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Holzmöbel mit Gütesiegel : Nachhaltigkeit aus nächster Nähe

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„Was nicht zu verarbeiten ist, landet dort“, sagt Nissing und zeigt lächelnd auf den wärmenden Ofen: „Wir versuchen, die lokale Ressource möglichst umfassend und sinnvoll auszuschöpfen.“ Nachhaltigkeit von Stadtwaldholz kommt ohne erhobenen Zeigefinger oder Missionierungsanspruch daher. Viele ältere Kunden kämen vor allem wegen des lokalen Bezuges, sagt Röser. Nachhaltigkeit sei für sie nur ein willkommenes Extra. Eines, das einen vagen Begriff im wahrsten Sinne des Wortes greifbar macht, wenn man über die hölzernen Oberflächen streicht.

Holz könne das individuelle Wohlbefinden steigern und die Gesundheit fördern, betont Helmut Haybach. Das gelte nicht nur für Möbel: Ein Fußboden aus Massivholz etwa sei gut für eine ausgleichende Luftfeuchtigkeit. Haybach sieht in der Wohngesundheit einen zentralen Aspekt der Nachhaltigkeit. Von Dogmatismus rät er jedoch ab. Nicht alles aus der Natur sei automatisch gesund: „Es gibt keinen natürlichen Stoff, der nicht auf den Menschen wirkt.“ Harze aus Nadelbäumen etwa könnten bei extrem sensiblen Menschen Allergien auslösen.

Auch von Vorurteilen gegenüber oft verpönten Spanplatten hält Haybach wenig. Schließlich werde in ihnen das verwertet, was nicht zu Massivholzmöbeln verarbeitet werden kann. In oberflächlichem Aktionismus sieht auch Röser keine Lösung: „Einen intakten Tisch mit Resopal-Platte wegzuwerfen, um sich einen neuen aus Massivholz zu kaufen, ist nicht nachhaltig.“ Ist der alte Tisch wirklich nicht mehr zu gebrauchen und ein neues, nachhaltiges Produkt muss her, sollte das vor allem langlebig sein. So wie Kinderbetten, die bis ins Studentenalter mitwachsen können, oder Tische, die sich ausziehen und umbauen lassen.

„Ich habe großes Vertrauen in die Verbraucher“

Steht ein Kauf an, können Gütesiegel wie das „Goldene M“ der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel e.V. (DGM) und das „Siegel für guten Wald und gutes Holz“ des Forest Stewardship Council (FSC) helfen. Viele kleine Handwerksbetriebe aber arbeiten ohne solche Zertifikate. „Oft produzieren sie gar nicht in den seriellen Dimensionen, die es für die Verleihung eines Siegels braucht, sondern fertigen individuell an“, erläutert Haybach. Er weist auf die Umweltgemeinschaft im Tischlerhandwerk hin, eine Vereinigung von Handwerksbetrieben in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen, und deren Richtlinien für „Grüne Möbel“. Diese fördern die Wohngesundheit, sind lange nutzbar und aus Hölzern aus nachhaltiger Forstwirtschaft gefertigt.

Sabine Röser nennt noch ein Problem: „Eine Zertifizierung muss jährlich, manchmal auch alle zwei Jahre erneuert und bezahlt werden. Kleine Betriebe können das kaum finanzieren.“ Der Tischler um die Ecke arbeite also womöglich viel nachhaltiger, als man aufgrund der Abwesenheit von Siegeln und Zertifikaten annimmt. Da hilft nur eins: nachfragen. „Ich habe großes Vertrauen in die Verbraucher und, dass sie sich auch selbst informieren“, sagt die Architektin. Wer sich an sie wendet, bekommt eine klare Antwort: „Wir haben ein eigenes Gütesiegel: unseren Stadtwald-Brennstempel.“

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