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Königin mit Gefolge : Wie Rosen im Beet richtig zur Geltung kommen

  • -Aktualisiert am

In wilder Begleitung: Das Rosarium in Ippenburg verwebt die Rose in einen bunten Teppich aus Blüten, Blättern und Stielen. Bild: Ferdinand von Luckner

Rosen sind keine Einzelgängerinnen. Die Lady unter den Blumen liebt die gute Nachbarschaft – und braucht vor allem die richtige Pflege.

          Schwester Elizabeth steht mitten in einem bunten Beet. Die Englische Rose, eigentlich ,Sister Elizabeth‘, hat dichtgefüllte rosa Blüten. Fast verschwinden sie im dunklen Laub des Fingerhut-Bartfadens, dessen längliche Glöckchen den gleichen Farbton wie die Rose haben. Daneben wächst luftiges Argentinisches Eisenkraut in die Höhe: Seine violetten Blütenbüschel ergänzen das Ensemble.

          Schwester Elizabeth mag der Star sein. Doch wäre sie ohne ihre Mitspieler in diesem Beet nur halb so geheimnisvoll und schön. Ähnlich ergeht es der ,Lady of Shalott‘. Die Dame, die nach einer Ballade des britischen Dichters Alfred Tennyson im Turm sitzt und die Welt in einen Teppich webt, ist Namensgeberin einer blass orangefarbenen Rose. In der falschen Umgebung könnte sie schnell kitschig wirken. Doch wenn ihr Fingerkraut und Fingerhut zur Seite stehen, ein Scheinsonnenhut in Apricot und als Kontrast ein dunkellila Steppen-Salbei, wird die Lady selbst hineingewebt in einen wundersamen Teppich aus Blumen.

          Rosen haben gerne Nachbarn um sich

          Stolz wird den Rosen nachgesagt. Als edel, aber kapriziös gelten die Pflanzen. Als Diven. Dabei sind sie so, wie sie sind, oder vielmehr: wie sie erschaffen wurden von Züchterhand. Natürlich wachsen sie nicht immer und überall – humoser, eher feuchter Boden ist ihnen am liebsten, dazu ein frisches Lüftchen. Manche brauchen Kammerzofen, die sie hegen, von Raupen und Blattläusen befreien und vor Sternrußtau schützen. Die Schönheit der Rosen kommt vor allem durch gute Pflege zur Geltung, denn ohne Rückschnitt verlieren sie oft an Form und Blütenfülle. Davon abgesehen, sind sie aber ganz gesellige Pflanzen, die gerne Nachbarn um sich haben. Das unterschätzt, wer sie als einzelgängerische Diva inszeniert.

          „Ton in Ton schafft Akkorde. Aber Kontraste sind auch faszinierend.“ Bilderstrecke

          „Die Rose fasziniert mich, weil sie eine lange Geschichte hat. Aber es ist auch eine Geschichte von spießigen Rosarien, von elenden Solitärrosen auf geharkter Erde“, sagt Viktoria Freifrau von dem Bussche. Damit will sie aufräumen und „konsequent eine neue Geschichte erzählen“. Das tut die Gärtnerin in langen Beeten, auf denen sich die Rosen eines Jahrgangs mit Pflanzen wie Salbei und Akelei, Sterndolden und Ehrenpreis verweben. Vor drei Jahren hat die Freifrau in Ippenburg ein Rosarium gegründet, in dem sie moderne Rosen, gezüchtet ab dem Jahr 2000, in bunter Nachbarschaft präsentiert.

          Die ausgeklügelten Pflanzpläne mit Stauden und Einjährigen stammen von der Münchener Landschaftsarchitektin Ursula Gräfen. Diesen Sommer stehen die Beete noch in voller Pracht und können beim Ippenburger Sommerfestival (vom 17. bis 19. Juni) besichtigt werden. Dann gehen die Rosen an die Landesgartenschau Bad Iburg 2018. Viktoria von dem Bussche gibt den Staffelstab weiter an ihren Sohn Viktor und Schwiegertochter Deborah – sie werden künftig die bisher von ihr organisierten Festivals übernehmen. Das arbeitsintensive Rosarium will sie ihnen jedoch nicht zumuten.

