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Wohnen in Brooklyn : Teurer als Manhattan

Das rostige Wahrzeichen bezeugt die Vergangenheit als Industriestandort. Bild: Kai Nedden

Früher wurde Williamsburg im New Yorker Stadtteil Brooklyn von Einwanderern dominiert, heute leben hier Investmentbanker. Angst vor Schüssen im Nebenhaus hat jetzt keiner mehr. Aber der Aufstieg zum Trendviertel hat auch Schattenseiten.

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          Sylvia Sadlak hat einen Job als Babysitterin, der sie in das Penthouse eines schicken Hochhauses direkt am East River in New York führt. Das Gebäude steht in Williamsburg im Stadtteil Brooklyn, von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick auf die New Yorker Skyline auf der anderen Seite des Flusses. Eine der Penthouse-Wohnungen in dem Haus ist gerade für fast vier Millionen Dollar verkauft worden, eine Drei-Zimmer-Mietwohnung ist für 5000 Dollar im Monat zu haben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die 27 Jahre alte Sadlak kann sich noch gut erinnern, wie heruntergekommen das Areal um den heutigen Luxusturm in ihrer Kindheit war. Hier kam es schon einmal vor, dass jemand einfach sein altes Auto in den East River warf. Ihre Mutter hat sie davor gewarnt, sich überhaupt hierher zu wagen, wegen all der Prostituierten und Drogenhändler, die sich herumtrieben. Diese rauhen Tage sind längst vorbei, denn die Gegend hat ebenso wie die meisten anderen Teile von Williamsburg eine dramatische Transformation durchgemacht. Das einstige Arbeiterviertel ist heute eine Trendadresse, die eine immer wohlhabendere Klientel anlockt. Selbst aus der alten Kirche, wo Sadlak ihre Erstkommunion feierte, sind edle Lofts geworden.

          Sie kennt das Viertel seit ihrer Kindheit - Sylvia Sadlak.

          Es gab einmal Zeiten, da war vielen New Yorkern allein der Gedanke zuwider, den zentralen Stadtteil Manhattan zu verlassen und einen Fuß in andere Bezirke wie Brooklyn oder Queens zu setzen, geschweige denn, dort zu wohnen. Zumindest für Brooklyn gilt das längst nicht mehr, und nirgendwo ist dieser Mentalitätswandel so deutlich zu spüren wie in Williamsburg.

          Rund um die Bedford Avenue, die Hauptader des Viertels, herrscht abends und am Wochenende Hochbetrieb. Während es die Menschen früher von den äußeren Bezirken nach Manhattan drängte, gibt es nun einen umgekehrten Strom, der Menschenmassen nach Williamsburg bringt. Die L-Linie der U-Bahn, die Manhattan mit Williamsburg verbindet, ist chronisch überfüllt. Auch immer mehr Touristen zieht es hierher, darunter viele Deutsche und Franzosen.

          Immer mehr Konzerne zieht es nach Williamsburg

          Wer nach Williamsburg kommt, kann aus einer rasant wachsenden Zahl von Restaurants, Bars und Clubs wählen, auch immer mehr Hotels werden gebaut. Neben den schlichten Wohnhäusern und alten Fabrikgebäuden, die das Bild lange beherrschten, sind riesige Appartementkomplexe aus dem Boden gestampft worden, mit denen die Immobilienbranche auf ein zahlungskräftiges Publikum abzielt. Diese Klientel wiederum lockt auch immer mehr große Konzerne. An der Bedford Avenue wird gerade eine Filiale der Nobel-Supermarktkette Whole Foods gebaut, direkt gegenüber soll angeblich ein Apple-Laden entstehen, und auch der deutsche Autobauer BMW hat in der Gegend Fläche angemietet.

          Williamsburg war früher vor allem für seine Industrie und seine Einwanderer bekannt. Der Deutsche Charles Pfizer gründete hier Mitte des neunzehnten Jahrhunderts den nach ihm benannten Pharmakonzern, bis 2007 betrieb Pfizer in dem Viertel noch ein Werk. Deutsche gehörten allgemein lange zu den stärksten Gruppen in Williamsburg, später prägten Polen, Italiener und Lateinamerikaner das Viertel. Der südliche Teil von Williamsburg wird bis heute von orthodoxen Juden dominiert. Dieser Abschnitt, der gleich hinter dem berühmten Steakhaus „Peter Luger“ beginnt, ist wie eine andere Welt. Hier leben etwa 60.000 Juden, die wenig Kontakt zur Außenwelt pflegen.

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