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Provisorische Einrichtung : Die Unvollendeten

Solange nichts Besseres zur Hand ist, spielen die Obstkisten eben Beistelltisch. Bild: Sigrid Olsson/PhotoAlto/laif

Erst Notlösung, dann Dauerzustand: Warum viele Menschen an ihrer provisorischen Einrichtung festhalten.

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          Das neue Jahr beginnt mit einem Frühstück am alten Esstisch. Eigentlich sollte dort schon im alten Jahr ein neuer stehen, statt des Stahlrohr-Gestells, auf das die Tischplatte nur aufgelegt ist, weswegen sie immer verrutscht, wenn sich jemand zu sehr aufstützt. Kein Abendessen mit Gästen, die zum ersten Mal zu Besuch sind, ohne Warnung vor dem Kippeffekt, und den inneren Schwur, sich in diesem Jahr aber wirklich einen neuen Tisch anzuschaffen.

          Judith Lembke
          Redakteurin im Ressort „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jetzt ist dieses Jahr schon wieder das alte, und der Esstisch, der eigentlich ein zweckentfremdeter Schreibtisch ist, hat wieder überlebt. Genauso wie die Glühbirne im Arbeitszimmer, die kahle Wand im Flur und das Gerümpel im Keller, das schon längst auf dem Sperrmüll landen sollte. Lauter Provisorien, geschaffen für einen Moment des Übergangs, um schnell Licht oder Platz zu haben, bis endlich eine langfristige, gute Lösung gefunden ist.

          Vor allem der Esstisch ist mittlerweile ein Klassiker auf der jährlichen „Wohnungsvorhaben für das nächste Jahr“-Liste. Doch je länger er dort seinen Platz behauptet, desto unmöglicher scheint es, sich für einen Ersatz zu entscheiden. Rechteckig oder oval, massiv oder zierlich, zum Ausziehen oder gleich für zwölf Personen? Jede Option wurde schon geprüft, entschieden und wieder verworfen, so dass am Ende doch alles beim Alten geblieben ist. Der Esstisch, der den kippligen Ex-Schreibtisch einmal ablösen wird, muss schon wirklich außergewöhnlich sein, schließlich musste er sich im jahrelangen Wettbewerb gegen eine fast unendliche Konkurrenz durchsetzen.

          Emotionale Bindung an die eigene Wohnung

          Wohnprovisorien sind hartnäckig. Dummerweise verhält es sich mit ihnen wie mit den alten Gäulen beim Ponyreiten - sie entwickeln offenbar umso mehr Beharrungsvermögen, je länger man sie gewähren lässt. Keine private Silvesterparty ohne den leicht genervten Blick des Gastgebers auf Stühle, Tisch oder Küchenschränke und den Satz: „Die wollten wir doch eigentlich auch schon längst ausgetauscht haben.“ Die meisten Gäste nicken dann verständnisvoll, doch einige runzeln auch die Stirn. Das sind diejenigen, die niemals eine „Wohnprojekte fürs nächste Jahr“-Liste erstellen, weil sie alle „Wohnprojekte“ schon vier Wochen nach dem Einzug abgeschlossen haben - samt Deko-Vase im Regal.

          Psychologen beschreiben das Einrichten der Wohnung als einen „Aneignungsprozess“: Indem neutrale Räume mit dem eigenen Leben gefüllt werden, entsteht ein persönlicher Lebensraum. Mit jedem Möbelstück, das aufgebaut, und jedem Foto, das aufgehängt wird, verstärkt sich die emotionale Bindung an die neue Wohnung, sie wird ein Zuhause. „Die Personalisierung des Wohnraums ist ein universelles Bedürfnis“, sagt der österreichische Wohnpsychologe Harald Deinsberger-Deinsweger. Menschen aller Kulturen und Schichten wollten ihren Lebensraum selbst gestalten, egal ob Höhle oder Hochhaus.

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