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Hotel „Chateau Marmont“ : Hollywoods Wohnzimmer schließt

  • -Aktualisiert am

„Ich bezog einfach den nächsten Bungalow“: Marmont im Sonnenuntergang. Bild: AFP

Das Chateau Marmont am Sunset Strip: ein Hotel so diskret wie exzesstauglich. Manche der Dauergäste aus dem Showbiz starben hier sogar. Jetzt soll daraus ein Privatclub werden.

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          An Helmut Newton, den international bekannten Fotografen, erinnert sich Hotelier André Balazs dieser Tage gern. Als Balazs das Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard vor 30 Jahren übernahm, gehörte der gebürtige Berliner mit australischem Pass gewissermaßen zum Inventar. Mit Ehefrau June überwinterte Newton jedes Jahr in Los Angeles, standesgemäß in einem Appartement des Marmont, das schon damals Künstler, Filmschaffende und Musiker anzog. „André, ich freue mich sehr, dich kennenzulernen, aber bau keinen Scheiß mit dem Hotel“, mahnte der Fotograf den Newcomer Balazs damals bei dem ersten Treffen in der Lobby. Das Marmont, so Newton, sei perfekt. „Im selben Moment riss der Bezug des Sofas, und eine Sprungfeder kam zum Vorschein“, erinnerte sich Balazs jetzt im Branchenblatt „Variety“. Newton fiel der Fauxpas nicht auf, der Hotelier wertete ihn als Zeichen: „Es musste sich etwas tun, aber ich nahm mir fest vor, unter keinen Umständen den erwähnten Scheiß zu bauen.“

          In den kommenden Jahren wechselte Balazs das angestaubte Mobiliar durch ein bisschen weniger angestaubtes Mobiliar aus, beantragte eine Schankerlaubnis und eröffnete eine Hotelbar, die bis heute zu den exklusivsten „watering holes“, den Wasserlöchern, der Stadt zählt. Newton blieb Stammgast und lobte Balazs’ Traditionstreue. „Die Leute sagen, dass sich nichts verändert habe. Dabei hat sich alles verändert“, meint der Hotelier.

          Der jüngste Umbruch wäre Newton bestimmt aufgefallen – und bei dem Fotografen, der 2004 nach einem Autounfall vor dem Chateau Marmont starb, auf wenig Begeisterung gestoßen. Nach Corona und Lockdown kündigte Balazs jetzt an, die als Hollywoods Wohnzimmer bekannte Luxusherberge künftig als Privatclub zu betreiben. Die in die Jahre gekommenen Plüschsessel in der holzgetäfelten Lobby sollen von Ende des Jahres an einem kleinen Kreis von Mitgliedern oder Anteilseignern vorbehalten bleiben. Wie man in Los Angeles erzählt, plant der Dreiundsechzigjährige bereits den Verkauf von Eigentumsanteilen, um das Chateau Marmont zu einem members-only club zu machen. Das neue Geschäftsmodell soll dem Wunsch zahlungskräftiger Gäste in Pandemiezeiten entgegenkommen. „Es ist gut, Leute zu kennen. Man kann sich mit ihnen unterhalten und weiß, woher sie kommen“, sagte Balazs dem „Wall Street Journal“.

          Skandale, Affären und Exzesse

          Ganz neu ist die Idee abgeschotteter Exklusivität nicht, im Gegenteil. Das Marmont, das der Immobilieninvestor Fred Horowitz Ende der Zwanziger im Stil eines französischen Schlosses baute, war schon als Appartementhaus geplant. Bis heute erinnern schwarzweiß gekachelte Küchen in Suiten und Bungalows an Horowitz’ Konzept, vermögende New Yorker während der Wintermonate nach West Hollywood zu holen. Als die Weltwirtschaftskrise den Traum der Snowbirds von der Ostküste wenige Monate nach der Eröffnung 1929 platzen ließ, wurde auf dem Sunset umdisponiert. Horowitz verkaufte an den Filmproduzenten Albert Smith, der das Chateau Marmont in ein Hotel verwandelte. Anstelle von Bankern und Geschäftsleuten aus Manhattan bezogen Schauspieler, Musiker und Schriftsteller die gut 60 Appartements.

          Mit ihnen kamen Skandale, Affären und Exzesse, die das Chateau Marmont nicht zum luxuriösesten, aber bestimmt aufregendsten Hotel in Los Angeles machten. Pilot, Industrieller, Produzent und Berufsexzentriker Howard Hughes bestand bei seinen Daueraufenthalten in den Vierzigern stets auf eine Suite mit Fenster zum Pool. Er verbrachte Stunden damit, Starlets im Badeanzug zu begaffen. Sobald Hughes ein Objekt der Begierde ausgemacht hatte, klingelte das Telefon des Concierge, um es auf sein Zimmer bringen zu lassen.

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