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Wohnen im Baudenkmal : Sich im Alter vergrößern

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Es darf gerne ein bisschen anders sein: Hausbesetzerin Gerda-Marie Voß weiß das Baudenkmal in Viersen gut zu nutzen. Bild: Stefan Finger

Die Kinder sind aus dem Haus und dann? Innenarchitektin Gerda-Marie Voß suchte sich ein neues Haus und fand mit einem Gebäude aus den dreißiger Jahren eine neue Lebensaufgabe.

          6 Min.

          Was tun, wenn die Söhne flügge geworden sind und man allein in einem riesigen Haus zurückbleibt? Ganz klar: Man sucht sich ein noch größeres. Und zwar eins, mit dessen Sanierung, Instandhaltung und Bespielung man sich nicht nur einfach eine Immobilie, sondern auch gleichzeitig noch eine Lebensaufgabe schafft.

          Zugegeben, geplant war eigentlich alles ganz anders. 2010: Gerda-Marie Voß, damals 56 Jahre alt, beschloss, nachdem mit ihrem Sohn Adrian das letzte Kind das Haus verlassen hatte, sich räumlich zu verkleinern, vielleicht eine Alten-WG zu gründen und dort den neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Wohnungen in Düsseldorf, Mönchengladbach und Nizza wurden besichtigt, mit dem Ergebnis, dass keine gefiel. „Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich ein Stück meiner Freiheit aufgebe, wenn ich dort einziehe“, erklärt sie rückblickend. Eine Aussage, die vielleicht auch nicht verwundert, wenn man weiß, dass die Diplomingenieurin der Fachrichtung Innenarchitektur bis dahin ihr Leben vor allem in großzügigen Häusern verbracht hatte - meist denkmalgeschützt und liebevoll persönlich restauriert. Doch das war nicht der einzige Grund, warum es so schwer fiel, sich räumlich zu verkleinern. „Plötzlich stiegen in mir wieder Gedanken hoch, mit denen ich mich vor dem Kinderkriegen beschäftigt habe - Kunstausstellungen, Fabrik, Platz, große Räume, das Thema Raum insgesamt. All das war wieder ganz präsent“, erzählt sie. So manches, was sie sich immer gewünscht, aber nie umgesetzt hatte, ging ihr plötzlich durch den Kopf.

          Parallel zur erfolglosen Wohnungssuche erkrankte mit dem Künstler Georg Ettl ein guter Freund, den sie regelmäßig in seiner Heimatstadt Viersen besuchte. Auf den gemeinsamen Spaziergängen stach ihr dabei ein besonderes Haus vis-à-vis dem Alten Stadtgarten ins Auge: Direkt bis an den Gehweg gebaut, in graphisch-schlichter Form und im unteren Bereich dunkel geklinkert, erweckte es ihre Neugier. Was wohl hinter der 15 Meter langen Front stecken mochte? Die Türgriffe jedoch hätten verdächtig nach etwas „Historischem“ ausgesehen, berichtet sie von ihrem ersten Eindruck. Die seit Wochen heruntergelassenen Jalousien ließen zudem erahnen, dass das Haus schon länger leerstand.

          Hausbesetzen mal anders

          Ein Anruf beim Amt für Denkmalschutz und im Anschluss bei der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) brachte Klarheit. Bei dem geheimnisvollen Gebäude handelte es sich um die Villa des Unternehmers Walter Kaiser, Erbe des Kaffeeimperiums Kaiser’s Kaffee. Und: Sie war verkäuflich - was Gerda-Marie Voß einerseits dazu bewegte, sich sofort auf eine Interessentenliste setzen zu lassen und andererseits weitere Nachforschungen über das „Wohnhaus 1 Walter Kaiser“, wie das Gebäude offiziell hieß, anzustellen.

          Die Kaisers waren mit ihrer Kaffeerösterei in Viersen schon damals hochangesehen, nicht zuletzt auch wegen des sozialen Engagements des Gründers Josef Kaiser. Während der Kommerzienrat selbst aber noch hochherrschaftlich im alten Rittergut Haus Clee in Schwalmtal residierte, wollte sich sein Sohn Walter als neuer, demokratischer Unternehmertypus präsentieren. Um diese Vision umzusetzen, engagierte er den Architekten Bernhard Pfau, der mit der Kaiser-Villa in den Jahren 1931 bis 1932 sein erstes Privathaus realisierte. Pfau hatte in früheren Arbeiten, zum Beispiel als Mitarbeiter von Bruno Paul oder Emil Fahrenkamp, schwerpunktmäßig Akzente im Ladenumbau und in der Errichtung von Geschäftshäusern gesetzt und sich erst 1930 selbständig gemacht. In späteren Jahren erlangte er mit dem Haus der Glasindustrie sowie dem Düsseldorfer Schauspielhaus internationalen Ruhm.

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