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Streetart-Künstler : Hat Banksy seine Unschuld verloren?

„Love is in the Bin“: Das Schredderbild war seit März in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Bild: dpa

Der gesichtslose Streetart-Künstler Banksy war einsame Klasse. Doch jetzt treibt er plötzlich seinen Marktwert in die Höhe – und hat vielleicht genau das erreicht, was er eigentlich nie wollte.

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          Steigen wir hier nicht in die ausufernde Banksy-Analyse ein. Fragen wir nicht, ob der Franzose Xavier Prou aka Blek le Rat die Graffitikultur im öffentlichen Raum etabliert hat mit der Stencil-Kunst, der Schablonenmalerei zur Verzierung von Wänden und Mauern – die eben der immer noch nicht enttarnte Banksy, wahrscheinlich Jahrgang 1974, zur Perfektion getrieben hat, indem er sich selbst zu Weltruhm hochsprayte.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Beginnen wir bei seinem jüngsten Coup, den jedes Kind bis nach China kennt. Als am 5. Oktober 2018 im Londoner Auktionssaal von Sotheby's sein Spraybild-Unikat „Girl with Balloon“ aus dem Jahr 2006 gerade für knapp eine Million Euro zugeschlagen war, setzte sich ein im dicken neobarocken Rahmen eingebauter Mechanismus wie von Geisterhand in Bewegung und schredderte das Werk mit seinen Zähnchen, akkurat bis zur Hälfte: oben im Rahmen noch der Herzballon, unten heraushängend die säuberlichen Schnipsel mit dem Kleidchen des Mädchens. Die Handy-Bilder dazu gingen in den sozialen Medien um die Welt.

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