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Reisen während Corona : Na, wie war der Urlaub?

  • Aktualisiert am

Füße hoch: Ein Mann in einem Strandkorb im Westerland Bild: dpa

Wegen Corona blicken viele Deutsche mit Bangen auf die Sommerferien. Andere wagen sich schon wieder in Flieger und an Strände – die erstaunlich leer sind. Sechs Erfahrungsberichte.

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          Mallorca, Julian Lang, 29, aus Hannover: Ich bin am 22. Juni mit meiner Freundin und meinem Zwillingsbruder nach Mallorca geflogen, und es war der schönste Mallorca-Urlaub, den ich je hatte – obwohl ich schon etwa dreißigmal da war. Der Flieger war voll besetzt, und wir mussten an Bord einen Zettel ausfüllen mit unseren Personalien und unserer Adresse auf der Insel und so. Ob unsere Angaben richtig waren, wurde am Flughafen in Palma nicht überprüft. Ich hätte da auch eine Adresse aus der Sesamstraße reinschreiben können. Wir mussten lediglich durch eine Schleuse mit Wärmebildkamera gehen.

          Falls die Inselbewohner diese Maßnahmen zu ihrem Schutz ergriffen haben, so waren sie völlig sinnlos, fürchte ich. Das Besondere diesmal war, dass die Insel völlig leer war, und das zur besten Reisezeit: Urlauber waren kaum da, und die Spanier mussten arbeiten. Es fühlte sich an, als seien wir an einem Ort, der vom Tourismus noch nicht entdeckt worden ist. Deutsch hörten wir nirgends.

          Den Umgang der Mallorquiner mit Corona fand ich unlogisch: einerseits übervorsichtig, andererseits komplett locker. In Restaurants gingen abends Leute rum, die riesige Desinfektionsflaschen wie Rucksäcke auf dem Rücken trugen. Damit spritzten sie, während die Gäste aßen, zwischen den Tischen herum, das war spooky. Das Krasseste für mich persönlich: Wir lagen an einem fast leeren Strand auf Mallorca und sahen uns Fotos von den überfüllten deutschen Ost- und Nordseestränden an – wir hatten alles richtig gemacht.

          Die Strände im Ausland sind teilweise leerer als in Deutschland an der Nord- oder Ostsee.

          Niederlande, Petra, 54, aus Münster: Mein Mann und ich wollten nicht fliegen, wegen dem Hund und wegen Corona, daher sind wir vergangene Woche nach Holland gefahren, in ein Ferienhaus in der Nähe vom Ijsselmeer. Der Grenzübergang war wie immer, da stand niemand, um zu kontrollieren. Als wir in der Ferienanlage ankamen, haben die Vermieter uns etwas komisch angeguckt, weil wir einen Mundschutz trugen. Dort hatte niemand einen.

          Die Niederländer hatten im März zunächst darauf gesetzt, Herdenimmunität herzustellen, sind dann aber umgeschwenkt, haben ihre Lokale geschlossen. Mittlerweile ist das Geschichte. Es war fast so ein Gefühl, als gebe es kein Corona mehr, ja als habe es Corona nie gegeben. In den Straßencafés standen die Tische so nah beieinander wie eh und je. Die Strände waren leer, ich habe auch nur ganz wenige deutsche Autos gesehen. Alles in allem eine sehr gute Entscheidung, in Holland Urlaub zu machen; ich habe mich sehr wohl gefühlt.

          Österreich, Familie Kohl aus Düsseldorf: Eigentlich wollten wir in diesem Sommer nach Südfrankreich fahren, das haben wir wegen Corona gecancelt. Stattdessen haben wir spontan ein Hotel in Österreich gebucht. Insgesamt finden wir es hier viel laxer als in Deutschland. Im Hotel haben sie gesagt: „Wir tragen Maske, die Gäste nicht, nur wenn sie wollen.“ In dem Sportgeschäft hier am Ort, in dem ich Wanderschuhe gekauft habe, trug die Verkäuferin auch keine Maske. Andererseits, als wir mit dem Bus fuhren und keine anhatten, wurden wir von der Fahrerin ermahnt.

          Urlauber müssen im Flugzeug Maske tragen.

          Gestern sind wir mit einer Gondel auf den Berg gefahren, die war eigentlich für 40 Personen ausgelegt, es durften aber nur 20 rein. Aber als wir drinstanden, wurde uns trotz Masken mulmig, weil wir ziemlich nah beieinander waren. Als ich den Mitarbeiter von der Seilbahn fragte, ob wir uns bitte ans offene Fenster stellen dürften, hat er etwas überreagiert, weil er uns für eine Risikogruppe hielt. Insgesamt fühlen wir uns hier aber sicher. Wandern ist einfach die beste Alternative für Urlaub in Corona-Zeiten. Man kann sich bestens in der Natur vereinzeln.

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