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Firmenerbin auf neuen Wegen : Johanna Höhl macht jetzt in „Essisch“

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Zehn Jahre später traute sich Rudolf Höhl auch mit Apfelessig in die Öffentlichkeit - weithin unbemerkt zunächst, denn mit den ersten Flaschen seiner Marke Bioess beliefert er nur das örtliche Reformhaus und eine ohnehin schon gesundheitsbewusste Klientel. Damals sprach man nicht von Marketing, aber der Chef der Apfelweinkelterei Höhl hatte ein Gespür für Trends. Sein größter Coup: Die Fernsehmacher der Sendung „Zum Blauen Bock“ überzeugte er in den sechziger Jahren, seinen Apfelwein „Blauer Bock“ nennen zu dürfen - unter der Auflage, „keine Werbung für die Sendung zu machen“.

Das Gegenteil war der Fall. Das Geschäft mit Apfelwein brummte bald in ganz Deutschland. Um die Jahrtausendwende schaffte es überraschend auch Bioess in den Lebensmittelhandel: Apfelessig war plötzlich Fitnessgetränk und Abnehm-Wundermittel, sogar in Kapseln und als Haarspülung, die Glanz verhieß. Uschi Glas machte Werbung dafür, Johanna Höhl auch. Bis nach einigen Jahren das Interesse so schnell verebbte, wie es gekommen war - just in einer Phase, in der auch der Markt für Apfelwein einbrach. „Zum Blauen Bock“ war inzwischen eingestellt, in den Gaststätten und Bars zumindest außerhalb Hessens war plötzlich ein anderes Getränk populär: Weizenbier.

Rudolf Höhl hatte da gerade ein neues Grundstück in Hochstadt erworben, um zu expandieren, mit einem Vertrag, der ihn auf Jahre nicht aus den finanziellen Verpflichtungen entließ. Es war der Anfang vom Ende - und vom neuen Anfang: 2013 starb Höhl im Alter von 86 Jahren. Er erlebte nicht mehr, wie seine Tochter nach dem Verlust des Apfelwein-Imperiums ausgerechnet mit Apfelessig, der ihm besonders am Herzen lag, die Höhlsche Tradition neu belebte.

Die Zeit ist reif dafür. Yoga und Detox sind in, digital und physisch wollen die Menschen entgiften, entschlacken, loslassen. Man kennt sich aus mit freien Radikalen, also den Stoffwechselprodukten, die bei Übersäuerung durch einseitige Ernährung mit zu viel Fast Food und durch Dauerstress im Übermaß entstehen und dem Körper schaden können. Symptome der Übersäuerung sind Müdigkeit, Erschöpfung, Burnout. Apfelessig wirkt basisch, und die an Maleinsäure reiche Bio-Variante reguliert die Darmflora, einen wichtigen Teil des Immunsystems.

Die Äpfel auf den Streuobstwiesen des Guts Höhl werden Biologisch angebaut.

“In der Erfahrungsheilkunde und der Volksmedizin weiß man das schon lange, es ist ein uraltes Hausmittel“, sagt Johanna Höhl. Sie selbst hat mit 14 Jahren begonnen, täglich Wasser mit einem Schuss Apfelessig zu trinken. Die väterliche Mischung ergänzt sie heute mit Algen und Honig: „Ich mag das Süße und die kräftigende Wirkung von Honig.“

Die heilsamen Wirkungen der Kombination aus den fermentierten Naturprodukten Apfelessig und Honig hat schon der amerikanische Arzt D. C. Jarvis in seinem Buch „5 x 20 Jahre leben“ beschrieben, das einst ihren Vater inspiriert hatte. Im Sortiment von Dr. Höhl's gibt es seit 2015 Bioess klar (vegan, da mechanisch und nicht mit Gelatine geklärt) und Bioess naturtrüb. 2016 ist die Rezeptur 1779 hinzugekommen, eine Verneigung vor der Geschichte der Familie, mit 60 Prozent Apfelessig und 40 Prozent Bio-Honig. „Drei Teelöffel davon entsprechen dem täglichen Energie-Cocktail von Dr. Jarvis“, sagt Johanna Höhl. Für sie verbinden sich darin „das Saure und das Süße“, Yin und Yang, Gesundheit und Genuss. Honig wurde lange als natürliches Antibiotikum genutzt. In der Verbindung mit Apfelessig ist er eine solide Basis für Salatsaucen (etwa mit feinem Olivenöl, Meersalz und Pfeffer aus der Mühle) und wirkt als „natürlicher Geschmacksverstärker“.

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