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Bier im Test : Das gewisse Biergefühl

  • -Aktualisiert am

Glück im Glas: Bier bringt Menschen zusammen Bild: Dieter Rüchel

Kein Getränk ist so gemeinschaftsstiftend wie Bier – besonders die alkoholfreie Variante. Aber welche Marke schmeckt? Ein Test.

          Was bei Wein anstößig wäre, ist es beim Bier mitnichten: sich zwei Gläser auf einmal zu bestellen. Menschen, die das tun, sind gut zu verstehen, besonders an einem prallen Sommertag. Aber sie geben sich trotzdem eine Blöße. So drängend ihr Durst auch sein mag, so prompt das süffige Nass sie auch erfrischen mag: Biertrinker scheinen einem Sog verfallen, der nicht mehr viel mit dem Flüssigkeitshaushalt oder dem Wunsch nach sofortiger Abkühlung zu tun hat.

          Der Kult um die sogenannte Blume, die Schaumhaube obenauf, krönt ihn gleichsam: den ersten Zug. Mit ihm scheint wunschlos machendes Glück durch Mund und Kehle zu rinnen. In der Tat handelt es sich um ein absolut erfüllendes Erlebnis, einen schlagenden Effekt, den kein anderes Getränk bietet - auch nicht Cocktails wie Old Fashioned oder Martini Dry. Die sind zwar ähnlich einfach konstruiert wie Bier, jedoch fehlt ihnen dessen kalkulierte Frugalität.

          Gemeinschaftsstiftendes Biergefühl auch für Alkoholfreie

          Gemeinsam ist ihnen dafür das Zusammenspiel von kräftigem Körper und einem Twist, dem aromatischen Akzent. Was Angostura und Wermut für die beiden Klassiker leisten, das erfüllt der Hopfen beim Bier. Dessen an Harz anklingende Bitterwürze auf der Grundlage malziger Restsüße und in Verbindung mit temperierter Sprudeligkeit löst mit dem ersten Schluck aus einem beschlagenen Glas einen folgenreichen Wunsch aus: Dieser herrliche Augenblick oder besser sogar „Choc“, von dem Connaisseure behaupten, er sei der einzig wahre, möge sich wiederholen. Unmittelbar und immer wieder.

          Weil er aber unwiederbringlich ist, bleibt einem höchstens übrig, ihm hinterherzutrinken. Das gibt dem eifrigen Biergenuss etwas Illusorisches, ja Verzweifeltes.

          In dieser Hinsicht unterscheidet sich alkoholfreies Bier nicht vom herkömmlichen und kann deshalb auch nicht als Hopfen- oder Erwachsenenlimonade bezeichnet werden. Allerdings fällt die einschränkende Wirkung des vergorenen Gerstenzuckers auf die fünf Sinne weg. Damit eignet es sich für Autofahrer sowie Leute, die Alkohol nicht mögen oder nicht mehr mögen dürfen. Sie können sich mit der nüchternen Variante im Glas unauffällig an Geselligkeiten beteiligen, die von geistigen Getränken befeuert werden. Als Spielverderber im Biergarten entlarvt zu werden, müssen sie nicht fürchten, denn sie teilen ja mit den anderen das gemeinschaftsstiftende Biergefühl.

          Trotz dieser sozialen Vorteile wirft ein Genussmittel naturgemäß Fragen auf, wenn es mit Hilfe durchaus aufwendiger Verfahren um einen wesentlichen Bestandteil gebracht wurde. Um sie zu beantworten und das Profil des Alkoholfreien von heute zu bestimmen, baten wir Experten für feine Flüssigkeiten, mit uns zu testen. Zum Zuge kamen zwei Dutzend Marken aus allen Regionen der Republik. Als Typ wurde Pils gewählt, weil es inzwischen zum Leitbier der Deutschen aufgestiegen sein dürfte, sowie das verwandte Helle. Es vertritt das Pils in Bayern und ist, wenn es kräftiger gehopft wurde, von ihm kaum zu unterscheiden.

          Bewertung: Sinnvolle Stufung von aromatischen Profilen 

          Die Rolle der Pflanzendolden ist für Michael Schwab von entscheidender Bedeutung. Der zurückhaltende Braumeister hat in den vergangenen zehn Jahren in seiner Handwerksbrauerei „BrewBaker“ annähernd 150 verschiedene Biere mit ganz persönlicher Note gebraut und dabei die beachtliche aromatische Bandbreite der verschiedenen Hopfensorten genutzt. Er steht damit beispielhaft für eine noch junge Bewegung, die die Ausdrucksmöglichkeiten eines Themas, das in der Massenproduktion zu ertrinken drohte, neu ausloten möchte. Schwab bildete zusammen mit der Sommelière Alexandra Ebeleseder und dem Weinhändler Holger Schwarz ein hochkarätiges Expertenteam, das bei „Viniculture“ am Berliner Savignyplatz zusammentrat.

          Welches alkoholfreie Bier kann man trinken? Unser Test. Bilderstrecke

          Der ursprünglich französisch ausgerichtete Ort gehörte zu den ersten modernen Fachhandlungen, die den Aufbruch der Küche in den achtziger Jahre mit ungewöhnlichem Wein und Spezialitäten begleiteten. Unter Schwarz’ Ägide hat er sich zum Treffpunkt der Liebhaber von Naturwein erweitert. Viele von dessen Erzeugern sind im Impetus durchaus jenen Brau-Ingenieuren vergleichbar, die angetreten sind, um einem uralten Trunk Charakter und Unverwechselbarkeit zurückzugeben.

          Die Bewertungsskala orientiert sich an der des Gault Millau, dessen ans Ideal reichende von 20 Punkten eigentlich nicht vergeben werden soll. Im Unterschied zum französischen Restaurantführer ist die Wertung nicht absolut. Statt der Ermittlung höchster Delikatesse geht es hier um die sinnvolle Stufung von aromatischen Profilen innerhalb eines Themenfelds. Ins Urteil gehen ein Punkte für Geschmack und Duft, dann aber auch für Mundgefühl sowie - falls das eine Rolle spielen sollte - die Handhabbarkeit.

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