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Extravagante Samtmöbel : „Unsere Sofas lösen Emotionen aus“

Carolin Kutzera und Norbert Bretz, die Geschäftsführer von Bretz, in Gensingen Bild: Cornelia Sick

Aus der Not heraus kam Bretz auf extravagante Samtmöbel – heute nehmen Showmaster und Nationalspieler darauf Platz.

          Sie heißen Cloud 7, Croissant oder Ohlinda. Die Namen der Bretz-Sofas sind ausgefallen. Und ihr Aussehen erst recht. Allein die samtigen Bezugsstoffe in den knalligen Farben machen die Polstermöbel aus dem kleinen Weinort Gensingen bei Mainz zu Hinguckern. Dazu kommen die eigenwilligen Formen: Die spitz herausragenden Ecken bei Cloud 7, die angeschnittene Rückenlehne beim Modell Croissant oder die an eine altmodische Matratze erinnernde Sitzpolsterung von Ohlinda. „Unsere Sofas lösen Emotionen aus“, sagt die 34 Jahre alte Geschäftsführerin Carolin Kutzera beim Interview im Showroom am Firmensitz. „Wir wollen die Menschen zum Schmunzeln bringen und sie überraschen.“ Ihr Onkel Norbert Bretz sieht die Marke vor allem als Ausdruck von Gemütlichkeit und betont das spielerische Element. Und: „Wer ein Sofa von uns besitzt, muss keine zusätzlichen Dekoartikel mehr anhäufen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter mit der markanten orangefarbenen Nickelbrille.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          In der Tat können die ausladenden Sofas des rheinhessischen Familienbetriebs einen Raum locker ausfüllen. Dass ihre Entwürfe nicht jedermanns Geschmack sind, dass manche sie als kitschig, überladen oder zu schräg empfinden, ist dem Führungsgespann bewusst. „Unsere Kollektion steht im Kontrast zu dem, was sonst in den Möbelgeschäften zu sehen ist“, sagt Kutzera. Nicht jeder wünsche sich ein modern-schlichtes Sofa in Dunkelgrau. „Unsere Kunden sind Individualisten und auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem.“ Den typischen Bretz-Käufer beschreibt sie als 40 bis 60 Jahre alt, selbstbewusst und beruflich meist selbständig. Auffallend viele Mediziner zählten zu den Kunden, berichtet Bretz und hat dafür eine Erklärung parat: „Ärzte sehen den ganzen Tag nur Weiß und haben ein Bedürfnis nach Farben und Wärme.“ Prominente Kunden sind beispielsweise die Opernsängerin Anna Netrebko, der Moderator Thomas Gottschalk und der Fußball-Nationalspieler Leroy Sané.

          In die Nische der ausgefallenen Sofas hat sich Bretz aus der Not heraus entwickelt. 1895 von Johann Bretz als Matratzenhersteller gegründet, verlegte sich das Familienunternehmen später auf die Produktion von Polstermöbeln und avancierte in den 1970er Jahren mit 1800 Beschäftigten zum größten Arbeitgeber der Region. Doch die wachsenden Billigimporte und ein verfehlter Zukauf brachten Bretz so in Bedrängnis, dass 1986 die Insolvenz folgte. 1987 wagte Karl-Fritz Bretz mit fünf früheren Mitarbeitern den Neuanfang und holte seine Söhne Norbert und Hartmut an Bord. Beide hatten BWL studiert, Hartmut arbeitete damals bei Siemens, Norbert war nach Praktika bei Werbeagenturen ein Jahr um die Welt gereist.

          Keine Chance mit herkömmlichen Sofas

          Schnell stellten die Brüder fest, dass sie mit herkömmlichen Sofas auf Dauer keine Chance haben würden und entwickelten ihren ganz eigenen, schrillen Stil. Mit Erfolg. Im vergangenen Jahr gelang ein Umsatzsprung um ein Zehntel auf 12 Millionen Euro. „Uns spielen auch die veränderten Einrichtungsgewohnheiten in die Hände“, sagt Norbert Bretz, dessen Bruder sich im Herbst zurückgezogen und seinen Geschäftsführerposten an seine Stieftochter Carolin Kutzera abgegeben hat. Statt großer Schrankwände sind im Wohnzimmer zierliche Kommoden gefragt, für das Sofa ergibt sich dadurch mehr Platz. Zudem wird mit Gästen länger am Esstisch verweilt, was die Nachfrage nach den Ess-Sesseln von Bretz beflügelt.

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