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Bettina Rust im Gespräch : „Essensvorlieben wären doch ein gutes Tinderkriterium“

Bettina Rust wurde 1967 in Hannover geboren und startete 1993 ihre Karriere als Moderatorin. Seit 2002 moderiert sie auf radioeins das Interview-Format „Hörbar Rust“. Bild: Dirk Dunkelberg

In ihrem neuen Podcast spricht Moderatorin Bettina Rust mit ihren Gästen nur über ein Thema: Essen. Im Gespräch erzählt sie, wie viel an dem Spruch „Du bist, was du isst“ dran ist, und welcher Promi am liebsten labbrige Gurken mag.

          4 Min.

          Frau Rust, wir wollen über Essen sprechen – darum geht es nämlich auch in Ihrem neuen Gesprächs-Podcast „Toast Hawaii“. Was gab es denn bei Ihnen zum Frühstück?

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Ich war etwas in Verzug und weiß nicht, ob Sie das sehen können (hält einen Teller in die Kamera): Das hier ist eine Mischung aus Porridge, allen möglichen gesunden Samen, crunchigen Nüssen, süßen Heidelbeeren und Hafermilch. Eine Kombination, die ich sehr empfehlen kann, und die mich an den Besuch bei bestimmten Freunden in meiner Kindheit erinnert. Wenn wir Kinder Ruhe geben sollten, wurden wir ins Souterrain geschickt. Da gab es einen Fernseher und eine zweite Küche, wo wir uns Haferflocken mit Milch, Zucker und Kakao gemacht haben. Das hier schmeckt so ähnlich, ist aber wahrscheinlich etwas gesünder.

          Tatsächlich heißt es ja auch im Volksmund: „Du bist, was du isst.“ Stimmt das?

          Ich denke schon. Essen zeigt häufig, wer und was uns prägte, und es setzt eben auch viele Erinnerungen bei uns frei. Die damit verbundenen Geschichten erklären manchmal, wie wir wurden, wer wir sind. Gerüche wecken ja oft Erinnerungen, sind aber leider nicht konservierbar und schwer kommunizierbar. Mit Essen hingegen können wir bestimmte Situationen und Gefühle ganz leicht wieder selbst herstellen, das ist das Tolle.

          Sollte man also öfter mal über Essen sprechen, um sich besser kennenzulernen?

          Absolut, Essensvorlieben wären doch ein gutes Tinderkriterium! Ich arbeite an einem Buch, in dem ich Menschen sozusagen über das Essen ihres Lebens porträtiere, auch mit persönlichen Rezepten. Das ist die ursprüngliche Idee. Und weil es schade wäre, diese unterhaltsamen Interviews nicht auch zu verwerten, entstand die Idee zu „Toast Hawaii“. Man kann sich Menschen auf diese Weise wunderbar nähern.

          Sie haben viele prominente Gäste in Ihrem Podcast – können Sie schon ein paar Geschichten verraten?

          Es ging ganz erstaunlich oft um Gurken. Gleich in der ersten Sendung mit dem Schauspieler Ulli Matthes – ich dachte, ich fall' um – erzählt er mir doch, dass er Gurken dann besonders gerne mag, wenn die schon labbrig und außen fast weiß sind. Das kann ich kaum sagen, ohne mein Gesicht zu verziehen, und die Nächsten sagen natürlich: niemals! Gurken müssen knackig sein. Zu vielen Lebensmitteln gibt es unterschiedliche Einstellungen, auf die wir uns hoffentlich einlassen können. Es ist jedenfalls toll, wenn Leute aus ihrer Perspektive begründen, warum sie etwas mögen oder eben nicht. Wolfgang Joop – der aus der Nachkriegsgeneration kommt, wo gegessen wurde, was auf den Tisch kam – hat mir erzählt, wie er Essen, das er nicht mochte, einfach im Mund behielt, bis er blau anlief, weil er es nicht runterschlucken wollte. Ein kleiner, starrköpfiger Junge, den man sich sofort richtig gut vorstellen kann. Jemanden in solchen Erinnerungen begleiten zu dürfen, ist sehr berührend … und manchmal auch irritierend, lehrreich und nicht selten zum Schreien komisch. Eins meiner Lieblingsthemen: Überflüssiges. Herrlich. Es gibt doch bestimmt auch in Ihrer Küche etwas, das Sie nie benutzen.

          Wir hatten zu Hause mal mehrere Popcorn-Maschinen.

          Was? Gleich mehrere? Wieso das denn?

          Wir haben nach einer gesucht, mit der das Popcorn richtig gut wird. Aber so richtig zufrieden waren wir mit keiner, und nach ein paar Wochen verschwanden sie im Keller.

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