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Streetfood-Märkte in Berlin : Die Chefs von der Straße

  • -Aktualisiert am

Wie in Kolumbien: Essenszubereitung am Stand von Maria Maria in Markthalle Neun Bild: Lüdecke, Matthias

In Asien sind sie ganz normal, in Amerika wurden sie hip, und jetzt sind Streetfood-Märkte auch bei uns im Trend. Die kulinarische Vielfalt auf den drei Märkten in Berlin reicht von Antipasti über Dumplings bis zu Slow-Food-BBQ.

          Carl Casper arbeitet als Chefkoch in einem feinen Restaurant in Brentwood, einem schönen Stadtteil von Los Angeles. Als er gewagtere Gerichte servieren will, auch um die gelangweilten Food-Blogger zu beeindrucken, überwirft er sich mit seinem Boss. Er kündigt. Wenige Monate später ist Casper sein eigener Herr. Sein Imperium: ein Foodtruck. Das Business mit kubanischen Sandwiches in Gourmet-Qualität floriert. Logische Konsquenz: Nach einem Jahr in der transportablen Küche eröffnet er ein festes Restaurant.

          Gewiss, diese Geschichte klingt wie ein Märchen: das vom Streetfood-Revoluzzer zum Restaurantbesitzer. Schließlich ist es auch ein Hollywood-Film („Chef“ von 2014). Aber er bringt den Trend der neuen Straßenküchen doch sehr schön auf den Punkt. Denn was Straßenimbisse angeht, hat, so viel ist sicher, eine Revolution stattgefunden. Die mobilen Bratwurstgrills am Berliner Alexanderplatz und die Pommeswägen auf den Baumarktparkplätzen sehen heute ziemlich alt aus.

          Gleich drei Streetfood-Märkte hat der Trend in Berlin hervorgebracht. Also feste Orte, an denen ein paar Dutzend neue Köche oder auch etablierte Restaurants ihre Gerichte „to go“ anbieten. Die Märkte finden nicht auf normalen Marktplätzen statt, sondern an entlegenen Plätzen, die meist ein wenig abgeranzt sind und an ein längst vergangenes industrielles Zeitalter erinnern. Bei allem Drang zur Sanierung weist die Hauptstadt doch noch ein paar solcher alten Hallen auf.

          Mehr als 10.000 Besucher pro „Streetfood Thursday“

          Die Vorteile liegen auf der Hand: keine horrenden Mieten in Innenstadtlagen, nicht mehr täglich von frühmorgens bis  spätnachts in der Küche stehen, keine Personalkosten. Die jungen Arbeitnehmer von heute wollen schließlich autark bleiben. Und so überrascht es wenig, dass es gerade in Berlin, der Stadt mit der höchsten Rate an Selbständigen unter den kreativen Berufen in Deutschland, immer mehr Streetfood-Märkte gibt, wie sie die jungen Kosmopoliten aus den Vereinigten Staaten kennen, vor allem aus New York („Smorgasburg“, „Madison Square Eats“) oder Los Angeles („Street Food Cinema“, „Abbot Kinney’s Friday Night Street Food Market“), wo Food-Trucks seit je im Straßenbild herumstehen.

          Zum Direktverzehr: Streetfood-Markt in der Markthalle Neun in Kreuzberg

          Der „Streetfood Thursday“ in der Markthalle Neun in Kreuzberg an jedem Donnerstag von 17 bis 22 Uhr war im Frühjahr 2013 noch eine Pionierleistung. Die Location, eine imposante Markthalle aus dem späten 19. Jahrhundert, könnte passender nicht sein. Schon vor Jahrzehnten waren Markthallen der Ort, wo man Essen, häufig aus der Region, nicht nur kaufen, sondern auch gleich verzehren konnte. Heute geht es unter den Stahllaternen aber abwechslungsreicher als damals zu, als es oft nicht mehr als eine Kartoffelsuppe oder ein Leberkäsebrötchen gab.

          Die dicht aneinander gestellten Essensstände an der Eisenbahnstraße in Kreuzberg bieten Kulinarisches aus aller Welt an. Es gibt Allgäuer Käsespätzle mit Röstzwiebeln („Heißer Hobel“), chinesische Dumplings („Bao Kitchen“), italienische Antipasti („Eugenio Finzi“), vegane Tofu- Burger („Sun Day Burgers“) und „gesmoktes“ Pulled-Pork-Schweinefleisch („Big Stuff“), das stundenlang bei niedriger Hitze gegrillt wurde. Die Nachfrage ist bei mehr als 10.000 Besuchern pro „Streetfood Thursday“ enorm. Bis man zur Hauptzeit, gegen 19 Uhr, ein Big-Stuff-BBQ-Sandwich in den Händen hält, vergeht schon mal eine halbe bis dreiviertel Stunde.

          Dazu ein Superfood-Smoothie

          Dass ihr Grill einmal eine derartige Anziehungskraft haben sollte, war der ehemaligen Journalistin Anna Lai und ihrem Partner, dem ehemaligen Modedesigner Tobias Bürger, nicht bewusst. Aber die beiden selbst waren von ihrem ersten Pulled Pork in der „Fetten Sau“ in New York, wo die gebürtige Italienierin Journalismus studierte, vollends angetan. Und wollten das Slow-Food-BBQ fortan nach Berlin importieren. Sie kauften also einen Riesensmoker auf Kredit und ließen ihn von Tennessee nach Hamburg schiffen. Nun haben sie Pläne, im Jahr drei ihrer mobilen Grillstätten zu expandieren. Anna Lai, die aus Sardinien kommt, brennt für ihr Business. Noch möchte sie nicht zu viel verraten. Der Verkauf zur Berlinale am Potsdamer Platz aus einem Bus heraus ist schon ihr Highlight.

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