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Vorgarten-Makeover : Das Seerosen-Glück

Da es keine Zwölfmonatsblüher gibt, sollen Japan-Anemonen oder Christrosen mit ihren hübschen Blättern in den kalten Monaten das Auge entzücken. Im Übrigen soll uns Jahr für Jahr etwas blühen. So setzen wir auf mehrjährige, robuste Pflanzen. Einjährige Geranien sind schön für die Blumenkästen, aber halt vergänglich. Bauernastern, Löwenmäulchen, Sonnenhüte, Anemonen und zwei Rosenbüsche werden eingegraben und auf zwei „Rondelle“ verteilt, ganz bewusst als farblich einheitliche Kleingruppe, damit es keinen Kraut-und-Rüben-Kuddelmuddel-Effekt gibt. Ohne Hortensien geht nichts, sie lassen jung ihre Pracht erahnen und selbst ihre vertrockneten Blüten verschönern graue Tage. Hauptsache keine Symmetrie, die finden wir unnatürlich. Anfangs sehen die frisch gepflanzten Schätze künstlich aus. „Wie Kuhfladen auf einer ausgedörrten Wiese“, ätzt der Mann. Wir ziehen dennoch unverdrossen unsere Kreise, graben Stücke um, arbeiten Kompost und Blumenerde ein, damit es gute Startbedingungen gibt.

Die Schwächsten werden die Schönsten sein

Um das Budget nicht zu sprengen, ist es teils dem Zufall geschuldet, was gepflanzt wird, sofern das nicht mit Licht- und Bodenverhältnissen kollidiert. Die Nachbarin spendiert Ableger ihrer selbstgezogenen Tagetes. Ein anderer Nachbar, ein Schöngeist vor dem Herrn, entsorgt seine Begonien, sobald die ersten Blüten schwächeln, und findet in uns dankbare Abnehmer. Im Discounter wird hochgejazzter, stiefmütterlich behandelter Rittersporn zum Spottpreis angeboten. Wir integrieren die halbvertrockneten Rispen auf unsere Krankenstation hinter den Tontöpfen mit wuchernder Pfefferminze. Wir düngen, gießen, pflegen die Verreckerlis und freuen uns am Tierheimeffekt – die einst vernachlässigten Schützlinge danken es später mit üppigem Wuchs. Die Schwächsten werden die Schönsten sein. Basta. An einem trüben Tag versenken wir Zwiebeln, Tulpen, Traubenhyazinthen, Narzissen und freuen uns, bei den Grabungen Schneeglöckchenzwiebeln zu sichten. Vorfreude ist auch eine Freude und wird in diesen frühlingshaften Tagen mit zauberhaften Farbtupfern belohnt.

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Nach all der Wühlerei beschenken wir uns mit einem großen Teichbecken, knapp 200 Euro, 1000 Liter Fassungsvermögen. Das Kind plagt sich ab und versenkt sich in die Mammutaufgabe, ein Freund assistiert bei der Grubenarbeit. Ein kleiner Molch, der den Minitümpel besucht hat, sorgt für einen gigantischen Motivationsschub. Zufällig wird die Straße aufgerissen. Ein Mann mit Bagger erbarmt sich des Kerlchens. Am letzten Tag fährt er vor. „Junge, soll ich dir helfen?“ Im Nu finden sich Nachbarn ein und bestaunen das Schauspiel: Die mächtige Baggerschaufel senkt sich, hebt sich, türmt Erdberge in die Einfahrt und erledigt in wenigen Minuten eine Arbeit, die sonst Wochen gedauert hätte. „Sagt das nicht meinem Chef“, mahnt der Baggerführer und auch, die flott gedrehten Smartphonefilmchen zu löschen.

Fortan ist er der Held unserer Straße, der Ärger über den Baulärm verrauscht. Leider ist der Gastmolch weitergezogen. Still ruht der Baggersee in den Wintermonaten. Auf gut Deutsch: Das nackte, schwarze Plastikbecken sieht potthässlich aus. Sobald die Nächte frostfrei sind, werden die Arbeiten beendet und Wasserpflanzen folgen. Sommer mit Seerose – wie herrlich das schon klingt! Mittlerweile schlängelt sich ein Rindenmulchpfad auch zum zweiten Teich. Bald wird er von duftendem Lavendel umsäumt sein. Zur Zeit läuten Bellis und Stiefmütterchen die hellen Tage ein. Einen Birn- und einen Mirabellenbaum haben wir im gerade gepflanzt, für eine Vertikale ist gesorgt. Noch sind das nackte, 1,50 Meter hohe Gehölze, an denen nur das bunt baumelnde Früchtebild verheißungsvoll erscheint. Gärtner brauchen Geduld und ihre Projekte sind nie abgeschlossen. Und das ist ein Glück.

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