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Lust und Last : Wie kann es sein, dass Wien die lebenswerteste Stadt ist?

Bild: AFP

Teures Essen, ständiger Wind, nichts als Baustellen: Wien wurde zur lebenswertesten Stadt der Welt erklärt. Wie kann das sein?

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          Nicht jedermanns Sache ist die österreichische Hauptstadt Wien. Da geht den ganzen Tag der Wind. Nix als Baustellen, so dass kein Mensch was findt. Die Burenhäutl’n (eine Wurstspezialität) sind ein Graus und im Kaffeehaus brennst dich aus (wirst du arm). So oder phonetisch so ähnlich klagen in einer verschütteten Perle des Austropop drei Buben aus der Steiermark, die nur noch heim nach Fürstenfeld wollen. Jede dieser Zeilen, auch wenn sie bald vierzig Jahre alt sind, ist auch heute noch wahr. Und doch wird Wien Jahr für Jahr in allen möglichen Ranglisten zur lebenswertesten Stadt der Welt erklärt. Jetzt hat die britische Zeitung „The Economist“ 140 Metropolen verglichen und kam zu demselben Schluss: Wien vor Melbourne und Osaka, mit immerhin 99,1 von 100 Punkten.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Wie kann das sein? Wenn man beispielsweise den Wind nimmt, der beständig über den Wienerwald in die pannonische Ebene gesogen wird, so kann der im Februar oder November scheußlich sein. In den heißen Monaten des Jahres, und davon gibt es dank des Klimawandels ja immer mehr, ist er aber sehr wohltuend.

          Die Baustellen sind lästig, aber immerhin meistens ordentlich geplant und termingerecht abgeschlossen, so wie diesen Sommer auf einer der wichtigsten U-Bahn-Strecken; die Berliner S-Bahn ist dagegen ein ewiges Ärgernis, und eine Erwähnung des Berliner Flughafens garantiert in Österreich schadenfrohe Lacher. Die Burenwürste sind mit nichts zu rechtfertigen, außer vielleicht mit viel Senf; aber es gibt schon auch noch Anderes zu essen, und dabei erwähnen wir hier nicht einmal das Schnitzel.

          Essen ist freilich teuer, gerade auch im Kaffeehaus, das stimmt. Aber das spielt für Musiker vom Lande, die auf der Kärntnerstraße ihren Hut aufs Pflaster stellen, eine größere Rolle als für die Zielgruppe, für die Städte-Ranglisten erstellt werden. Die interessiert sich für Weltklassekunst auf Bühnen und in Orchestergräben, die es in Wien reichlich gibt, oder für die Herzchirurgie im AKH. Auch kann man tatsächlich zu jeder Uhrzeit durch jede Straße gehen, ohne Schlimmes befürchten zu müssen. Doch, Wien ist lebenswert. Es wäre es sogar noch mehr, wenn die Wiener selbst nicht ständig darauf zu sprechen kämen.

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