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Wildblumen : Was früher als Unkraut galt

  • -Aktualisiert am

Der Sonnenhut besitzt jede Menge Leuchtkraft. Bild: ddp Images

Seit natürliche Gartenschönheit gefragt ist, kommt auch manch Unkraut im Beet groß raus. Zu Recht. Die Wildpflanzen sind zwar kleiner, dezenter und zarter als Zuchtblumen, aber nicht weniger schön.

          5 Min.

          Ungefüllte Blüten, feine Ähren von Gräsern und Dolden, die Insekten anziehen – möglichst naturnah sollen Gärten heute aussehen. Fast so, als wären sie ein Stück des Wegrands oder Waldes, wo sich alles von selbst angesiedelt hat. Dennoch sind die Pflanzen, die ins Beet kommen, meist Hybriden, zumindest jedoch Auslesen der wilden Blumen und Kräuter. Oft sind sie größer, bunter, länger blühend als ihre wilden Vorfahren. Dabei sind diese nicht weniger schön. Man muss nur etwas genauer hinschauen.

          Im Wald oder am Wegesrand werden sie geschätzt, doch im Garten ist das so eine Sache. Wachsen wilde Kräuter im Beet, fällt das Urteil meist ungnädig aus: Unkraut! Schnell ist herausgerissen, was auf der anderen Seite des Zauns wegen seines natürlichen Charakters gelobt wird. Denn hier finden sich oft das zartere Blau, die feineren Blüten, die größere Vergänglichkeit, die auch kostbar macht. Manche der Ungezähmten breiten sich natürlich unbändig aus, da ist Vorsicht geboten. Andere wiederum können aber durchaus im Beet stehen bleiben, da sie harmlos sind. Ein bisschen Pflanzenkenntnis ist also vonnöten, wenn man sich mit den wilden Schönheiten einlässt.

          Einzigartig

          Die Wegwarte (Cichorium intybus), die derzeit noch vielerorts blüht, wächst zwar etwas sparrig, doch hat sie ein einzigartiges Blau. In manchen neu eingesäten Blumenwiesen findet man sie ebenso wie am Wegesrand. Kaum zu glauben, dass aus ihr der Chicoree gezüchtet wurde und aus ihren Wurzeln Kaffee hergestellt werden kann.

          Eine ähnlich bezaubernde Farbe hat der Natternkopf (Echium vulgare), der sich gerne auf Freiflächen ansiedelt. Die Pflanze wirkt oft etwas struppig, doch das tiefe Blau ihrer Blüte, das ins Violett verläuft, macht alles wett.

          Der Gemeine Natternkopf verfügt über ein einzigartiges Blau.

          Kleine violette Blüten mit dunklen Spitzen hat der Erdrauch (Fumaria officinalis) zu bieten. Seit Mai sprießt er und kann im Frühling im Gemüsebeet durchaus zunächst mit Möhrengrün verwechselt werden. Doch dann bekommt diese zarte Pflanze ihre ungewöhnlichen Blüten. Da sie nicht sehr ausbreitungsfreudig ist, darf sie ruhig einen Platz im Beet bekommen.

          Auch Spitzwegerich (Plantago lanceolata) lässt sich gut in Schach halten. Dieses so unscheinbare Kraut hat auf seinen langen Stängeln Blüten mit einem Kranz weißer Staubfäden und trägt, ähnlich wie Gräser, entscheidend zum natürlichen Charakter eines Beetes bei. Mancherorts wird es von Gärtnern bewusst in Pflanzungen integriert, etwa in Wisley, dem Garten der Britischen Gartengesellschaft, der Royal Horticultural Society.

          Wie kleine Ballons wirken die Blüten des Aufgeblasenen oder Gewöhnlichen Leimkrauts (Silene vulgaris). Sie sitzen von Mai bis September grazil an feinen Stängeln und kommen an trockenen, eher mageren Standorten vor dem Blattgrün anderer Pflanzen besonders gut zur Geltung.

          Kratzbürstig

          Kugeldisteln (Echinops sphaerocephalus) und Elfenbeindisteln (Eryngium giganteum) haben es bereits geschafft: Gerne werden sie, ihrer interessanten Formen wegen, in Staudenbeete gepflanzt. Die Kugeldistel schon seit einigen Jahrhunderten – bei der blaugrauen Form, die sich in unseren Breiten in der Natur findet, handelt es sich sogar um aus den Gärten verwilderte Pflanzen, denn eigentlich stammt sie aus dem Süden. Auch Wilde Karden (Dipsacus fullonum) sind in den Gärten auf dem Vormarsch.

          Wie kleine Ballons wirken die Blüten des Aufgeblasenen oder Gewöhnlichen Leimkrauts.

          Die Natur hat freilich noch viele andere schöne Disteln zu bieten, denen ein Platz gebühren könnte. Die Ackerdistel (Cirsium arvense) ist zierlich und blüht in hellvioletten Puscheln, die süß duften. Doch Vorsicht: Einmal im Beet, wird man sie nicht wieder los. Die Kratzdistel (Cirsium vulgare), in Schottland sogar Nationalblume, ist etwas voluminöser, lässt sich durch sorgfältiges Ausstechen aber eindämmen.

          Interessant für den Garten wegen ihres auffallend gezeichneten Laubes ist die Mariendistel (Silybum marianum). Sie stammt ursprünglich aus dem mediterranen Raum, wird wegen ihrer medizinischen Wirkstoffe aber inzwischen auch hierzulande angebaut. Am imposantesten ist jedoch die silbrige Eselsdistel (Onopordum acanthium), die am warmen, trockenen Ort bis zu drei Meter hoch und sehr raumgreifend werden kann – eine Präsenz im Beet, die man schon mögen muss.

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