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Zimmerpflanzen im Trend : Die grüne Welle

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Doch ohne grünen Daumen ist es mit dem städtischen Dschungel nicht weit her. Im Gegensatz zu Kissen oder Bilderrahmen reicht es nicht, die Pflanzen einfach hinzustellen, ohne eigenen Einsatz wachsen sie eben doch nicht. Im Botanial Room in Kreuzberg geht deshalb jeder Kauf mit Empfehlungen einher. Eine Care Card, welche Gieß- und Standorttipps listet, ist gratis. Hanni Schermaul, die eigentlich Architektin ist, startete ihr Geschäft nach einem Jahr Sabbatical auf einer griechischen Insel. Im April 2017 ging der Online-Shop live. Während die Websites großer Pflanzenhändler und Baumärkte die Ware im Laden abfotografieren oder gleich Freisteller machen, setzt Schermaul ihre Pflanzen vor farbigem Hintergrund oder von oben in Szene. Und sie liefert sie auch gleich im passenden Terrakottatopf mit Untersetzer. „Ich möchte Pflanzen verkaufen, die es nicht überall gibt“, sagt Schermaul. Dazu gehören unter anderem alte Kakteen, eine Begonie mit herzförmigen, pinken Blüten oder die lustige Wurmpflanze „Hottentot“. Sie alle lassen sich online je nach Anforderung an die Lichtverhältnisse filtern. Ausgesucht sind auch die Accessoires. Da wären zum Beispiel iranische Tontöpfe, die heller sind und deren Wüstenerde mehr Patina hat als der rote Ton von Terrakotta. Zudem gibt Keramikübertöpfe mit Brust- oder Peniselementen aus New York, Wasserzerstäuber aus Kupfer oder Messing aus England und den Pflanzenständer „Longarm“ aus pulverbeschichtetem Stahl, den die Produktdesignerin Katrin Greiling exklusiv für den Botanical Room entworfen hat. Schermaul sagt: „Ich verfolge ein modernes Konzept für Zimmerpflanzen.“ Und zu dem gehört eben auch das coole Komplettpaket.

Auf der Suche nach der neuen, angesagten Sorte

Botanicly, ein anderer Nachwuchs auf dem Berliner Blumenmarkt, ist vom eigenen Geschäft noch so weit entfernt wie der Flughafen Berlin-Brandenburg vor der Inbetriebnahme. Botanicly ist ein Start-up, das beim Vertrieb von Zimmerpflanzen ähnlich wie die Partnersuch-App Tinder auf das perfekte Match setzt. Um quasi seine Traumpflanze zu finden, hat Botanicly auf der Homepage das Fragebogen-Tool „Kilea“ vorgeschaltet. Das Durch- und Anklicken dauert eine Minute. Am Ende spuckt der Algorithmus drei potentielle Pflanzenkandidaten mit den jeweiligen Pflegehinweisen aus. Die Macher selbst halten sich im Hintergrund. Einen Showroom brauchen die jungen Gründer nicht. Sie basteln im Gründerhaus Mitte der Humboldt Universität Berlin, einem abgerockten DDR-Hinterhofgebäude nahe der Charité, an digitalen Innovationen im Pflanzenbereich.

Einer davon ist Jonas Wegener. Er hat Agrarwissenschaften und Soziologie studiert. Sein Partner ist Software-Entwickler. Seit Februar dieses Jahres firmieren sie mit Botanicly als GmbH. Wegener, der aufgrund seines Studiums früher schon Freunden Tipps gegeben hat, will mit Botanicly sein Pflanzenwissen und überhaupt Informationen zur richtigen Haltung digitalisieren. Als Nächstes steht eine Art Enzyklopädie sowie eine App an, welche mittels des Smartphones die Lichtverhältnisse am jeweiligen Standort analysiert. Auch für den Außenbereich feilt man an Konzepten. Ob all die Digitalisierung für etwas so Lebendiges wie Pflanzen nicht zu technisch sei? „Im Gegenteil“, sagt Wegener. „Wir wollen mit unserem Wissen dafür sorgen, dass die Besitzer nicht nur die richtige Pflanzen finden, sondern auch regelmäßig Updates und Anleitungen zur Pflege bekommen. Das Thema Pflanzen kann so komplex wie Versicherungen sein. Da braucht es schon gute Berater. Als solcher sieht sich Botanicly.“ Bei Frauen Mitte 30 aus der Großstadt komme das Komplett-Sorglos-Paket besonders gut an, heißt es.

Genauso spannend wie die neuen Verkaufskonzepte aus der Botanik ist nicht zuletzt aber auch die Frage nach der nächsten angesagten Sorte. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Ficus benjamini, dem Bürobaum schlechthin? Und haben Yucca Palme und Bonsai wirklich ausgedient? Wir werden sehen – zuerst in den sozialen Netzwerken und kurz darauf in den neuen Pflanzenshops.

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