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Nick Cave-Ausstellung : Zehn Dinge, die ich an meiner Band nicht mag

Aus dem Begleitbuch der Ausstellung in Kopenhagen: Nick Cave aufgenommen von Designer Gosha Rubchinskiy Bild: Anders Sune Berg/Royal Danish Library

Mit Nick Cave im Museum: Wie eine Ausstellung in Kopenhagen direkt ins Gehirn einer Popikone führen will.

          3 Min.

          Der Junge mit den drei Geschwistern und der religiösen Prägung hatte schon immer einen Sinn für das Düstere. In einem Brief aus dem Internat an seine Eltern erzählt er von einem Rugbymatch („When Saturday morning came, I was rather aching so I didn’t play too well aginst Scotch College Rugby (32:0)“), vom Kauf einer schicken, aber gar nicht sehr teuren Jacke (maßgeschneiderte Jacketts werden bald sein Markenzeichen sein) und schließlich von der Begegnung mit einem Mitschüler, dessen bester Freund sich gerade das Leben genommen hat. In seinem Ton liegt schon 1971 eine eigene Ironie. Vier Jahre später ist es der Schulleiter, der an die Familie schreibt: Er vermisse den Respekt des Jungen vor der Obrigkeit: „Work, too, has been neglected“.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wir befinden uns im Teenagerleben des Nick Cave, Dichter, Musiker, Schriftsteller, Drehbuchautor. Geboren in Australien, später und bis auf weiteres Frontman der Band The Bad Seeds (17 Alben), exzentrischster Melancholiker zwischen Berlin und São Paulo. Cave war es, der den Rock 'n' Roll in die Tradition der schwarzen Romantik bettete. Seine Themen: ungezählte Schattierungen im Spektrum der menschlichen Leidenszustände. Sehnsucht, Verlangen, Tod, Trauer, Gottesfurcht, Scham, Wahn, Gewalt.

          Sammelsurium von Zitaten

          Nick Cave also als pausbäckiger Cowboy in den Sechzigern, sein Vater und eine vor der Kamera hinunterbrennende Zigarette. Eine alte Ausgabe von „Lolita“ (Nabokov wird ihn beeinflussen), eine Aufnahme der im Schwimmbad planschenden Kinder, Songtexte für seine Jugendband Boys Next Door, durchgestrichen, farbig eingerahmt. Notizen, Zeichnungen, Listen: zehn Gründe, warum er mit dem musikalischen Anspruch seiner Band nicht zufrieden ist. Kassetten, das Evangelium, ein Porträt seiner zweiten Frau, der Schauspielerin Susi Blick, das Penguin Dictionary für kuriose Wörter. Anhand dieses Sammelsuriums von Zitaten lässt sich im Ansatz ermessen, wie Cave seine Musik unter dem Einfluss von Gospel, Punk, Country und Blues zusammenführte. Es ist, wie im Dachboden seines Gedächtnisses zu stöbern, nur dass es sich um einen vorsortierten Dachboden handelt, jedenfalls, was den Begleitband anbelangt.

          Rekonstruktion von Nick Caves Büro, entwickelt mit Iain Forsyth und Jane Pollar

          Wer alles sehen (und hören) will, wer sich in die Gedanken-Höhle des Musikers wagen möchte, muss nach Kopenhagen. Die Ausstellung „Stranger Than Kindness: The Nick Cave Exhibition” in der Dänischen Königlichen Bibliothek, die auch ohne Popikone ein Ort zum ewigen Verweilen wäre, wurde am Dienstag, zwei Monate nach dem geplantem Start, eröffnet. Cave hat selbst mitkuratiert. Mehr als 300 Exponate aus seiner Arbeit und seinem Privatleben zwischen Berlin und London sind da versammelt, persönliche Artefakte, die sonst in einem Archiv im Arts Centre von Melbourne stehen oder in der privaten Sammlung des Musikers.

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