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Alkoholfreie Sekte und Weine : Prickeln ohne Promille

Alkoholfreier Sekt: Echter Schaumwein oder trockener Traubensaft? Bild: AFP

Der Trend geht zur Mäßigung: Viele Menschen verzichten auf die Promille im Wein und Sekt – häufig auf Kosten des guten Geschmacks. Dass das auch anders geht, zeigt ein Winzer aus dem Rheingau.

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          Katharsis durch Entsagung: Was der Mensch früherer Zeiten in der Nüchternheit der Fastenzeit suchte, ist für den Menschen der Moderne zum Lifestyle geworden. Heute ist der Verzicht auf Fleisch und Alkohol kein saisonales und religiös motiviertes Phänomen mehr, sondern ein Trend. Eine Mode, die seit ein paar Jahren immer mehr Anhänger findet – und zahllose Produkte hervorbringt: fleischlose Burger und Würste, Frikadellen und Käse aus Tofu, zuckerfreie Süßspeisen, Milchersatz aus Mandeln und Hafer und in jüngster Zeit auch immer mehr Getränke ohne Alkohol.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Während es Bier ohne Promille schon länger gibt, ist das Angebot an alkoholfreien Weinen, Sekten und Spirituosen noch einigermaßen überschaubar. Aber der Markt hat enormes Potential: Die Nachfrage nach Alternativen zu klassischen Stimmungsaufhellern steigt und steigt. Dabei wollen nicht nur Schwangere und Menschen, die sich aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen mäßigen müssen oder wollen, ohne Umdrehungen und Reue genießen – die Schlachtrufe „Low-Alkohol“ und „No-Alkohol“ sind längst im Mainstream angekommen.

          Genuss ohne Reue

          In den Regalen der Supermärkte sind schon seit einigen Jahren alkoholfreie Sekte und Weine zu finden. Marken wie Rotkäppchen, Freixenet, Henkell und Mumm ist der Trend zur Mäßigung nicht entgangen. Doch im Premiumsegment ist die Luft noch dünn. Der Rüdesheimer Winzer Carl Jung keltert eine Reihe alkoholfreier Tropfen, und auch König und Krieger aus Oberursel bringt seit einiger Zeit eine anspruchsvolle Kollektion von Weinen und Sekten ohne Promille über Fachhandel und Gastronomie unter die Leute.

          Überzeugt auch ohne Alkohol: Der Riesling „Eins-Zwei-Zero“ vom Rheingauer Winzer Johannes Leitz.

          Ein wirklich überzeugendes Produkt hat aber erst der Rheingauer Winzer Johannes Leitz mit seinem Riesling „Eins-Zwei-Zero“ auf den Markt gebracht: Der ist nämlich kein auf Trockenheit getrimmter Traubensaft sondern ein richtiger Wein, der in der Nase tatsächlich wie ein Riesling nach Äpfeln, Birnen und Zitrusfrüchten duftet und im Mund viel Frische mit Aromen von gelben Früchten und einer anregenden Säure zeigt. Das Geheimnis: Gute Grundweine und eine Entalkoholisierung per Vakuumverdampfer, der den Wein schont und die Aromen nicht zerstört.

          Auch der Erfolg von „Eins-Zwei-Zero“ dürfte die hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach dazu bewogen haben, mit ihrem Sparkling Riesling Alkoholfrei einen ähnlichen Weg zu gehen. Der prickelnde Tropfen aus der traditionsreichen Kellerei wird mit Jahrgangsbezeichnung und ebenso wie der Leitz-Riesling für knapp unter zehn Euro verkauft. Und er ist nach Angaben der Macher der erste alkoholfreie Sekt aus den Reihen der deutschen Prädikatsweingüter – was allein kein Kriterium ist, aber den Anspruch zeigt, mit dem dieser Tropfen den Kunden ans Herz gelegt wird.

          Und tatsächlich wird der Kloster-Sparkling diesem Anspruch gerecht: Er zeigt die typischen Steinfruchtnoten und die klare Säure des Rieslings und verbirgt mit seiner feinen Perlage erstaunlich gut, dass ihm mit dem Alkohol eigentlich sein wichtigster Aromenträger fehlt. Das gelingt dem Kellermeister deshalb so gut, weil er wie die Kollegen vom Weingut Leitz auf gute Grundweine, sprich Rheingauer Rieslings in Spätlese-Qualität, zurückgreift und sich für die Entalkoholisierung per Vakuumverdampfung entschieden hat. So wird aus einem Null-Promille-Tropfen am Ende wirklich ein schäumender Genuss – ganz ohne Reue.

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