          „Kontraste sind faszinierend“

          Eine Rose wird so viel schöner in Begleitung, hat sie über die Jahre immer wieder festgestellt. „Nehmen Sie eine altmodische gefüllte Rose. Ohne etwas anderes würde sie langweilen, wäre ,too much‘. Umgeben Sie sie aber mit einem Chaos von Wildheit, entsteht etwas Spannendes!“ So sind zum Beispiel die hell fliederfarbene ,Novalis‘® und die Strahlendolde (Orlaya grandiflora) Traumpartner im Beet. Teppiche aus Blüten, Blättern und Stielen möchte Viktoria von dem Bussche weben, mit hochwachsenden, aufstrebenden Gewächsen wie den Bartnelken als Kettfäden und weichen, doldigen, verzweigenden Pflanzen als Schussfäden. „Astrantia, die Sterndolde, hat zum Beispiel beides, die starren Stängel und die verwebenden Blüten.“

          Mit der Rose kann gearbeitet werden, sagt die Expertin. Im Zusammenspiel mit den umgebenden Pflanzen entstehen ganz unterschiedliche Bilder. „Unterstützen Sie, oder brechen Sie. Arbeiten Sie Ton in Ton, das schafft unglaubliche Akkorde. Aber Kontraste sind auch faszinierend.“ Nicht nur Farbkontraste. Werden kühle, stolze Rosen mit straffen, aufrechten Stauden und Gräsern kombiniert, entsteht eine Spannung im Beet. Weiche, wild anmutende Pflanzen wie die Knorpelmöhre oder der Silberdill (Ammi majus, Ammi visnaga) – liebevoll Ammi genannt – erzeugen eine ganz andere Stimmung.

          Edles kann durchaus neben Rauhes wie die Elfenbeindistel (Eryngium giganteum) gepflanzt werden oder neben Gewagtes wie die zinnoberrote Scharlach-Lichtnelke (Lychnis chalcedonica), die auch als Brennende Liebe bekannt ist. „Oder nehmen Sie Allium sphaerocephalon, den Trommelstock-Zierlauch. Der hat was richtig Chaotisches“, schwärmt von dem Bussche. Wichtig sei es, einen Rhythmus zu schaffen. Wiederholungen im Beet. Ein Thema: Dur oder Moll, kalt oder warm? Harmonie oder Reibung? „Probieren Sie es aus.“

          Vielerlei Pflanzen eignen sich für so ein Rosenbeet. „Besonders gerne verwende ich Ammi und Frauenmantel. Katzenminze, Nelkenwurz, die Schokoladenblume, geht alles. Salbeiarten in allen Formen – daran könnte ich mich weiden!“ Weniger geeignet für das Blütengewebe ist übrigens der immer gerne empfohlene Lavendel: Er braucht eigentlich ganz andere Standortbedingungen als die Rose. Iris und Gladiolen passen wegen ihrer Anmutung nicht hinein. „Auch Dahlien nur bedingt – wenn, dann muss man die Spannung mit Ammi auflösen.“ Zu Viktoria von dem Bussches absoluten Lieblingsblumen gehört das Löwenmäulchen: „Aber es muss groß wachsen.“ Denn wenn eines gar nicht geht neben den Ladies und Schwestern, dann sind es kleine, gestauchte Balkonblumen. In diesem Teppich haben sie nichts verloren.

          Passende Begleiter

          Die Vertikalen: Blutweiderich (Lythrum salicaria), Bartfaden (Penstemon): Sie eignen sich für besonders kräftige Rosen oder solche mit Blütenbüscheln.

          Die Kräftigen: Artischocken (Cynara cardunculus), Federmohn (Macleaya), Fackellilien (Kniphofien) oder Wolfsmilch- gewächse (Euphorbien).

          Die wild Anmutenden: Nelkenwurz (Geum), Knorpel- möhre (Ammi majus), Strahlendolde (Orlaya grandiflora).

          Die Grazilen: Frauenmantel (Alchemilla mollis), Storchschnabel (Geranium), Witwenblume (Knautia macedonia).

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