionell ist das Frühstück genau wie das Mittagessen eine eher zügige Angelegenheit“, meint Pinto. „Der Brunch, also eine Mischung aus Breakfast und Lunch, liegt genau dazwischen. Für ihn nimmt man sich bewusst Zeit, dafür trifft man sich mit Freunden oder Familie. Er ist nicht so schick oder steif wie das feine Dinner im Restaurant, sondern vielmehr locker und entspannt. Laut und ungezwungen. Im Vordergrund steht das Beisammensein und schöne Gespräche.“ Deshalb lasse sich das Konzept auch so hervorragend auf andere Tages- und Nachtzeiten genauso wie sämtliche Wochentage übertragen. Noch ist der Frühstücksspot gelegen im neu eröffneten Max Brown Hotel „nur“ von 7 bis 23 Uhr geöffnet. Zukünftig soll es dann Non-Stop Brunch anbieten.
Nicht nur die starre Fokussierung auf den Sonntagvormittag als „Brunch-Zeit“ hat sich also verändert. Zusätzlich haben die neuen Restaurants das gesamte Konzept generalüberholt. Das war auch bitternötig, immerhin galt Brunch in der letzten Dekade nicht gerade als die Art soziales Ereignis, zu der Großstädter mit nur ein ganz klein wenig Geschmack ernsthaft noch zusammen gekommen wären. Man denke nur zurück an die Hochzeit des Sonntagsfrühstücks zum Fixpreis; als alle Welt an der Schlange zum Buffet anstand, um sich den Bauch mal so richtig vollzuschlagen.