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Pflanzen aus dem Süden : Umzug ins Winterquartier

  • -Aktualisiert am

Topfpflanzen auf dem Weg in ihr Winterquartier Bild: Hans Reinhard

Die meisten südlichen Pflanzen vertragen Kälte besser als gedacht. Oftmals werden die Balkonlieblinge jedoch falsch behandelt. Ein paar Dinge, die man beachten sollte.

          5 Min.

          Wofür ein Stück Kaninchendraht nicht alles gut ist. Im Sommer hielt er, zu einem Ring geformt, eine Pfingstrose im Staudenbeet in Schach. Nun bekommt er einen Winterjob: Er umhüllt mittlerweile den Kübel des jungen Olivenbaums, der auf der Terrasse der Kleingartenlaube steht. Etwa zehn Zentimeter Raum sind freigelassen zwischen Draht und Topf. Die Lücke füllt trockenes Herbstlaub. Rainer Gesell schwört auf das einfache Zwiebelsystem. Die äußere Schicht wird im Winter den Kübel und die Olivenwurzeln vor Frost schützen. Kübel und Draht stehen jetzt auf einer Styroporplatte, das ist gut gegen die Bodenkälte.

          Gerade hat Gesell das Vorgehen telefonisch erklärt, schon ist es im eigenen Garten umgesetzt. Spielend leicht. „Nehmen Sie später Eichenlaub“, rät der Fachmann aus Frankfurt. „Eichenblätter haben eine feste Struktur.“ Zwischen ihnen entstehen viele Luftkammern, die dämmen gut. Der Winter kann kommen, und selbst wenn es gar keine Minusgrade geben sollte: Schaden tut der Kranz aus Naturmaterialien auch nicht.

          Wegen dieser Art von Tipps ist Gesell ein gefragter Mann. Er ist spezialisiert auf subtropische Pflanzen, vor 15 Jahren hat er einen Garten mit Palmen, Bananen und anderen Exoten im „Nizza“ am Frankfurter Mainufer angelegt. Dort wachsen seine Pflanzen mit ihren Wurzeln in der Erde, nicht nur im Topf. Bei öffentlichen Führungen zeigt er unter anderem, wie er sie im Frankfurter Winter schützt.

          Pflanzen lieber länger draußen lassen

          Oleander, Oliven, Zypressen oder auch Bananenstauden in Kübeln stehen auch in unseren nördlichen Gefilden auf Terrassen, in Dachgärten und schmücken auf Bürgersteigen die Eingänge kleiner Boutiquen. In milden Ecken Deutschlands wie im Westen oder Südwesten wachsen sie im Erdreich. Doch spätestens im Herbst kommt die Frage auf, wie man sie gut durch die kalte Jahreszeit bringt. Gesell rät grundsätzlich: Keine Eile! Schon gar nicht bei Kübelpflanzen, die beweglich sind. Wer seine subtropischen Pflanzen übervorsichtig behandle und zu schnell hereinhole, schade ihnen im Zweifelsfall nur.

          Das Motto heißt „draußen lassen“. Selbst Oleander, der ganz gewiss nicht winterhart ist, also keine Minusgrade verträgt, sei nicht so zartbesaitet, wie mancher denke, stellt der Fachmann klar. Bis zur Frostgrenze könne er draußen bleiben. „Man sollte ihn so spät wie möglich hereinholen und so früh wie möglich wieder ins Freie bringen“, rät Gesell. Denn steht Oleander zu lange im Warmen, drohe ein Schildlausbefall. Die beste Stärkung der Pflanze im Winter sei immer noch viel Tageslicht, sagt auch Dominik Große Holtforth, passionierter Gärtner aus der Nähe von Köln, der eine Internetseite über südeuropäische Pflanzen und ihre Pflege betreibt (mein-mediterraner-garten.de).

          Nicht jede Pflanze eignet sich für Experimente

          Auch Große Holtforth rät davon ab, zu zimperlich zu sein. Am besten sei ohnehin, nur junge Pflanzen in unseren Breiten aufzuziehen, sagt er. „Und die akklimatisieren Sie dann von Winter zu Winter immer ein wenig mehr und gewöhnen sie an niedrige Temperaturen.“ Allerdings: Nicht jede Pflanze eignet sich für Experimente. Oliven, Feigen, Zypressen und Hanfpalmen etwa sind bedingt winterhart, ein kurzer Frost schade nicht, sofern die Pflanzen etwas geschützt würden und kein Dauerfrost herrsche.

          Dagegen warnt Große Holtforth vor Versuchen mit Zitrusbäumen, Bougainvillea und Agapanthus, die definitiv keine Kälte vertragen. Sie müssen rechtzeitig in ihr Winterquartier umziehen, einen Raum, der zwischen fünf und zehn Grad kalt und hell ist. Aber Vorsicht: Ein unbeheiztes Schlafzimmer sei meistens nur ein vermeintlich kühler Ort - zwar gefühlt kalt für den Menschen, doch für Pflanzen viel zu warm, stellt der Kenner klar.

          Wenn sie warm stehen und dabei auf Dauer zu wenig Licht haben, gehe es schief, warnt Große Holtforth. „Dann werfen sie regelmäßig die Blätter ab.“ Oft steuern die Besitzer mit starkem Gießen dagegen, was jedoch falsch sei. Mediterrane Pflanzen gehörten in ein kühles Treppenhaus, wenn sie denn überhaupt hereingeholt werden müssten, oder in einen kalten Flur, und dort immer direkt ans Fenster.

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