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Georg Gänswein im Gespräch : „Zu Hause beim Papst trinke ich Tee“

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Diener zweier Herren, dem Freizeit ein Fremdwort geworden ist: Greorg Gänswein. Bild: Picture-Alliance

Seine Haare werden langsam grau. Doch Georg Gänswein kommt seinen Besuchern in Rom mit dem federnden Schritt des Wanderers entgegen, und er hat den festen Händedruck des Tennisspielers.

          3 Min.

          Der 58 Jahre alte Erzbischof mit dem jungenhaften Lächeln, Sohn eines Schmieds aus dem Schwarzwald, ist Maggiordomo Seiner Heiligkeit. Er steht also der Präfektur des Haushalts von Papst Franziskus vor und arbeitet für den emeritierten Papst Benedikt XVI. Antworten gibt er im Stil-Fragebogen.

          Was essen Sie zum Frühstück?
          Ich esse Brot, Marmelade, Honig und Joghurt und trinke einen doppelten Cappuccino. Am Sonntag eine Crostata, wie eine dünne Linzer Torte, nur viel schmackhafter

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
          Meine Klerikalsachen bei einem Klerikalschneider in Rom, und all die anderen Dinge, Boxershorts und so, kaufe ich dort, wo es jedermann sonst auch tut. Aber ich gehe nicht in ein Kaufhaus, sondern ins Fachgeschäft.

          Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?
          Blödsinn.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?
          Ein grauer Lodenmantel, jetzt mehr als eine Generation alt und aus der Zeit meiner Promotion in München. Die Wahl hatte nichts mit Stil oder Mode zu tun. Loden trägt sich gut und kostet nicht die Welt.

          Was war Ihre größte Modesünde?
          Da bin ich sündenfrei.

          Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?
          Zu Hause nie.

          Haben Sie Stil-Vorbilder?
          Meine Vorbilder habe ich in der Natur; aber es gibt auch einige Bilder von Malern wie Rubens, Dürer, Raffael oder El Greco, die geschmacksbildend für mich gewesen sind.

          Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder Möbelstück selbst gemacht?
          Ich kann wohl Knöpfe annähen und Bücherregale zusammensetzen, aber mehr nicht. Als Junge war ich freilich auf den Drachenbau spezialisiert.

          Besitzen Sie ein komplettes Service?
          Ich habe privat nie ein Service besessen. Ich komme aus einer Handwerkerfamilie und habe später in einer Zelle in einem Priesterseminar gelebt. Aber hier habe ich durch mein Amt Zugriff auf ein Service für Gäste.

          Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?
          Für Papst Benedikt habe ich nie gekocht. In meiner Doktorandenzeit waren Spiegeleier auf Speck mit frischem Sonnenblumenkernbrot meine Spezialität.

          Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?
          Ich lese zwei deutsche Zeitungen, aber da möchte ich weiter keine Werbung machen. Außerdem zwei italienische Zeitungen, natürlich den Osservatore Romano sowie den mehrsprachigen Pressespiegel des Vatikans.

          Welche Websites und Blogs lesen Sie?
          Dito. Und natürlich „Vatican News“.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
          Erst vorgestern, aber das waren nur wenige Zeilen.

          Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?
          Die Heilige Schrift.

          Ihre Lieblingsvornamen?
          Da bin ich überhaupt nicht fixiert.

          Ihr Lieblingsfilm?
          Ganz früher habe ich gerne Western oder Hitchcock-Krimis geschaut. Aber da ich keinen Fernseher habe und auch aus Zeitmangel nur sehr selten ins Kino gehe, habe ich keinen Lieblingsfilm.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
          Ich habe kein Freiheitsproblem und auch kein eigenes Auto. Aber es steht mir ein solider deutscher Mittelklassewagen zur Verfügung.

          Tragen Sie eine Uhr?
          Ja, hier läuft alles nach der Uhr. Aber nichts Besonderes, immerhin kommt sie aus der Schweiz.

          Tragen Sie Schmuck?
          Bischofsring und Brustkreuz gehören zum Amt und sind kein Schmuck.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?
          Ja, es sind zwei Düfte: den Tannenduft nach einem starken Regen und den Duft von Rosen. Hier gibt es in den Vatikanischen Gärten eine Rosengalerie mit vielen verschiedenen Rosensorten, die wunderbar duften.

          Was ist Ihr größtes Talent?
          Da müssen Sie meine Freunde fragen.

          Was ist Ihre größte Schwäche?
          Die kennt nur mein Beichtvater, und ich bin mir ihrer bewusst.

          Womit kann man Ihnen eine Freude machen?
          Mit einem guten Buch oder einer Musik-CD. Gerne lese ich geschichtliche Biographien, zur Zeit über Friedrich II.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
          Berge, weil ich dort gerne wandere und wegen des Skifahrens. Leider komme ich kaum noch zu Sport. Seit dem Amtsverzicht von Benedikt XVI. habe ich noch keinen Dreh für einen freien Nachmittag gefunden, um zum Beispiel wieder Tennis zu spielen; es gibt schöne Plätze nur einen Steinwurf vom Vatikan entfernt.

          Sind Sie abergläubisch?
          Ganz und gar nicht. Freilich schwant auch mir manchmal Böses, wenn ein Tag schon schlecht beginnt.

          Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?
          Es war ein Skiurlaub in den Tiroler Alpen, auf gut 2000 Metern, bei Neuschnee, Sonne und mit guten Freunden.

          Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?
          Seit Jahren verbringe ich den Urlaub zu Hause im Schwarzwald. Ich hätte schon Lust, etwas ganz anderes zu machen, aber ich sehe meine Familie das Jahr über fast nie; zudem ist mein Vater alt und dement. Ich besuche dann auch die Verwandtschaft und alte Freunde.

          Was trinken Sie zum Abendessen?
          Wenn ich auswärts esse, gibt es Wein und Mineralwasser, auch ein Bier ist willkommen. Zu Hause bei Papst Benedikt aus Solidarität in der Regel Tee. Wenn es deftige Kost gibt, dann steht auch ein Bier auf dem Tisch.

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