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Platzmangel : Ein Hoch auf die kleine Wohnung

  • -Aktualisiert am

Flächenmanagement ist nicht alles: Kleine Wohnungen sind nur dann charmant, wenn sie auch schön sind. Bild: Richard Bryant/Arcaid/laif

Groß kann jeder. Klein ist eine Kunst. Dabei geht es nicht um Verzicht, denn wenig Raum ist ein Genuss – wenn man es richtig anstellt.

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          Am liebsten soll es ein Stadtteil mit Altbauten sein und einem bürgerlichen Milieu, das aber auch hip ist; es soll hier zum Beispiel original-chinesische Restaurants geben und eine Oper und liebevolle Kitas. Der unwahrscheinlich starke Zuzug in solche Gegenden ist daran zu erkennen, dass auf den Spielplätzen so viele Kinder herumspringen wie zur Jahrhundertwende und an jedem Laternenmast Wohnungssuchzettel hängen. Knapp ist leider bloß das Geld. Wer trotzdem ein individualistisches, freies, grünes Leben in der Stadt möchte und „multioptional“ bleiben möchte, wie das Rheingold-Insitut die neue Stadtlust erklärte, hat ein Problem.

          Im Auftrag freundlicher Investoren entsteht zwar in den Hinterhöfen sogenannter Wohnraum in weißen Wohnklötzen aus dünnem Beton und Styroporumhäutung, wofür Preise verlangt werden, die sich nicht mit dem Wert von Beton, Styropor und Boden erklären lassen. Doch nichts ist alternativlos. Die Alternativen heißen: raus aus der Stadt ziehen oder in einer kleinen Wohnung leben.

          Raus aus der Stadt?

          Und das ist die beste Idee! Mit Phantasie lässt sich die kleine Wohnung großartig nutzen. Dabei schließen viele diese Option einfach aus, ohne überhaupt einmal darüber nachgedacht zu haben, wofür eine kleine Wohnung gut sein kann.

          Man braucht nicht einmal so viel Raum, wie einem Hartz-IV-Empfänger gesetzlich zusteht. Zu zweit sollten 50 Quadratmeter genügen, mit zwei Kindern und zwei Erwachsenen sollten 80 Quadratmeter ausreichen; Kinder können sich auch gut ein Zimmer teilen. Sowohl im historischem als auch im internationalen Vergleich ist auch das ein Luxus. In Tokio oder Mombasa wäre es ein Traum für Superreiche, zu viert 80 Quadratmeter zu bewohnen. In Deutschland war es zum Beispiel noch vor 50 Jahren so, dass der mittlere Wohnraum pro Person 22 Quadratmeter betrug, was sich bis heute mehr als verdoppelt hat. In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts galt ein Mehrfamilienhaus mit 88 Quadratmetern für eine achtköpfige Familie noch als komfortabel. Und im Jahr 1907 kam die Stadt München in einer Erhebung auf einen Wohnraum von drei Quadratmetern je Einwohner. In einem einzigen Mietshaus wurden 171 Personen gezählt.

          Aber hier soll gar nicht der Verzicht gepriesen werden. Es geht auch nicht um Postwachstumsideologien, romantische Vorstellungen vom Weniger oder ein Zurück in die vermeintlich urgemütliche Vergangenheit. Nicht um laktosefreies und veganes Wohnen. Denn nichts ist langweiliger als Askese.

          Askese ist langweilig!

          Die kleine Wohnung ist fortschrittlich! Nämlich gehaltvoll und genussreich. Wenn man es richtig anstellt. Es ist dazu erstens unbedingt zu beachten, dass man sich eine schöne kleine Wohnung aussucht. Die hässliche kleine Wohnung ist keinesfalls eine Alternative zum Fortzug in den Vorort. Die kleine Wohnung müsste dazu wahlweise einen schönen oder wunderschönen Ausblick bieten, einen süßen Innenhof, warmen Sandstein, einen sympathischen Balkon oder eine Dachluke, von der aus man der Stadt geheimnisvoll auf die Köpfe schauen kann, unbeobachtet rauchen oder eine Tomatenpflanze großziehen kann.

          Es geht nicht immer um Verzicht: Die kleine Wohnung ist gehaltvoll und genussreich.

          Wenn sie auffindbar und bezahlbar ist, kann die Renovierung beginnen. Hier und jetzt sind Effizienz und Phantasie gefragt. Zunächst geht es darum, jeden Quadratmeter optimal zu nutzen. Das funktioniert je besser, je höher die Decken sind. Praktischerweise wird der Wert des Wohnraums in Quadratmeter Wohnfläche bemessen. Aber eine kleine Wohnung, die 4 Meter hohe Decken hat, ist viel wertvoller als eine mit 2,30 Meter Raumhöhe, denn man kann sie nach oben optimieren. Einbauschränke reichen vom Boden bis unter die Decke und von der Türkante bis zur Wand. Im 4 Meter hohen Altbau fasst so ein Einbauschrank so viel Textil wie drei konventionelle Kleiderschränke; und für Nischen ist ein ausziehbarer Apothekerschrank ein unschätzbarer Gewinn.

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