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Weingut am Main : Rot, rot, rot sind alle meine Farben

Es liegt in der Familie: Benedikt Baltes wollte schon immer Winzer werden. Bild: Rainer Wohlfahrt

Benedikt Baltes ist ein fanatischer Liebhaber des Spätburgunders. In den Rebengärten seines Weinguts in Klingenberg am Main trifft er auf eine ebenso stürmische Gegenliebe.

          Der fränkische Binnenrassismus ist stark ausgeprägt, klar festgelegt und fein abgestimmt: Die selbsternannten Patrizier im Volke der Franken sind die Oberfranken, die auf die Plebejer in Mittelfranken herabblicken, während diese wiederum in Unterfranken ausschließlich halbzivilisatorische troglodytische Lebensformen vermuten. So jedenfalls lautet die herrschende Meinung, mit der allerdings etwas nicht stimmen kann.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Denn sonst hätten die Menschen in der unterfränkischen Kleinstadt Klingenberg nicht so schlau reagieren können, als vor acht Jahren ein fremder Jüngling aus einem fernen Weinbaugebiet auftauchte, ein Kind fast noch und noch dazu fast mittellos, um das berühmte Weingut der Stadt Klingenberg zu kaufen. Die stolzen Klingenberger machten dem usurpatorischen Eindringling nicht etwa das Leben schwer, sondern empfingen ihn mit offenen Armen, unterstützten ihn nach Kräften, ließen sich von seinen Erfolgen mitreißen, taten also genau das Gegenteil dessen, was Klischeedumpfbacken zu tun pflegen.

          Benedikt Baltes war 25 Jahre alt, als er das Weingut kaufte, das einst zu den berühmtesten Adressen Frankens gehört hatte, Mitglied im Verband der Deutschen Prädikatsweingüter seit 1955, eine Institution am Main, die im Laufe der Zeit zu ihrem eigenen Schatten geworden war. Viel Personal gab es und wenig Expertise, alle wollten mitreden, doch niemand gab die Richtung vor, und da nicht nur viele Köche den Brei, sondern auch viele Winzer den Wein verderben, verspielte das Gut gründlich sein Renommee. Außerdem verließ die Kommunalverwaltung irgendwann der Mut, Qualitätsweine um jeden Preis zu keltern, weil sie glaubte, ein städtischer Betrieb dürfe nicht elitär sein. So hing ihr eines Tages das Weingut wie ein Klotz am Bein, den sie dringend loswerden wollte.

          An der Ahr ermöglichte man ihm seinen Traum

          Und so schlug die Stunde von Benedikt Baltes, der es dann doch noch mit unterfränkischen Quadratschädeln zu tun bekam. Sie saßen in der örtlichen Sparkasse und weigerten sich, den Kauf zu finanzieren. „Wenn die Stadt das nicht schafft, wird das mit mir erst recht nichts, das sagten sie mir und schickten mich nach Hause.“ Heute hat Baltes darüber gut lachen, denn zu Hause an der Ahr glaubte man an ihn und ermöglichte ihm seinen Traum: Die Sparkassenkollegen in Ahrweiler gaben ihm klaglos einen sehr hohen sechsstelligen Betrag, weil sie in ihrem kleinen Flusstal miterlebt hatten, dass talentierte, ehrgeizige, qualitätsversessene Winzer sehr wohl ihren Weg machen können.

          Winzer wollte Benedikt Baltes, in dessen Familie schon immer alle Winzer gewesen sind, schon immer werden. Allerdings waren seine Vorfahren ausnahmslos Mitglieder in Genossenschaften, lieferten also nur ihre Trauben ab und überließen die Kelterarbeit einem Kellermeister. Baltes aber wollte seine eigenen Weine machen, und so absolvierte er erst eine Weinbautechnikerlehre in Bad Kreuznach, um sich dann sein Rüstzeug in halb Europa zu holen. Er sammelte Erfahrungen im Alentejo, im Burgenland und am Balaton, war bei den Adeneuers, die zur Hocharistokratie an der Ahr zählen, und bei einem Großbetrieb in Rheinhessen mit fünfzig Hektar Rebfläche – und erkannte dort endgültig, dass er nicht mit Vollerntern im Flachland seinen Wein keltern wollte, sondern wie an der heimischen Ahr mit Handarbeit in Steillagen, am liebsten mit Reben, die älter sind als er selbst.

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