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Wohnen im Schloss : „Traum und Albtraum zugleich“

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Die Le Siures, stolze Besitzer des romantischen Anwesens im mittelfränkischen Naturpark in Altmühltal. Hier kann Andreas von Le Suire seiner Freude am Werken nachgehen. Bild: dpa

Vom Leben im Schloss träumen viele. Doch die Realität für Schlossbesitzer ist nicht nur Idylle. Eine Home-Story über schiefe Wände, geschichtsträchtiges Gemäuer und ganz viel Platz.

          38 Zimmer, 60 Heizkörper und hektarweise Garten drumherum – so stellt man sich Wohnen in einem Schloss gerne vor. Wenn Baronin Mechthild von Le Suire über ihr Schloss im mittelfränkischen Naturpark Altmühltal spricht, klingt das aber nicht nur nach Luxus. „Es ist Traum und Alptraum zugleich“, sagt die 66-Jährige lachend. Gemeinsam mit ihrem Mann, Baron Andreas von Le Suire, wohnt sie seit vielen Jahren im idyllischen Schloss Altenmuhr - und kennt auch die Tücken, die das Leben in einem Gemäuer aus dem 10. Jahrhundert mit sich bringt.

          Beispielsweise als die Küchenbauer fluchten, weil sie bis Mitternacht damit beschäftigt waren, die Einbauküche maßgerecht an den schrägen Fußboden und die nicht gerade rechtwinkligen Wände anzupassen. „Die haben gescherzt, sie kämen nie wieder“, sagt Mechthild von Le Suire, die früher als Ärztin in München arbeitete. „Gerade ist hier nichts“, musste sie feststellen. So rollen die Bälle des Enkelkinds immer in die gleichen Ecken. Für etliche Tische, Stühle und Schränke mussten kleine Untersetzer gebastelt werden, damit sie nicht wackeln. Das Internet funktioniert in dem dicken Gemäuer nur mit Verstärker.

          Auf den Spuren von Schiller und Räuber Hotzenplotz

          Dafür leben die Le Suires mit Kater Fidi nicht nur in einem romantischen Anwesen, sondern höchstwahrscheinlich auch in einem Stück echter Literaturgeschichte. „Es gibt gute Erkenntnisse dazu, dass Friedrich Schillers „Die Räuber“ einen direkten Bezug zu dem Schloss hat“, so Andreas von Le Suire. Mehrere Literaturwissenschaftler hätten Beweise dafür gefunden, dass Schiller das Schloss als Schauplatz für sein Schauspiel vorschwebte - auch wenn er selbst vermutlich nie vor Ort gewesen ist.

          Aber Filmteams waren schon zu Gast in der Residenz. So war die alte Küche des Gemäuers Drehort für den Kinderfilm „Der Räuber Hotzenplotz“ aus dem Jahr 1974. Noch heute kommen Anfragen von Eltern, deren Kinder „das Hotzenplotzschloss“ einmal sehen wollen, berichtet der Baron.

          Das Schlosserbe angetreten hat Andreas von Le Suire, da ihm das Werkeln große Freude bereitet und er an den vielen Erinnerungen sowie der historischen Bedeutung des Gebäudes hängt. Gerne führt der Schlossherr Interessierte auf Anfrage durch das Anwesen, das sich seit 1840 im Privatbesitz der Familie befindet. Das eindrucksvolle kulturelle Erbe zu erhalten, ist ihm wichtig. „Beim Neu-Verputzen der Wände kam uns eine alte Zeitung von 1860 entgegen“, berichtet er. Zu tun gibt es immer genug. „Im Prinzip ist es eine Dauerbaustelle“, sagt der 67-Jährige. „Aber mir war klar, was es bedeutet, für dieses Schloss die Verantwortung zu übernehmen.“ Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, muss jede größere Arbeit mit der Behörde abgestimmt werden. „Es ist wünschenswert, dass Baudenkmäler genutzt und bewohnt werden“, sagt eine Sprecherin des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Geld aus öffentlichen Fonds zur Restaurierung steht den Le Suires aber nicht zur Verfügung.

          Freude an der Arbeit im Schloss

          Zu Arbeiten wie Instandhaltung und Renovierungen der Räumlichkeiten kommen die monatlich happigen Fixkosten für Wasser, Heizung und Strom. Im Winter beschränken sich die Le Suires auf wenige Räume, um die Heizkosten nicht zu sehr in die Höhe zu treiben. Ob die beiden Kinder Schloss Altenmuhr mal übernehmen wollen, weiß das Ehepaar noch nicht. „Es ist zumindest nicht so, dass sie sagen: „Mit dem alten Kasten will ich mal nichts zu tun haben““, berichtet der Vater. Aber natürlich wisse er auch, dass ein Schloss in der fränkischen Provinz nicht in jede Lebensplanung hineinpasst. Auch seine Frau und er nutzten das Anwesen bis zu ihrer Rente lediglich als Wochenenddomizil abseits ihres Stadtappartements in München.

          Vor allem im Osten Deutschlands zeigt sich mittlerweile das Problem und die Gefahr für alte Gemäuer, wenn sich kein Erbe oder Investor findet und das Land nicht einsteigt: Wegen der Enteignungen 1945 wurde die Erbfolge vielerorts unterbrochen. In Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Hessen sind Burgen und Schlösser zum Großteil immer noch mit viel landwirtschaftlichem Grundbesitz verbunden, der ebenfalls unterhalten werden muss. „Ihr habt doch Platz“, heiße es oft von der Verwandtschaft, wenn mal wieder ein Möbelstück oder ein Bild zwischengelagert werden soll. „Platz ja - manchmal auch zu viel“, laute dann die Antwort, erzählen die Schlossbewohner.

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