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Zukunftshaus B10 : Experimentalkapsel für das Wohnen von morgen

  • -Aktualisiert am

Erste Zukunftslektion bei der Besichtigung des Hauses: Das Konzept fordert vom Nutzer eine konsequente Smartphone-Nutzung. Denn ohne den elektronischen Tausendsassa läuft nichts im B10. Der Mobilbegleiter fungiert sogar als elektronischer Hausschlüssel. Ein herkömmliches Schloss gibt es nicht, erst nach Eingabe eines Kodes ins Telefon sirrt das Schiebetor zum Grundstück auf und öffnet sich die Glasschiebetür zum Haus. Das Smartphone und dessen größerem Bruder namens Tablet-PC sind Knoten- und Bedienpunkt aller Haustechnik. Sämtliche Komponenten lassen sich darüber steuern, sind miteinander vernetzt und kommen, übersichtlich und grafisch ansprechend aufbereitet, in der Bedienoberfläche zusammen. Sekundenaktuell lässt sich die Energiebilanz abrufen, per Fingerwisch das Laden des Elektroautos steuern. Was zunächst sehr futuristisch wirken mag und damit ein wenig befremdlich, ist auf den zweiten Blick eine logische Folge der diversen verwirklichten Technikansätze: Die energetische Totaloptimierung des B10 lässt sich nur über perfekte Vernetzung und Softwaresteuerung erreichen. Sonst gehen Kilowatt verlustig. Eine Bevormundung gebe es dennoch nicht, wehren die Projektpartner ab. Man könne jederzeit selbst entscheiden. Höchstens als Nebeneffekt erzieherische Aspekte in Sachen Energienutzung.

Eine weitere Zukunftslektion: Die Möglichkeiten des B10 sind zahlreich und variabel, um ein maßgeschneidertes Wohnen zu ermöglichen. Zu viel Glasfront in zu großer Bürgersteignähe und damit wenig Privatsphäre? Kein Problem: Die Terrasse ist in vier Segmente unterteilt, und jedes lässt sich mit Hydraulikhilfe - selbstverständlich mit Bio-Öl - vor die Scheiben klappen. Einige Resultate: Sichtschutz, abgeschlossene Räume, zusätzliche Isolierung, Einbruchsicherung. Falsche Raumaufteilung im Haus selbst? Ein Schienensystem ermöglicht es, Wände zu versetzen. Gibt es aktuell genug Energie, um die Waschmaschine laufen zu lassen und auch das Elektroauto zu laden? Man überlasse es der Steuerung. Sie hat den Überblick und teilt stets passend zu. Die Waschmaschine läuft dann vielleicht erst nachmittags an, weil für den Vormittag ein Termin im Kalender des Bewohners steht, der nur mit dem Auto erreichbar ist, das zuvor aber noch geladen werden muss. Wie bitte, die Steuerung kennt alle Termine? Klar. Sonst wäre keine konsequente Optimierung möglich.

Energie steht im Überfluss zur Verfügung

Eine dritte Zukunftslektion: Energie steht im Überfluss zur Verfügung. Diesen Eindruck zumindest könnte man gewinnen angesichts der Tatsache, dass das Haus doppelt so viel erzeugt, wie es selbst benötigt. Zudem, wenn drei Elektrofahrzeuge - ein Smart und zwei E-Bikes - zur Verfügung stehen. Klar: Das B10 ist autark, und das gibt sicherlich ein gutes Gefühl. Aber es gehört nicht zur Grundidee, das opulente Energieangebot einfach zu verblasen. Sondern es beispielsweise anderen Bauten, die nicht auf so einem guten Standard sind, zur Verfügung zu stellen - „Schwesterlichkeitsprinzip“ nennen es die Planer. Man schaue sich beispielsweise direkt in der Nachbarschaft in der Weißenhofsiedlung um: Denkmalgeschützte Häuser in großer Zahl, die man nicht so einfach grundsanieren kann oder will. Deren mäßige Energiebilanz wäre kein Makel, gäbe es in der Stadt weitere Gebäude mit der effizienten Technik des B10.

Die Szenarien illustrieren einen Teil der erhofften Antworten. Ob alles wirklich so genutzt wird wie von den Akteuren erhofft, ob die Zukunft des Wohnens also tatsächlich so aussieht wie im Stuttgarter Forschungshaus verwirklicht - das aber kann niemand vorhersagen. Die Nachfrage jedenfalls nach vorübergehendem Wohnen im B10 sei groß, versichern die Projektpartner. Fest steht einzig, dass nach drei Jahren Kran und Tieflader wieder anrücken werden, um das B10 rückstandsfrei zu entfernen. Dann bleiben ein berühmtes Grundstück und eine grüne Wiese - und hoffentlich zahlreiche Erkenntnisse.

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