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Moselweine : Ein Exot im Weinberg

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Nachdem er 15 Jahre lang im Ausland Erfahrung sammelte, will sich Martin Cooper nun im pfälzischen Cochem seinen Traum als Mosel-Winzer erfüllen. Bild: dpa

Von „Down Under“ nach Cochem: Der Australier Martin Cooper hat ein altes Klosterweingut an der Mosel übernommen und sich einen Traum erfüllt. Dabei ist er längst nicht der Einzige. In den Moselweinbergen herrscht Goldgräberstimmung.

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          Martin Cooper ist an der Mosel ein Exot. Das mag daran liegen, dass er der erste australische Winzer in der Region ist. Oder, dass er das Weingut Kloster Ebernach in Cochem in Rheinland-Pfalz gepachtet hat, und Partien aus verschiedenen Lagen mischt, um hochwertige Cuvée-Weine herzustellen. „Um mehrere Eigenschaften zu etwas Besonderem zu vereinen“, sagt er. Zudem füllt er aus Rieslingtrauben einen der hippen orangefarbenen Weine ab, der 40 Tage mitsamt Schalen vergoren wird. „Damit besetzt er an der Mosel eine absolute Nische“, so der Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel, Gerd Knebel.

          Cooper, der bereits 15 Jahre lang in Australien, Neuseeland, Amerika und Südafrika als Winzer tätig war, bringt viele neue Ideen mit. „Mein Traum war es immer schon, eines Tages an der Mosel Rieslingweine zu machen“, sagt Cooper in der Steillage „Sonnenberg“, wo er gerade seine zweite Ernte einfährt. Als er dann mit seiner Frau nach einem kleinen Mosel-Weingut suchte, stieß er auf das Kloster Ebernach, das auf eine 350 Jahre alte Anbautradition zurückblickt.

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          „Es gibt hier so viel Potential“, sagt der Winzer, der zuletzt im westaustralischen Albany arbeitete. Er wolle weitere Top-Lagen an der Terrassenmosel dazukaufen und eines Tages um die 15 Hektar bewirtschaften. „Unser Ziel im Kloster Ebernach ist es, das beste Weingut an der Terrassenmosel (zwischen Koblenz und Pünderich) zu werden.“ Dabei setzt er auf geringe Erträge, Lese per Hand und Ganztraubenpressung. Die Pacht, die er mit dem Franziskanerorden abgeschlossen hat, geht über 25 Jahre.

          Mosel sorgt für Goldgräberstimmung

          Obwohl Cooper der erste Australier ist, der an der Mosel sein Glück versucht, zieht das fünftgrößte Weinanbaugebiet regelmäßig ausländische Winzer an. Einige seien mit Visionen und Leidenschaft in den vergangenen Jahren an die Mosel gekommen, sagt der Geschäftsführer des Vereins Moselwein, Ansgar Schmitz. Das liege auch daran, dass der Wein aus dem weltgrößten zusammenhängenden Steillagengebiet international immer mehr geschätzt werde. „Es gibt eine Art Goldgräberstimmung“, meint er. „Die, die kommen, denken: Da geht noch was!“

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          Es gebe Parallelen zum 19. Jahrhundert, als ebenfalls Investoren an die Mosel kamen und nach der Säkularisierung durch Napoleon ehemalige Klosterweingüter übernahmen. Viele bekannte Weingüter hätten da ihre Wurzeln. Heute investierten Seiteneinsteiger meist in weniger bekannten Weinorten oder Weinlagen, sagt Schmitz. Auch weil die Grundstückpreise für Weinberge niedriger seien und eine Profilierung einfacher sei, da es dort keine oder kaum renommierte Top-Betriebe gebe.

          In Traben-Trarbach hat schon vor rund 15 Jahren der Schweizer Daniel Vollenweider ein Weingut gegründet. Er war Vermessungstechniker, lernte und studierte dann Weinbau, und entdeckte den Riesling für sich. „Mich hat das Anbaugebiet Mosel schon immer interessiert, ich fand die Weine spannend.“ Heute geht sein Wein in alle Welt. Damit ist Vollenweider aber lange nicht der Einzige: Der Pole Andrzej Greszta ging vor rund zehn Jahren mit seinem Weingut in Kröv an den Start. In Reil bewirtschaften Moselwinzer Tobias Treis und der Südtiroler Ivan Giovanett gemeinsam einen Weinberg als deutsch-italienisches Joint-Venture. Und in Enkirch macht derzeit ein Jurist aus London eine Winzerausbildung.

          Ausländische Winzer keine Seltenheit

          Es gebe aber auch Quereinsteiger aus Deutschland, die zum Weinmachen an die Mosel kämen, sagt Experte Schmitz. Derzeit seien es etwa 50, von einer Biologin über einen Bankkaufmann bis hin zu einem Industriemeister. Oft spielten auch persönliche Gründe eine Rolle. „Alle vereint die Vision, gute Weine machen zu wollen.“

          So wie auch Martin Cooper, der nur noch selten an seine Heimat Australien zurückdenkt. Nur wenn es so nasskalt sei wie in diesen Herbsttagen, da sehne er sich nach der Hitze in Down Under. Und dann vermisse er vor allem eines: „Die Strände.“

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