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Upcycling : Altes Holz in neuen Möbeln

Manchmal führt ihn die Suche aber auch an ungewöhnliche Orte: Während der Renovierung des Heathrow-Terminals 2 kaufte er 200 Tonnen Bodenplatten aus seltenem Kalkstein mit fossilen Einschlüssen. Als eine Fabrik geschlossen wurde, übernahm er 1000 Lampenschirme im Industriedesign. Bei einer anderen Gebäuderenovierung ergatterte er 80 Eichentüren. Und als das Naturkundemuseum einen seiner Speicher räumte, kaufte Hills 360 große Holzschränke. „Die füllten damals fünf Lastwagen“, sagt er. „Das war vor fünf Jahren, und vor kurzem haben wir den letzten davon verkauft.“

Wie ein verwunschener Speicher

Es verwundert nicht, dass die Geschäftsräume von Retrouvius an einen alten verwunschenen Speicher erinnern, auf dem man sich verlaufen hat und nun zwischen Ledersesseln, roten Mahagonitischen und grünen Fliesenstapeln, die wie Insekten schillern, seinen Weg zurück finden muss. Denn im teuren London kann sich Hills keine Lagerräume leisten. In sein Labyrinth der schönen Dinge verirren sich seit einigen Jahren auch immer mehr Prominente, die sich von Retrouvius ihr gesamtes Haus einrichten lassen. „Wir haben mit Küchen angefangen, und nun haben wir Projekte mit einem Millionenbudget - zuletzt haben wir für einen Kunden ein schwimmendes Haus neu gestaltet“, erzählt Hills. In Fragen des Designs entscheidet seine Frau Maria - „sie ist besser mit Farben und Texturen, sie liebt alte Stoffe“.

Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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Wenn man die Bilder der bisherigen Projekte durchblättert, glaubt man ihm. Leicht abgewetzte Ledersessel sind da vor Brokatvorhänge drapiert, Küchenzeilen setzen sich in harmonischer Farbfolge aus unterschiedlichen Holzplatten zusammen, aus alten Dingen sind moderne Einrichtungskonzepte entstanden. Gibt es Stile, die er überhaupt nicht kaufen würde? Hills schüttelt den Kopf, gerade dies sei eine Herausforderung. „Es ist ein besonderer Spaß, wenn man modischen Menschen unmoderne Dinge verkaufen kann“, sagt er.

Früher hatten alte Möbel ein angestaubtes Image, heute kommen Hills’ Kunden gerade wegen der Patina. Bis es so weit war, musste er einen langen Weg zurücklegen. Zu Beginn der neunziger Jahre finden sich zwar die ersten Artikel in Architekturzeitschriften, die „Upcycling“ als Lösung für ein gesünderes Verhältnis zu nachwachsenden Rohstoffen und gegen den Raubbau an der Natur loben; ein Massenphänomen war es jedoch noch lange nicht. „Man kann jetzt, 20 Jahre später, mit diesem ganzen Vintage-Hype kaum glauben, dass es anfangs so schwer war, Menschen für ältere Möbel zu begeistern. Aber alle wollten nur moderne, saubere Gegenstände“, erinnert sich Hills. Dann kam der Zusammenbruch von Lehman Brothers und die Wirtschaftskrise. „2008 war ein Wendejahr.

Die „Bling“-Mode verschwand über Nacht

Fast über Nacht verschwand die ganze Faszination für die ,Bling‘-Mode, die mit Champagnertrinken und Geld-um-sich-Werfen assoziiert wurde“, sagt Hills. Plötzlich wollten Banken, Modeunternehmen und andere Institutionen herausstellen, dass sie eine Geschichte hatten und für ökologische Ideen standen. Das sollte sich auch im Design ausdrücken, und so klingelten bei „Retrouvius“ die Telefone. „Viele Modeunternehmen riefen an und fragten, ob wir nicht etwas aus altem Holz für ihre Läden hätten“, sagt er und lacht. Alte Lampenschirme, Vintage-Möbel und Holzelemente sind heute in vielen Modefilialen zu finden, selbst wenn das Label noch keine zwei Jahre alt ist. Der Eindruck von Beständigkeit liegt im Trend. Das ist nicht nur in London so, der Look ist auch in Berlin oder München zu finden.

Eigentlich müsste das Adam Hills freuen. Aber er runzelt die Stirn. „Ich mache mir eher Sorgen, dass dieser offensichtliche Trend sehr kurzlebig sein wird. Viele Cafés kaufen sich heute ein bisschen altes Holz und hängen es an die Wand, um diesen Look zu bekommen. Man möchte umweltbewusst und ökologisch wirken.“

Beim Blick in das Café, in dem dieser Artikel geschrieben wird, möchte man dem zustimmen, denn auch hier hängt eine Collage aus Palettenholz etwas unmotiviert an der Wand. Wird nicht auch dieser Trend trotz idealistischer Intention bald schon vom nächsten abgelöst sein? Hills gab sich optimistisch: „Der Grund, warum wir Dinge retten, wird aktuell bleiben, denn wir müssen über unsere Ressourcen und Materialien immer mehr nachdenken. Das wird uns noch in den kommenden 100 Jahren beschäftigen.“

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