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Ungewöhnliche Hochzeitsorte : Trauung unter Tage

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Der Helm muss sein – und Ponchos sind auch nicht schlecht, wenn man einer Trauung unter Tage beiwohnt. Bild: dpa

Standesamt und Kirche? Macht doch jeder. Wer eine ungewöhnliche Hochzeitstag begehen will, kann sich zum Beispiel unter Tage, unter dem Sternenhimmel oder in einem Zeppelin trauen lassen – muss aber ein paar Bedingungen in Kauf nehmen.

          Für die meisten Brautpaare ist der eigene Hochzeitstag etwas ganz Besonderes. Und wem die Zeremonie allein nicht reicht, der kann sich zudem noch einen ausgefallenen Ort für die Trauung aussuchen. Fast 54.600 Ehen wurden nach Zahlen des Statistischen Landesamtes im Jahr 2017 allein im Südwesten Deutschlands geschlossen. Heiraten kann man dort auch in der Luft, auf dem Wasser, unter der Erde oder mitten in der Nacht. Eine Auswahl:

          Ein bisschen Mut muss man mitbringen, wenn man im historischen Bergwerk „Grube Wenzel“ heiraten möchte. Die Gemeinde Oberwolfach bietet die Trauungen unter Tage erst seit kurzem an, Ende April fand zum ersten Mal eine Hochzeit dort statt. Vermählt wurde das Paar von Bürgermeister Matthias Bauernfeind. In dem Besucherbergwerk habe die Gemeinde eine schöne Ecke ausgesucht, in der man mit bis zu 20 Personen stehen könne. Allerdings muss die Hochzeitsgesellschaft ungewöhnliche Vorschriften beachten - zum Beispiel ist ein Sicherheitshelm Pflicht. „Wir haben aber extra für diesen Zweck zwei weiße Helme angeschafft“, sagt Bauernfeind. Zudem trug das Brautpaar weiße Gummistiefel und durchsichtige Ponchos – falls es von der Decke tropfen sollte.

          In Friedrichshafen am Bodensee wiederum kann man beim Heiraten sogar auf den festen Boden unter den Füßen verzichten: Die Stadt bietet Trauungen im Zeppelin oder auf einem Schiff an. Allerdings gibt es bei beiden Heirats-Möglichkeiten eine kleine Einschränkung: „Bis sich die Paare das Jawort gegeben haben, muss das Schiff noch im Hafen von Friedrichshafen fest vertäut sein“, heißt es bei der Stadt. Denn nur dann ist die Trauung rechtskräftig – es muss nämlich eindeutig sein, in welchem Standesamtsbezirk sie vollzogen wurde. Ähnlich sieht es beim Zeppelin aus: Die Trauung erfolgt in der Gondel, während das Luftschiff noch am Boden ist.

          Ledig nach unten, verheiratet nach oben – das Paar verlässt nach der Trauung das Bergwerk.

          Eng zusammenrücken muss man im vermutlich kleinsten Standesamt Deutschlands in Triberg im Schwarzwald: Nur 1,5 Quadratmeter misst das Trauzimmer in einem vor mehr als 400 Jahren erbauten Hotel neben dem Rathaus. Einen besonders schönen Ausblick hat man wiederum im höchsten Standesamt Baden-Württembergs: Auf der Spitze des Feldbergs, in einer Höhe von rund 1500 Metern, können sich Paare im dortigen Turm das Jawort geben. Einziger Haken: Mit dem Auto erreicht man den Gipfel nicht - dafür gibt es nach Angaben der Schwarzwald-Tourismus eine besondere Hochzeitsgondel, die das Brautpaar hinauf bringt.

          In Rechberghausen (Kreis Göppingen) können sich Paare auch unter dem Sternenhimmel oder ganz früh am Morgen trauen lassen: Das Standesamt bietet einen 24-Stunden-Service an. „Trauungen werden in Rechberghausen bei rechtzeitiger Terminvereinbarung an jedem Kalendertag, auch an Samstagen, Sonn- und Feiertagen sowie zu jeder Tageszeit rund um die Uhr durchgeführt“, heißt es bei dem Ort, der sich selbst als „Hochzeitsgemeinde“ bezeichnet. Ausnahmen gibt es lediglich an Heiligabend (bis 12.00 Uhr), an Silvester (bis 20.00 Uhr) und am Neujahrstag (ab 13.00 Uhr).

          Schön Kulisse: Der Mannheimer Wasserturm, hier findet ein Narrenumzug statt.

          In Mannheim gibt es am 19.09.2019 für neun Paare die erste und einzige Möglichkeit, sich im Mannheimer Wasserturm das Jawort zu geben. Das 60 Meter hohe Wahrzeichen im Eigentum des Energieversorgers MVV ist von innen sonst nur an Tagen des offenen Denkmals zu besichtigen. Die ehemalige technische Anlage bietet Platz für 45 Hochzeitsgäste. Zudem öffnet das seit 1957 bestehende Kulturdenkmal Nationaltheater Mannheim am Goetheplatz den Vorhang für Brautpaare. Die Trauungen werden im oberen Foyer auf einer Bühne vollzogen. Von dort genießt die Hochzeitsgesellschaft den Blick durch die Glasfassade auf den Luisenpark und das Mannheimer Stadtpanorama.

          In der Gemeinde Mauer (Rhein-Neckar-Kreis) können sich die Paare zwischen Vitrinen mit urzeitlichen Knochen trauen lassen. Prunkstück des kleinen Museums und Trauzimmers im Rathaus des Ortes ist der Unterkiefer des homo heidelbergensis. Dieses rund 610 000 Jahr alte Schädelfragment wurde 1907 in Mauer nahe Heidelberg entdeckt. Die Kopie eines der ältesten menschlichen Funde in Europa wird flankiert von weiteren Schädeln sowie von Bären-, Nashorn-, Waldelefantenknochen in den Schaukästen. Für die Bürger von Mauer sei das kein ungewöhnlicher Trauort mehr, sagt Bürgermeister John Ehret. Doch Menschen von außerhalb täten sich mit dem Ambiente schwer.

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