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Brot mit Geschichte : Das Baguette ist jetzt Weltkulturerbe

Ein Verkäuferin nimmt ein Baguette aus dem Regal einer Bäckerei. Die Unesco hat das Brot als ein immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Bild: dpa

Seit der Aufklärung verbreiteten Reisende, was für ein einzigartiges Brot die Franzosen backen. Die UNESCO hat das französische Baguette nun zum Weltkulturerbe erklärt.

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          Das Baguette ist nicht nur hohe Backkunst, fortan gilt es als „immaterielles Kulturerbe der Menschheit“. Das hat die UN-Kulturorganisation UNESCO mit Sitz in Paris entschieden und damit in Frankreich Jubel weit über die Bäckergilde hinaus hervorgerufen. Als Wahrzeichen Frankreichs zeugt das Baguette von den Geschicken der Nation.

          Renaissance des Baguettes

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          In seiner Kulturgeschichte des französischen Brotes beschreibt der Amerikaner Steven Kaplan, was der Brotverzehr über den Zustand der Gesellschaft aussagt. Seit der Aufklärung hätten Reisende in der ganzen Welt verbreitet, so Kaplan, was für ein einzigartiges Brot die Franzosen backen.

          Das Baguette, so viel steht fest, hat eine erstaunliche Renaissance erlebt. Die Mischung aus Wasser, Weizenmehl, Hefe und Salz hat nach Jahren des Niedergangs der Verkaufszahlen den schöpferischen Geist der Bäckermeister geweckt. Nicht nur in der Hauptstadt Paris wetteifern sie mit­einander, wem der beste Teig, die knusprigste Kruste und die anmutigste, luftig-leichte Molle gelingt.

          Die industrielle Massenproduktion wurde so zunehmend verdrängt. Es gibt kaum einen Franzosen, der nicht ausführlich erklären könnte, warum bei welchem Bäcker die Stange viel besser als beim Konkurrenten schmecke. Frankreich leistet sich sogar eine nationale Brot-Beobachtungsstelle, das Observatoire du pain, das von der Bäcker- und Müllerinnung mitfinanziert wird.

          Können und Kultur rund um das französische Brot werden nun in die Repräsentative Liste aufgenommen, wie die UNESCO am Mittwoch mitteilte. Die Kandidatur war 2018 vom Präsidenten der französischen Bäcker­innung eingereicht worden, Präsident Emmanuel Macron hatte die Bewerbung aktiv unterstützt.

          Jedes Jahr wird ein „Baguette­-Bäckermeister“ gekrönt, der ein Jahr lang den Elysée-Palast beliefern darf. Die etwa 250 Gramm leichte Stange bleibt das beliebteste Brot der Franzosen. Die Anfänge liegen im Dunkeln. Häufig wird behauptet, die ­Stangen seien während der napoleonischen Kriege entstanden, da die ­Soldaten sie angeblich besser in ihre Uniform­hosen klemmen konnten als runde Brote. Andere sehen den Ursprung in Wien. Der österreichische Bäcker August Zang habe das Baguette im 19. Jahrhundert in Paris eingeführt. Anständige Bäcker, sagt Steven Kaplan, hätten das Stangenbrot zunächst als „Phantasie“ für reiche Kunden ab­gelehnt.

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