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Indonesiens neue Hauptstadt : Als würde man die Haupstadt in den Thüringer Wald verlegen

Blick auf einen Teil des Areals, auf dem die zukünftige indonesische Hauptstadt gebaut werden soll. Bild: Till Fähnders

Indonesiens Hauptstadt Jakarta droht der Kollaps. Deswegen will die Regierung eine neue Metropole bauen – zwischen Dschungel, Palmöl und Malaria. Eine Reise zur künftigen Hauptstadt.

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          Der Weg zur zukünftigen Hauptstadt führt über eine löchrige Landstraße. Ab und an rauschen Mopedfahrer vorbei. Sie ziehen kleine Staubwolken hinter sich her. Sand dringt durch die Fensterspalten ins Auto herein. Der Ort Penajam liegt im Südosten Borneos, der drittgrößten Insel der Welt, deren Territorium sich die Länder Malaysia, Brunei und Indonesien teilen. Der indonesische Teil heißt Kalimantan. Hier wechseln sich Hügel, die mit dichtem Gestrüpp und knorrigen Bäumen bewachsen sind, mit Palmöl- und Kautschukplantagen ab. Am Wegesrand beladen Arbeiter Lastwagen mit den Früchten der Ölpalmen, um sie zur Weiterverarbeitung in die Mühle zu bringen. Es sind nur knapp 70 Kilometer bis zu dem Ort, von dem aus irgendwann das Inselreich mit 266 Millionen Einwohnern regiert werden soll. Aber es wirkt hier wie der Eingang in eine vergessene Welt.

          Man stelle sich vor, die Bundeshauptstadt würde von Berlin in den Thüringer Wald verlegt werden. Das ist in etwa der Plan, den sich die indonesische Regierung ausgedacht hat. Schon im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen. Für das Jahr 2024 ist die erste Phase des Umzugs angekündigt. Es ist ein riesiges Vorhaben, das der Regierung zufolge 33 Milliarden Dollar verschlingen wird. Präsident Joko Widodo liefert für den Umzug mehrere Gründe: Er soll die 30-Millionen-Metropolregion Jakarta entlasten, die mit Luftverschmutzung, Verkehrskollaps und einem absinkenden Boden zu kämpfen hat. Die neue Region ist außerdem weniger von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen bedroht. Nicht zuletzt markiert das Gebiet in Kalimantan in etwa den geographischen Mittelpunkt des Staats mit 17.000 Inseln.

          Den ungefähren Standort für die neue Hauptstadt hat der Präsident schon bekanntgegeben. Er liegt in der Provinz Ostkalimantan auf der Fläche der Distrikte Penajam Paser Utara und Kutai Kartanegara. Recherchen dieser Zeitung haben ergeben, dass die Kapitale mit höchster Wahrscheinlichkeit in dem Bezirk Sepaku gebaut wird. Dort besitzt der Staat ein Grundstück von mehr als 160.000 Hektar. Das entspricht fast der anvisierten Größe von 180.000 Hektar für die neue Hauptstadt. Das Land wird von dem Unternehmen PT Itci Hutani Manunggol genutzt, das wiederum den Papier- und Holzkonzern April beliefert. Der Konzern, der einem steinreichen indonesischen Geschäftsmann gehört, wurde in der Vergangenheit für seine Rolle bei der Zerstörung von Regenwald kritisiert. Auf dem Gelände werden derzeit noch Akazien und Eukalyptus zur Papierherstellung angebaut.

          Als wir uns dem Ort nähern, ändert sich plötzlich die Landschaft. Zunächst führt der Weg minutenlang an einer Monokultur mit dünnen Eukalyptusbäumen vorbei. Wie Fahnenmasten sehen sie aus: hoch, dünn und weitgehend kahl bis auf ein paar Blätter an der Spitze. Dann öffnet sich der Blick auf ein Gebiet, das erst vor kurzem gerodet wurde. Baumreste liegen auf einer Mondlandschaft verteilt. Lastwagen, auf deren Ladeflächen die dünnen Stämme geladen sind, rattern über eine Sandpiste. Am Eingang zur Plantage halten ein paar Uniformierte Wache. Gegenüber liegt ein kleiner Laden, der Zigaretten, Süßigkeiten und Instantnudeln verkauft. „Ich glaube, dass dort das Areal für die neue Hauptstadt liegt. Diese Seite hier gehört den Leuten. Aber da drüben gehört alles der Regierung“, sagt Tri Handayani, die Besitzerin des Ladens.

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