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Wildobst im Garten : Herbe Früchtchen

  • -Aktualisiert am

Verspricht herben Genuss: Kornelkirsche (Cornus mas) Bild: imagebroker/Justus de Cuveland

Wildobst liegt im Trend. Begehrt sind Pflanzen wie Felsenbirnen und Kornelkirschen, denn sie versprechen Genuss und Gutes für die Umwelt.

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          Orangefarben leuchten die Beeren der Ebereschen in Hecken und an Waldrändern. Die Schlehen brauchen noch ein paar Wochen, ehe sie schwarz und reif werden. In den Hausgärten haben Zierquitten ihre gelben Früchte gebildet, die Berberitzen längliche rote Beeren bekommen. Lange Zeit unbeachtet und den Tieren überlassen, sind Früchte wie diese inzwischen heiß begehrt. Zwar sind sie meist klein, säuerlich, oft sogar bitter im Vergleich zum Obst vom Marktstand. Doch nie haben Hausbesitzer so viele Zieräpfel und Felsenbirnen in ihre Gärten gepflanzt, nie gab es so viele Auslesen wilder Sorten wie heute.

          Das passt zur großen Sehnsucht nach der möglichst unberührten Natur, nach dem Ursprünglichen, die viele Städter heute antreibt, sei es beim Gärtnern oder beim Kochen. Wer Wildobst pflanzt, will oft auch dem Ökosystem etwas Gutes tun: Die Pflanzen sind robust, gedeihen bestens ohne Schutzmittel, und im Winter ernähren sich die Vögel von den Beeren. „Aber wir sind auch auf der Suche nach neuen, intensiven Geschmäcken“, sagt Helmut Pirc. Der Wiener ist Dozent an der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Schönbrunn und beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit diesen Nutzpflanzen. Moosbeeren, Traubenkirschen oder Ölweiden geben Marmelade, Kompott oder Likör herbe, unvertraute Aromen. Viele gelten darüber hinaus als äußerst gesund wegen ihrer Inhaltsstoffe.

          Schlehdorn (Prunus spinosa) Bilderstrecke
          Schlehdorn (Prunus spinosa) :

          Wildobstgehölze wie Kornelkirschen, Mehlbeeren oder der Speierling sind bei uns heimisch, wurden schon immer vom Menschen genutzt - manche mehr, manche weniger. Viele sind in Vergessenheit geraten, zu klein die Erträge, zu mühsam die Ernte. Zwar sind die meisten zu weit verbreitet, um als vom Aussterben bedroht zu gelten. Doch landes- und bundesweit hat man bereits ein Auge auf diese Sorten, denn sie bilden forstgenetische Ressourcen: Bestände werden dokumentiert, Projekte zum Erhalt der Artenvielfalt gefördert. Es besteht die Gefahr der genetischen Veränderung, etwa wenn Hybriden aus Wild- und Kulturäpfeln entstehen. Das genetische Potential soll jedoch erhalten bleiben. Aber nicht nur die einheimischen Gehölze - übrigens auch Nüsse - fallen unter den Begriff Wildobst.

          Er umfasst auch Pflanzen, die ausgelesen oder züchterisch bearbeitet wurden, ebenso solche aus anderen Breiten. Manche - etwa die Holundersorte ’Haschberg‘ - werden sogar erwerbsmäßig angebaut. „Sobald sie gezüchtet oder veredelt worden sind, sind es strenggenommen natürlich keine Wildpflanzen mehr“, sagt Pirc. Doch helfen die Züchter der Annäherung zwischen Natursuchern und den herben Früchten auf die Sprünge. Auslesen von Mispeln, etwa die Sorte ’Holländische Großfrüchtige‘, sind doppelt so groß wie ihre wilden Verwandten. Bei der Kornelkirschen-Sorte ’Jolico‘ ist es ähnlich, und die Felsenbirne ’Ballerina‘ trägt besonders viele Früchte. Die Züchter, vor allem in Osteuropa, Frankreich und Italien, sind nicht müßig: In den nächsten Jahren sollen laut Pirc noch weitere vielversprechende Sorten auf den Markt kommen.

          Den Ertrag eines Apfelbaumes oder das liebliche Aroma einer süßen Himbeere darf zwar nicht erwarten, wer Wildobst pflanzt. Doch ist die Versuchung groß, es zu probieren. Und wer nicht auf den Geschmack kommt, überlässt die Früchte einfach den Tieren.

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