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Wildblumen : Was früher als Unkraut galt

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Doldig

Dunkler Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris ‚Ravenswing‘) und Großblütige Strahlendolden (Orlaya grandiflora) dürfen heute in keinem Garten mehr fehlen. Ersterer ist eine dunkle Form des gewöhnlichen Wiesenkerbels, Zweiteres eine Blume, die in Deutschland als vom Aussterben bedroht gilt. Wie gut, dass es Saatgut zu kaufen gibt. Doch auch andere Dolden können in den Garten geholt werden. Engelwurz (Angelica archangelica) ist eine der imposantesten Pflanzen, die am richtigen – feuchten – Standort bis zu drei Meter hoch wird. Für schattige Grundstücke eignet sich der etwas niedrigere Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris). Fast genauso groß, aber deutlich zierlicher ist der Quirlige Haarstrang (Peucedanum verticillare). Heimisch ist er in Österreich, als Staude aber auch für den eigenen Garten erhältlich.

Einen komischen Namen, unangenehmen Geruch, dafür aber unschlagbar schöne Blüten im Mai und Juni hat der Behaarte Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum), der ebenfalls feuchten Boden mag. Es gibt auch eine rosafarbene Auslese. Mit zartem Laub im Frühjahr beginnt die Kaschmirdolde (Selinum wallichianum), blüht dann bis in den September hinein. Vorsicht, sie sät sich gerne selbst aus. Auch eines der ungeliebtesten Unkräuter, der Giersch (Aegopodium podagraria), blüht in grünlich-weißen Dolden. Und er hat durchaus Vorteile zu bieten: Gibt es eine halbschattige Ecke im Garten, ist er der optimale Bodendecker mit zartem Grün im Frühjahr, das sogar essbar ist. Nur ins Staudenbeet sollte er nicht wandern.

Wilde Verwandtschaft

Der wohl bekannteste Storchschnabel, Geranium ‚Rozanne‘ ®, blüht leuchtend blau und extrem lange, bis in den November hinein. Ein wenig zurückhaltender ist sein wilder Verwandter, der Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense): Seine Blüten zeigen sich von Juni bis August, dafür scheint sein etwas helleres Blau jedoch direkt vom Himmel geholt. Sind die Kultursorten schon robust, so wächst dieser wirklich fast überall und kann auch aus Samen gezogen werden.

Feld-Rittersporn, besonders beliebt wegen seiner prachtvollen Blütenstände.
Feld-Rittersporn, besonders beliebt wegen seiner prachtvollen Blütenstände. : Bild: Picture-Alliance

Sonnenhüte in allen Formen und Farben sind derzeit die Modepflanzen schlechthin. Die beliebtesten Garten-Rudbeckien sehen samtig aus, haben reiche, große Blüten in Gelb- und Rosttönen. In der Natur zu finden ist der zierlichere, leuchtend gelbe Schlitzblättrige Sonnenhut (Rudbeckia laciniata), dessen Blüten ein gelbgrünes Zentrum haben. Er stammt, wie alle Sonnenhüte, aus Nordamerika, ist aber bei uns längst verwildert und eingebürgert und wächst auf feuchten Böden und in lichten Wäldern. In den Garten gehört er nur unter Aufsicht, denn er verbreitet sich schnell.

Auch bei den Echinaceen sind die Wildformen deutlich zierlicher als das, was Züchter hervorgebracht haben: Der Blasse Sonnenhut (Echinacea pallida), ebenfalls in Nordamerika heimisch, zeichnet sich durch hell rosafarbene, herabhängende Blütenblätter aus. Auf den ersten Blick ist er unscheinbar, doch in Kombination mit Gräsern sorgt er für ein edles, charaktervolles Bild. Der Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) ist etwas kräftiger in Form und Farbe, doch immer noch dezent im Vergleich zu manchen poppig-bunten Hybriden.

Der Rittersporn, im Bauerngarten beliebt wegen seiner prachtvollen Blütenstände, hat wilde Familienangehörige in den verschiedensten Regionen. Die meisten Hybriden gehen auf den unter anderem in den Alpen zu findenden Hohen Rittersporn (Delphinium elatum) zurück. Einst überall verbreitet, inzwischen jedoch als bedrohte Art eingestuft ist der Ackerrittersporn (Consolida regalis). Er hat tiefviolette Blüten, die lockerer stehen als bei den Zuchtformen, dafür viel graziöser und verspielter wirken.

Die einheimische Acker-Wittenblume hat helllila Blüten im Vergleich zur purpurroten Mazedonischen Witwenblume.
Die einheimische Acker-Wittenblume hat helllila Blüten im Vergleich zur purpurroten Mazedonischen Witwenblume. : Bild: YourPhotoToday/PM

Ebenfalls auf offenen Flächen wie Feldern wächst die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis). Diese einheimische Form hat helllila Blüten im Vergleich zur purpurroten Mazedonischen Witwenblume (Knautia macedonia), die derzeit ebenfalls zu den Modepflanzen gehört. Auf feuchten, moorigen Böden wächst der ähnlich aussehende Teufelsabbiss (Succisa pratensis). Bevor sich die Knospen öffnen, gleicht die Blüte einer blauen Beere. Je länger sie geöffnet ist, umso heller wird sie.

Nass mag es auch die Sumpf-Iris (Iris pseudocarus), die im Mai und Juni dottergelb blüht. Trockener steht die blaue Wieseniris (Iris sibirica). Zwar sind sie im Vergleich zu den pompösen Bart-Iris-Hybriden kleiner und weniger dramatisch, sie kommen ohne Farbverläufe oder Rüschen aus. Doch sprechen ihre klaren Blütenformen, wie bei den meisten Wildpflanzen, für sich.

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